Ein starkes Team: Frauke und Urte Kasüske, Organisatorinnen des Rügen-Marktes in Thiessow | Foto: FotoArt Mirko Boy

„Wir lieben, was wir tun“

Frauke und Urte Kasüske über das Erfolgsrezept vom Rügen-Markt

Der Rügen-Markt in Thiessow gehört inzwischen zur Insel wie der Sand zur Ostsee. Wie ist die Idee entstanden und welches Konzept verfolgen Sie?
Frauke Kasüske: Die Idee hatte unser Vater Jürgen. Er ist auf Rügen aufgewachsen und liebte die Insel. Nach der Wende pendelte er viele Jahre zwischen Nordrhein-Westfalen und Rügen, um als Vertriebsleiter für ein IT-Unternehmen zu arbeiten. Als er sich 2007 selbstständig machte, entwickelte er das Konzept des Rügen-Marktes. Der Grundgedanke ist eine regelmäßige Plattform, auf der regionale Produzenten und Kunsthandwerker ihre selbstgemachten Erzeugnisse verkaufen können. Dafür dachte er sich ein Win-Win-Prinzip aus, das auf Vertrauen basiert. Vertrauen ist das Bindeglied zwischen den Markthändlern und uns.

Was ist das Besondere am Rügen-Markt?
Urte Kasüske: Der Markt ist besonders bunt. Wir legen Wert auf besonders vielseitige, schöne Stände mit handgemachten, regionalen Produkten. Das kommt insbesondere bei Urlaubern sehr gut an.

Warum haben Sie sich für den Standort Thiessow im äußersten Südosten Rügens entschieden?Frauke Kasüske: Ursprünglich fand der Markt in Lietzow statt. Aufgrund der guten Verkehrsanbindung galt Lietzow als idealer Standort. Thiessow kam erst später dazu. Wir haben bereits seit 30 Jahren eine persönliche Bindung zu Thiessow. Der Hafen hat sich zu einer idealen Marktlocation entwickelt. Thiessow liegt im untersten Zipfel der Halbinsel Mönchgut, aber für die Urlauber aus den Badeorten ist er mit dem Auto oder dem Fahrrad noch gut erreichbar. Zudem haben wir mit der Fischereigenossenschaft und der Gemeinde Mönchgut zwei starke Partner gefunden. 

Sie sind später in die Saison gestartet. Welche Hürden mussten in diesem Jahr coronabedingt überwunden werden und wie haben Sie bzw. die Händler sie gemeistert?
Urte Kasüske: Der Start war in diesem Jahr schon schwierig. Aufgrund des Lockdowns gab es im Mai keinen Markt. Und dann spielte es plötzlich eine elementare Rolle, unter welche Kategorie von Markt wir fallen. Wochenmärkte waren erlaubt, Spezialmärkte nicht. Da der Rügen-Markt sehr bunt ist, war man sich nicht einig, was wir sind. Nach einem nervenaufreibenden Hin und Her bekamen wir schließlich das Go vom Landrat, dass wir den Wochenmarktteil öffnen dürfen. Allerdings stellten wir dann fest, dass fast alle Stände auf Wochenmärkten verkaufen dürfen. Von daher sind die Marktstände nicht so viel anders als gewohnt. Wir haben Wege verbreitert, Hygiene- und Abstandsregeln eingeführt und last but not least die Besucherzahl auf dem Hafengelände begrenzt. Das ist bis heute eine große Herausforderung. Zwischen 9.30 Uhr und 13 Uhr gibt es regelmäßig größere Warteschlangen vor dem Gelände. Allerdings sehen wir das Ganze auch positiv. Auf dem Markt selbst ist es für die Händler und die Besucher nun wesentlich entspannter als in den Vorjahren. 

Wie viele Produzenten nehmen in diesem Jahr am Rügen-Markt teil? Woher stammen Sie?
Frauke Kasüske: Es nehmen etwa 80 bis 90 Aussteller teil. Die meisten stammen aus der Region Vorpommern-Rügen.

Nach welchen Kriterien wählen Sie die Aussteller aus?
Urte Kasüske: An erster Stelle steht für uns das Produkt. Wir wollen möglichst handgemachte und nachhaltig produzierte Erzeugnisse. Besonders gerne nehmen wir Händler mit regionalen Spezialitäten. An zweiter Stelle stehen die Regionalität und Art der Präsentation. Und last but not least ist ein Faktor, ob der Händler in unsere Marktfamilie passt. Ideal ist es, wenn alles zusammenkommt.

Ein kleiner Ausblick. Worauf dürfen sich Besucher im Jahr 2021 freuen?
Frauke Kasüske: Rügen-Markt-Fans schätzen unsere Kontinuität. Auch im kommenden Jahr wird es ein Wiedersehen mit alten Bekannten und einige überraschende Neuentdeckungen geben. Ansonsten liegt unser Fokus auf der Weiterentwicklung der „Rügen kreativ“ in Lietzow.

Können Sie noch ein paar Worte zur Meile „Rügen kreativ“ sagen? Welches Ziel verfolgen Sie?
Urte Kasüske: Die Strandwerker-Meile „Rügen kreativ“ setzt in diesem Jahr aus. Der Grund ist, dass auf der „Rügen kreativ“ der Erlebnischarakter im Vordergrund steht. Daher zählt sie als Veranstaltungsreihe und war erst ab Mitte Juli wieder möglich. Zu spät für Planungen. Workshops und Bühnenprogramm wären nicht möglich. So haben wir uns entschlossen, dieses Jahr auszusetzen und im nächsten Jahr wieder richtig loszulegen.

Der Rügen-Markt kann dienstags und donnerstags von 9 bis 16 Uhr besucht werden. Wann ist das Bummeln am entspanntesten?
Frauke Kasüske: Wir empfehlen einen Besuch am Nachmittag nach 13 Uhr. Dann gibt es erfahrungsgemäß keine Warteschlangen mehr.

Wie sieht es mit Parkmöglichkeiten aus?
Urte Kasüske: Für zwei Euro Parkgebühr können Besucher auf unseren Parkplätzen direkt am Hafen parken. Ansonsten gibt es auch noch Parkplätze im Ort.

Was wünschen Sie sich von Händlern und Besuchern?
Frauke Kasüske: Von unseren Besuchern und Händlern wünschen wir uns vor allem Verständnis für die Maßnahmen in diesem besonderen Jahr. Die Regeln wurden mit Verstand aufgestellt, damit die Ansteckungsgefahr möglichst gering bleibt. Einige versuchen, sich über bestehende Regeln hinwegzusetzen und das kann sehr anstrengend sein. 

Gibt es noch einen Zweig, der nicht besetzt ist?
Urte Kasüske: Wenn es überhaupt einen Zweig gibt, der noch unterbesetzt ist, dann ist es frisches Obst. Obststände können sich gerne bewerben. 

Wenn der letzte Markttag in diesem Jahr vorbei ist, werden dann die Beine hochgelegt?
Frauke Kasüske: Ja. Im November nehmen wir uns für gewöhnlich eine Auszeit. Im Dezember bin ich als Sängerin
LoreLei auf Weihnachtsmarkttour. Urte verbringt die Adventszeit mit ihren Kindern. Und ab Januar beginnen wir wieder mit der Sichtung der Bewerbungen und der Planung und Vorbereitung der neuen Saison.

Wo laden Sie Ihre Akkus für die nächste Rügen-Markt-Saison wieder auf?
Frauke Kasüske: Da gibt es keinen speziellen Ort. Ich liebe es, neue Kulturen und Regionen zu entdecken. Und in diesem Jahr ist die Reiseplanung etwas spontaner, wahrscheinlich wird es Südeuropa.

Bei einer Umfrage unter den Anbietern wurde unter anderem die professionelle Organisation des Marktes gelobt. Welchen Anspruch verfolgen Sie? Haben Sie ein Erfolgsrezept?
Urte Kasüske: Unser Erfolgsrezept heißt Authentizität und Fairness. Wir sind immer als Ansprechpartner vor Ort. Dabei sind wir uns nicht zu schade, auch mal aktiv mit anzupacken. Zu unseren Händlern pflegen wir ein persönliches, oft sogar freundschaftliches Verhältnis auf Augenhöhe. Wir verdienen nur Geld, wenn unsere Händler verdienen. Ein kreativer Kunsthandwerker, der den Markt bunter macht, ist uns genauso wichtig, wie eine umsatzstarke Manufaktur. So mancher Insulaner hat auf dem Rügen-Markt klein angefangen und sich zu einem Erfolgskonzept entwickelt. So mancher Produzent fand bei uns eine neue Heimat. Die Organisation ist nicht immer perfekt, aber wir tun, was wir können. Und wir lieben, was wir tun.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin viele zufriedene Besucher und Händler.

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