Wittow als Zufluchtsort

Hans Fallada ließ sich von der Landschaft der Halbinsel inspirieren

Jahrzehnte nach seinem Tod werden die Romane und Erzählungen von Hans Fallada in der ganzen Welt gelesen. Sein Roman „Jeder stirbt für sich allein“ feiert insbesondere in den USA Erfolge. Und viele Menschen kennen seine Geschichten, weil sie verfilmt wurden. Fallada, der 1923 als Rudolf Ditzen in Greifswald geboren wurde, ist ein perfektes Beispiel dafür, dass hohe Kunst und hohe Moral oft nicht zusammen auftreten. Als junger Mann verübte er einen als Duell getarnten Doppelselbstmord mit seinem Freund, der dabei ums Leben kam. Schon früh begann seine Sucht nach Morphium und Alkohol, die ihn bis zu seinem Tod im Jahre 1947 nicht mehr verlassen hat. Dabei war er durchaus erfolgreich, doch seinen autobiografischen Roman „Der Trinker“ schrieb er in Geheimschrift. Er wurde nach seinem Tode zu einem Welterfolg. Immer wieder versuchte Fallada, seine Sucht mit kleinen Betrügereien zu finanzieren. Gefängnisaufenthalte, Entziehungskuren und Einweisungen in Nervenheilanstalten prägen sein Leben.

Seine Zeit auf der Halbinsel Wittow gehört sicherlich zu den schöneren Erinnerungen. Weil eine enge Freundschaft ihn mit dem Landwirt Johannes Kagelmacher verband, verbrachte er immer wieder Zeit auf dessen Landgut. Wie der Rügener Autor und Historiker André Farin darlegte, kam Fallada erstmals Ende 1920 nach Gudderitz. Er hatte Kagelmacher einige Jahre zuvor in Leipzig kennengelernt. Nun wurde sie enge Freunde und betrieben, laut Farin, unter anderem „Spökenkiekerei“ – die Sternendeuterei. Doch Kagelmacher verschaffte dem morphiumsüchtigen Fallada auch Alkohol zum Ersatz und half ihm, auf umliegenden Höfen Arbeit zu finden.
In dem zweiten Roman Falladas befinden sich einige stimmungsvolle Landschaftsbeschreibungen der nördlichen Halbinsel. „Anton und Gerda“ wurde 1923 veröffentlicht. Der expressionistische Roman beschreibt ein Thema, dass auch in späteren Texten des getriebenen Autors immer wieder eine Rolle spielt. Ein junger Mann flieht mit einer Prostituierten aufs Land, doch der Ausbruchsversuch scheitert und der Mann landet schließlich im Irrenhaus. Kurz vor seinem Besuch in Gudderitz wurde er in der Pommerschen Provinzialheilanstalt Stralsund behandelt.
Auch der Roman „Wir hatten einmal ein Kind“ spielt auf Wittow. Darin beschreibt er die Bewohner der Halbinsel wie folgt: „Wasser und Wind, ein unbeständiger, meist grauer Himmel, endloser rauer Winter und spätes Frühjahr, schwieriger Ackerbau, von Schiffbruch bedrohte Seefahrt haben die Bewohner dieser Halbinsel wohl wortkarg und rau, aber auch derben Späßen und lautem Gelächter geneigt gemacht.“ Dieser Roman gilt als Falladas Lieblingsroman.
Er beschreibt die tragische Geschichte eines Rüganers, der sich von dem unbändigen Drang nach Freiheit, die seine Familie prägt, befreien möchte. Doch er kann nicht aus seiner Haut und verliert die große Liebe seines Lebens.

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