Der Rainfarn

Gelb, dekorativ, jedoch leicht giftig – und unheimlich wichtig für Insekten

In hiesigen Wildblütensträußen ist der Rainfarn durch seine dekorativen Blüten in leuchtendem Gelb eine beliebte und häufig verwendete Pflanze. Was viele jedoch nicht wissen: Rainfarn ist ein Gartenflüchtling, giftig und kann Kontaktallergien auslösen.
Die in Eurasien häufige Pflanzenart hat sich als Neophyt in allen gemäßigten Gebieten der Erde verbreitet. Sie wächst gesellig in staudenreichen Unkrautfluren, an Wegen, Schuttplätzen, Dämmen, gern an Brandstellen und auch an Ufern (Stromtalpflanze) auf sommerwarmen, nicht zu trockenen, nährstoffreichen Böden. Die subozeanisch verbreitete Lichtpflanze ist ein Frischeanzeiger und hält sich auf stickstoffreichem Wildflurland über Jahre in Gemeinschaft als Rainfarn-Beifuß-Gestrüpp.
Tanacetum vulgare, auch Wurmkraut genannt, zählt zur Familie der Korbblütler ohne randliche Zungenblüten. Rainfarn wuchert stark, ist robust-ausdauernd und wächst krautig etwa 60 bis 130 Zentimeter hoch. Er bildet ein Rhizom (Erdsproß, Wurzelstock) bis in 90 Zentimeter Tiefe und besitzt dunkelgrüne, länglich-gefiederte, wechselständige Laubblätter. Die ganze Pflanze enthält stark riechende ätherische Öle (Campher, Borneol, Thujon) und Bitterstoffe.
Von Juni bis September erscheinen ihre doldenrispigen Gesamtblütenstände, die sich in leuchtend gelbe, körbchenförmige Teilblüten aufgliedern. Dabei sehen die etwa einen Zentimeter messenden Blütenkörbchen laut Volksmund wie goldene Westenknöpfe aus. Sie enthalten circa 100 zwittrige Röhrenblüten ohne Strahlen. In ihnen bilden sich glatte Achänen (Schließfrüchte), die von August bis Oktober reif sind. Diese werden durch Wind oder Tiere ausgestreut oder von Wasser verbreitet.
Die wintergrüne Halbrosettenpflanze richtet ihre Blätter in vollem Sonnenlicht stets mehr oder weniger senkrecht nach Süden, um sich als Kompasspflanze an die Wärmestrahlung ihres Standorts anzupassen. Außerdem ist Rainfarn ein Kriechwurzler und vermehrt sich an günstigem Standort reichlich vegetativ (ungeschlechtlich) durch unterirdische Ausläufer (klonal).
Aufgrund des starken Geruchs seiner Blätter und Blüten wurde Rainfarn oft als Duftpflanze verwendet. Da er insektenabweisende Wirkstoffe enthält, streute man ihn früher aus, um Ungeziefer wie Flöhe und Kopfläuse fernzuhalten, legte ihn in Särge oder tränkte Leichentücher mit seinem Extrakt. Man pflanzte ihn an, um Kartoffelkäfer zu vertreiben und Blattläuse fernzuhalten. Getrocknet wird er in der Imkerei als Rauchmittel angewandt. Die Blütenköpfe des Rainfarns ergeben zudem zusammen mit Beizen von Alaun, Eisensulfat und Ammoniak einen dunkelgelben oder dunklen grünen Farbton, was man als Wollfärbemittel nutzte.
Laut dem „Capitulare“ Karls des Großen setzte man Rainfarn bereits früh in der Pflanzenheilkunde gegen Wurmerkrankungen ein. Als Breiumschlag soll er bei Quetschungen, Rheuma und Krampfadern helfen. Allerdings rufen größere Mengen als 1 bis 3 Gramm besonders von stark giftigem Rainfarnöl Vergiftungserscheinungen hervor, sodass man heute auf harmlosere Mittel zurückgreift. Außerdem kann die Pflanze ein Allergieauslöser sein.
Nicht zuletzt ist Rainfarn eine der wichtigsten Wirtspflanzen für Insekten, denn einigen scheint seine Giftigkeit nichts auszumachen. Wegen seiner Kronröhre ist der Nektar leicht zugänglich; die Blüten werden wegen des Pollens während des ganzen Sommers reichlich besucht. Als Raupenfutterpflanze dient er vielen Nacht- und Tagfaltern wie Rainfarn-Mönch, Smaragdspanner, Eulenfalter und Gemeinem Wiesenvögelchen. Sackträgermotte, Rainfarn-Schild- und -blattkäfer sowie Rainfarn-Weichwanze sind ganz auf die Pflanze spezialisiert. Im Stängel leben Raupen der Palpenmotte, Erzwespe und Gallmilbe parasitieren in den Gallen. Außerdem minieren (Gänge anlegen) die Larven der Minierfliegenarten seine Blätter. Befallen werden kann er auch vom Rostpilz mittels Uredien und Telien (Sporenlager).

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