200. Geburtstag von Clara Schumann

Das historische Konzert auf Rügen vom 19. März 1855

Am 30. September 1854 hatte Clara Schumann (1819 – 1896) ihrem Tagebuch anvertraut: „Das Geld ist alle, und ich kann mich nicht entschließen, ein Papier Roberts zu verkaufen. Gott weiß, wie es wird.“ Als einziger gangbarer Ausweg schienen ihr Konzertreisen. Und deshalb hatte sie eine Einladung aus den pommerschen Städten Greifswald, Grimmen und Stralsund angenommen. Claras Ruf als Pianistin war legendär und so fieberte man ihren Konzerten auch in Mecklenburg und Vorpommern entgegen. Die wiederholten Ankündigungen in der „Stralsundischen Zeitung“ hatten den Musikliebhaber und Direktor des Kreisgerichtes auf Rügen, Dr. von Eckenbrecher, auf die Idee gebracht, sich an Clara Schumann mit der Bitte zu wenden, einen Abstecher nach Rügen zu wagen, um in Bergen ein Konzert zu geben.

Die Überfahrt über das Eis sowie die weitere Schlittenfahrt zur Inselhauptstadt muss eine Tortur gewesen sein. Clara schrieb in ihr Tagebuch, dass es „in einem wahren Holzkasten nach Bergen ging, wo wir um 6 Uhr ankamen; ich gänzlich zerschlagen, denn der Weg war furchtbar. Die Soiree (man hatte mich nicht mehr erwartet) war im Hause des Dr. Eckenbrecher, bei dem ich wohnte, und begann ½ 8 Uhr. Ich spielte fast allein, Dr. Eckenbrecher sang einige Lieder. Nach der Soiree waren noch viele bei meinem Wirt zusammen, ich war aber so angegriffen, dass mich ein förmlicher Weinkrampf überfiel und ich zu Bett musste.“

Was mag der Auslöser für den Weinkrampf gewesen sein? Die Erschöpfung nach der abenteuerlichen Schlittenfahrt über den Sund? Oder aber die Tatsache, dass ihre Ehe in den vergangenen elf Jahren aus dem Traum von Glückseligkeit zu einem Albtraum geworden war? Der Mann in der Irrenanstalt. Die Sorge um sieben Kinder! Was sollte werden?

Über Rostock und Berlin kehrte Clara tags darauf zurück und traf am 22. März erschöpft wieder in Düsseldorf ein. Dort empfing sie der junge Johannes Brahms, der seit dem Selbstmordversuch ihres Mannes zum engsten Vertrauten geworden und Anfang des Jahres zu ihr in die Wohnung gezogen war. „Ich kann’s gar nicht sagen, wie glücklich ich war, den geliebten Freund endlich wiederzusehen … Er ist ja mein Halt, meine Stütze, ohne ihn schwindet mir der Mut immer mehr“, so Clara.

192 Seiten, über 44 Abbildungen,
Format 11 x 16,5 cm,
ISBN 978-3-9813568-5-4
Hardcover, 14,90 Euro

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Rechtenachweis: Carl Gustav Carus, Mondnacht, 1819,
bpk Bildagentur Berlin: Gemälde­galerie Alte Meister –
Staatliche Kunstsammlungen Dresden (Nr. 116659)

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