Rätselhafter Osterwolf

Traditionsgebäck aus Vorpommern ist ein fast vergessenes Volksgut

Dass es wieder Wölfe in unserem Bundesland gibt, ist bekannt. Immer wieder hört man auch in Vorpommern von Begegnungen zwischen Menschen und den schon einmal ausgerotteten Tieren. Als der Wolf hierzulande vor einigen hundert Jahren noch in großer Zahl durch die weite Landschaft streifte, konnte dies dem Menschen allerdings extrem gefährlich werden, falls die Raubtiere hungrig waren.
Dieser Fakt der Erinnerung an die Wölfe in Verbindung mit den uralten heidnischen Opferbräuchen unserer germanischen und slawischen Vorfahren, aus welchen sich später die christliche Tradition der geweihten Osterbrote und -eierspeisen entwickelte, flossen höchstwahrscheinlich in einem fast vergessenen vorpommerschen Volksbrauch zusammen: dem Backen von Osterwölfen.

Die früheste Erwähnung eines Osterwolfs stammt aus dem Jahr 1451, als die Bäcker der Stadt Greifswald ihrem Ratszollbeamten zum Osterfest einen „Wolf“ („to Paschen enen Wulff“) zu liefern hatten. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine Osterstiftung der Bäckerszunft. In Stralsund existierte diese 1558 belegte Tradition auch zu Neujahr, denn laut (alt-)georgischem Kalender begann zu Ostern das Jahr (Paschalstil). Bürgermeister Nikolaus Gentzkow vermerkte 1563 in seinem Tagebuch zu Neujahr zumindest drei „Wölfe“ von einer Stralsunder Bäckersfrau.
Die Bezeichnung „Osterwolf“ ist dabei vermutlich auf noch ältere, heidnische Vegetationsdämonen zurückzuführen. Man opferte dem „Korndämon“ oder „Roggenwolf“ zum Frühlingsbeginn, also am Jahresanfang, Gaben in Form ihrer Götterbilder. Auch die verschiedenen Backwerke am Christbaum gehen wohl auf diese altüberlieferte Sitte zurück. Jedoch scheint der Osterwolf ausschließlich im pommerschen Brauchtum verankert zu sein, denn das aus Brötchenteig hergestellte Gebäck konnte nur nördlich des Flusses Peene nachgewiesen werden.
Es erschien – je nach Bäcker bzw. Backstube – in den verschiedensten Ausführungen, die alle entfernt an einen toten Wolf, der alle Vier von sich streckt, erinnerten. Oft ist zusätzlich sogar ein aufgerissenes Maul angedeutet. Seine Grundform bestand aus einem etwa 15 Zentimeter langen Mittelstück, welchem entweder zwei Querstreifen unter- oder aufgelegt, sodass diese auf beiden Seiten herausragten bzw. umgeschlungen wurden. Manche Wölfe formte man auch ganz aus einem Stück, bestreute sie mit Leinsamen oder Kümmel oder man gab ihnen Augen aus Rosinen.

Noch Mitte der 1930er-Jahre wurden allein in Greifswald von etwa 20 Bäckern, vorwiegend an Gründonnerstag und Karsamstag, „Osterwölfe“ angeboten und auch in Stralsund 5.000 bis 6.000 Stück davon gebacken. Diese Ostersitte verbreitete sich ebenfalls bis auf die Insel Rügen, insbesondere auf den Halbinseln Jasmund und Mönchgut sowie im Muttland rund um Bergen, und entlang der vorpommerschen Küste von Stralsund über Grimmen und Greifswald bis nach Wolgast. Vielleicht wird dieser alte Brauch auf der Insel Rügen bald einmal neu entdeckt oder jemand hat ihn bereits wiederbelebt – halten Sie mit uns Ausschau!

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