Schlichte Schönheit: Beige-braun-schwarzes Tarngefieder und eine kleine Federhaube auf dem Kopf | Foto: Peter Lindel über NABU Deutschland

Begabter Himmelsvogel – die Feldlerche

Immer seltener werdende Art bereits zum wiederholten Mal Vogel des Jahres

Es kommt selten vor, dass der NABU einen Vogel zum zweiten Mal als Vogel des Jahres ausruft. Die Feldlerche war es 1998 schon einmal mit der Warnung, dass sie in vielen Gebieten Deutschlands selten ist oder gar aussterben wird. Seitdem ist mehr als jede vierte Feldlerche aus dem hiesigen Brutbestand verschwunden.

Die Feldlerche ist eine Tarnungskünstlerin: Mit einer Körperlänge von nur 16 bis 18 Zentimetern und der weiß-beige bis rötlich-braun-schwarzen Gefiederfärbung ist sie in ihrem bevorzugten Umfeld, dem Ackerboden, fast nicht zu sehen. Der recht hochbeinig wirkende Vogel besitzt aber einen relativ langen Schwanz und beide Geschlechter haben auf dem Kopf eine kleine Federhaube, welche die Männchen manchmal aufstellen. Häufig sieht man die Feldlerche jedoch erst, wenn sie unvermittelt vor uns auffliegt.
Akustisch macht sie sich umso deutlicher bemerkbar: Ihr typisches Erkennungszeichen ist der Singflug der Männchen, bei dem diese auf eine Höhe von 50 bis 200 Meter in die Luft steigen, dort verharren und trillernde, zirpende und rollende Laute, die wie „prriit“ oder „prrli“ klingen, vortragen. Ihr Gesang scheint dann direkt aus dem Himmel zu kommen, da man den Vogel nicht mehr sieht. Weibchen hingegen singen am Boden und deutlich kürzer sowie leiser. Die Gesangssaison der Feldlerche beginnt bereits im Januar/Februar und endet Ende Juli. Sie trällert von der Morgendämmerung bis zum Abend. Einst galten die kleinen Vögel wegen ihres frühen Starts in den Tag daher als natürliche Wecker.

Ursprünglich bewohnte die Feldlerche als typischer Kulturfolger alle natürlich baumfreien Lebensräume: Heiden, Wiesen, Weiden und Äcker. Sie lässt ihren Blick gern in die offene Weite schweifen und bevorzugt deshalb weitläufige, ebene Landschaften oder flache, sanft geschwungene Hügel. Ihre größte Bestandsdichte erreicht sie in küstennahen Salzwiesen, Dünenlandschaften, Heidegebieten oder einjährigen landwirtschaftlichen Brachflächen – auf den Inseln Rügen und Hiddensee ist sie daher noch vielfach vertreten.
Heute sind ackerbaulich genutzte Felder und Weiden ihre meistgenutzten Brutgebiete. Der optimale Neststandort für die Bodenbrüterin ist bewachsen und nicht zu dicht bedeckt – beste Voraussetzungen auch für den Nachwuchs, der an den 30 Tagen bis zur Selbständigkeit im geschützten Umfeld Flugversuche und Jagdübungen unternimmt. Außerhalb der Brutzeit hält die Feldlerche sich gern auf Stoppelfeldern, Brachen, Ödland und unbefestigten Wegen auf, Wiesen und Weiden meidet sie dann. Im Frühling ernährt sich die Feldlerche von kleinen Tieren, erbeutet Insekten, Larven sowie Spinnentiere, außerdem Regenwürmer und kleine Schnecken. Wird tierische Nahrung im Winter knapp, frisst sie überwiegend vegetarisch von Pflanzenteilen und nahrhaften Sämereien. Große Getreidestoppelfelder oder Flächen, die sich nach der Ernte selbst begrünen, wären für die Feldlerche in der kalten Jahreszeit ergiebige Plätze für die Futtersuche, sind aber aufgrund der schnellen Neueinsaat im Herbst selten geworden.
Doch genau diese geschützten Lebensräume sind auf unserem Acker- und Grünland immer weniger zu finden. Intensivkulturen mit Mais und Raps, fehlende Brachflächen, Unmengen an Gülle und Pestiziden haben die Landschaft verändert, bieten Feldvögeln wenig Nahrhaftes und nehmen ihnen den Lebensraum. Die Bestände befinden sich in deutlichem Rückgang. Ein Drittel der Feldlerchen sind in den vergangenen 25 Jahren verschwunden, aus vielen Gebieten Deutschlands wurde sie bereits völlig verdrängt.

Der Himmel über unseren Feldern ist stummer geworden. Daher steht die Feldlerche als Jahresvogel 2019 stellvertretend für alle und klagt somit eine katastrophale Landwirtschaftspolitik an. Denn es braucht wieder mehr Naturschutzflächen, Biolandblau und blühende Wiesen mit reichlich Insekten, Heiden und Moore müssen erhalten werden. Dann hat die Feldlerche auch wieder eine Zukunft.

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