Perfekt angepasst an den bevorzugten Lebensraum: Möwen sind hervorragende Segelflieger | Foto: Andreas Hermsdorf – pixelio.de

Möwen – Symbol der See

Den beliebten Küstenvögeln begegnet jeder Gast in seinem Rügen-Urlaub

Ihr lautes Rufen und Kreischen gehört hier an der Küste einfach dazu. Seefahrer wussten schon immer, dass sie bald an Land gehen können, wenn sie erscheinen. Kein anderer Vogel wird so intensiv mit Ostsee und Bodden assoziiert, verkörpert so sehr das Gefühl von See und Freiheit wie die Möwe. Selbst inmitten von Stralsund zählen die zumeist größeren Seevögel zum Stadtbild.

Die Möwe (Laridae) bildet in der Ordnung der Regenpfeiferartigen (Charadriiformes bzw. Wat- und Möwenvögel) eine eigene Familie. Dort werden ebenfalls die Raubmöwen, Seeschwalben und Scherenschnäbel, manchmal auch die Alkenvögel eingegliedert. Es existieren 55 Arten und 10 bis 11 Gattungen. Interessant ist, dass räumlich aneinandergrenzende Sippen nur unvollständig isoliert sind, sodass es zu einem gewissen Genaustausch kommt.
Durch ihren bevorzugten Lebensraum Küste gibt es fast überall auf der Welt Möwen. Sie sind am meisten in den gemäßigten und kalten Klimazonen auf beiden Erdhalbkugeln verbreitet. In vielen tropischen Regionen brüten sie zwar nicht, aber einige nördliche Arten überwintern beispielsweise im südamerikanischen Amazonasbecken, im Kongobecken von Zentralafrika, in Indien, Südostasien und Neuguinea. Einige Arten ziehen den Nachwuchs auch im Binnenland an größeren Gewässern auf (Lachmöwe); und nur wenige leben den Großteil des Jahres auf hoher See (Dreizehenmöwe). Wieder andere sind zum so genannten Kulturfolger geworden: Sie bevölkern Müllhalden, Klärteiche, fischverwertende Betriebe, insbesondere im Winter (Silbermöwe).

Möwen sind Bodenbrüter oder nisten in Felsnischen, zumeist in Kolonien. Sie legen zwei bis vier Eier und verteidigen ihre Nester aggressiv. Beide Eltern bebrüten diese circa drei bis fünf Wochen, ihre Küken können sofort laufen und schwimmen, verbleiben aber als Nesthocker im Nest und werden von beiden Eltern gefüttert, bis sie nach drei bis neun Wochen flügge sind.

Möwen können übrigens 30 Jahre alt werden und die meisten sind Allesfresser. Je nach Angebot verzehren sie lebende Nahrung, Abfälle und sogar Aas. Jedoch überwiegt der tierische Anteil: Fische, Krebstiere, Weichtiere, Stachelhäuter, gelegentlich auch kleine Nagetiere. Große Arten rauben Nester aus und erbeuten sogar Vögel bis zur Größe von Enten, kleinere bevorzugen Würmer und Insekten.
Ihren Flüssigkeitsbedarf decken Möwen teilweise mit dem Trinken von Meerwasser. Spannend ist, dass sie das dabei überflüssige Salz durch paarige Salzdrüsen im Bereich der oberen vorderen Schädelfront sammeln und es über die Nasenlöcher wieder ausscheiden. Arten an extrem salzhaltigen Gewässern trinken zum Ausgleich auch nahe gelegenes Süßwasser, bei anderen sind die Salzdrüsen zurückgebildet und erlangen erst mit der Zugzeit ihre Funktion, wenn die Vögel in maritime Lebensräume aufbrechen.

Wer Möwen nicht jeden Tag erlebt, kann sie im Urlaub bei einer Strandwanderung hervorragend beobachten. Sie sind ausgezeichnete Segelflieger, insbesondere bei starkem, böigem Wind. Immer auf Nahrungssuche, jagen sie dabei anderen Vögeln in der Luft auch gekonnt die Beute ab. Wenn sie nach etwas tauchen, dann sind nur der Kopf und ein Teil des Körpers unter Wasser.

Auch an der Rügener Ostseeküste sind die lauten Küstenvögel immer wieder ein Erlebnis, jedoch halten sie sich vermehrt auch dort auf, wo der Mensch eine Futtergrundlage bietet. Am Strand werden sie oft mit Brot gefüttert, was man jedoch eher unterlassen sollte, um den Tieren nicht zu schaden – da der Teig in ihren Mägen aufquellt – sowie Anwohnern eine Möwenplage durch Lärmbelästigung und Verunreinigungen zu ersparen. Außerdem stehlen die zahm gewordenen Tiere Lebensmittel direkt aus der Hand, was zu Verletzungen führen kann. Die entsprechenden Hinweisschilder sind zu beachten, denn einige Gemeinden haben bereits Fütterungsverbote verhängt.

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