Fragt nicht nach Sonnenschein!

Wettermann Stefan Kreibohm lebt auf Rügen und arbeitet auf Hiddensee

In Ihrem whatsapp-Status steht: Fragt nicht nach Sonnenschein! Ich mach’s trotzdem: Herr Kreibohm, wie wird der Sommer auf Rügen?
Nun, das weiß ich natürlich nicht. Da lasse ich mich selber überraschen.

Kein kleiner Hinweis? Es wird gemunkelt, der Sommer wird feucht. Unsinn?
Ja. Das ist Unsinn. Dafür gibt es heute keinerlei Anhaltspunkte – wohl auch nicht im Mai, auch noch nicht im Juni. Aus metereologischer Sicht gibt es da wirklich keine Regeln, keine Hinweise, gar nichts.

Sie sind „wetterbesessen“, das haben Sie oft schon in Interviews und Büchern erklärt. Sturm, Wind, Blitz, Donner – all dies faszinierte sie schon als Kind. Hadern Sie privat dennoch auch manchmal mit der Wetterlage?
Ja, sicher. Wenn ich aus dem Fenster schaue und da ist seit Tagen eine graue Suppe. Das nervt! Gerade als Wetter-Enthusiast möchte ich ja Bewegung am Himmel, schöne Wolken zum Beispiel. Mal ein verregneter Tag ist ja ganz nett, weil auch eine willkommene Ausrede, auf der Couch liegen zu bleiben. Sonne kann ja auch nerven, weil man dann immer das Gefühl hat, man muss raus. Aber immer nur graues Wetter – ja, das kann wirklich depremierend sein.

Sie werden sicher oft angesprochen…
Ja. Sehr oft. Vor allem auf der Fähre zwischen Rügen und Hiddensee… Da kann ich ja nicht fliehen.

Sie leben auf Rügen und arbeiten auf Hiddensee. Viele beneiden Sie sicher darum. Kennen Sie so etwas wie einen Insel-Koller?
Nein. Für Insel-Koller gab es für mich noch keinen Grund. Ich lebe hier seit 25 Jahren und fühle mich wohl. MV ist wirklich kein Land, aus dem man fliehen müsste.

Ok. Wenn Festland, wohin dann?
Ich bin sehr gern in Stralsund. Ich mag die Stadt. Und ich reise gern nach Parchim, besuche dort meine Mutter. Das ist auch Heimat, meine Geburtsstadt. Anson­sten steht ja die ganze Welt offen.

Zurück zum Wetter: Wer gibt den Hoch – und Tief’s eigentlich die Namen?
Das ist eine längere Geschichte und geht auf Karla Wege zurück. Sie arbeitete als Metereologin an der Freien Universität in Berlin. Schon als Studentin regte sie dort in den 50er-Jahren an, dass Druckgebiete – wie bereits die Hurrikans in den USA – Vornamen erhielten, wobei Hochdruckgebiete männliche und Tiefdruckgebiete weibliche Vornamen bekamen. Man konnte sie so auf Wetterkarten besser verfolgen. Das war das Ziel. Wenn das Ding einen Namen hat, kann man es besser verfolgen.

Haben Sie auch schon mal ein Hoch oder Tief getauft?
Nein, aber ich habe länger am Metereologischen Institut gearbeitet, dort, wo die Namen vergeben werden.

Was die Namen betrifft, gab es irgendwann Diskussionen?
Ja, eine gelangweilte Frauengruppe aus dem Süden hat da Ende der 90-er Proteste ins Rollen gebracht, weil sie es für ungerecht hielten, dass Frauennamen nur an Tiefdruckgebiete vergeben wurden. Die FU ist dann irgendwann eingeknickt. Was für Probleme! Bei meinen Führungen am Institut damals, habe ich immer darauf hingewiesen, dass die bisherige Vergabe im Prinzip doch richtig ist: Hochdruckgebiete kommen oft bräsig daher, eher langweilig … . Ein Tiefdruckgebiet dagegen bringt Leben in die Bude, feuchte Luft, Fruchtbarkeit. Die meisten haben ab dem Punkt dann schmunzelnd zugestimmt.

Trotz Wissenschaft und moderner Technik, ist die Wettervorhersage auch weiterhin Interpretation. Tauschen Sie sich mit Kollegen aus und gab es da auch schon die ein oder andere Wette zur Vorhersage?
In der Wetterstation auf Hiddensee bin ich seit Jahren Einzelkämpfer und ganz allein verantwortlich, die verschiedenen Wetterkarten zu interpretieren. Ich hab aber auch schon im Großraumbüro mit mehreren Metereologen gearbeitet – beispielsweise für größere Fernsehsender wie ntv oder beim Wetterkanal, einem Ableger von „The Weather Channel“ aus den USA. Klar, da tauscht man sich aus, muss sich trotz Schichtwechsel ja einig sein, was da über den Sender läuft. Gewettet haben wir nicht.

Kennen Sie einen guten Witz zum Thema Wetter?
Nee. Ich habe schon viele gute Witze zum Thema gehört. Ich kann mich dann auch totlachen und will sie mir merken. Aber ich vergesse sie immer.

Sie haben einige Bücher geschrieben. Auch bei Rügens Wetter-Chronik, die bei rügendruck erschien, haben Sie mitgearbeitet. Dort geht es u. a. um den Winter 1978/79. Es war eine der größten Wetter-­Katastrophen in der Geschichte der Insel Rügen. Katastrophen gab es also schon immer?
Natürlich. Gerade das wird in der Wetter-Chronik ganz deutlich. Es beschäftigt sich mit dem Wetter der letzten 1.000 Jahre. Es war alles schon mal da. Wir liegen hier auf einer geografischen Breite, wo alles möglich ist. Das betone ich auch immer wieder in meinen Vorträgen. Wir hatten hier Winter bis zu Minus 30 Grad und auch das Gegenteil: im Februar plus 20 Grad und die Bäume sind ausgeschlagen. Wir sind hier quasi mitten auf der Tiefdruckgebiet-Autobahn. Je nachdem wo so ein Ding hinzieht, schaufelt es warme oder kalte Luftmassen zu uns. Es gibt beim Wetter kein „un-normal“. Wetter ist Wetter.

Stichtwort Klimawandel.
Klima ist Wandel. Wie groß der Anteil des Menschen ist, ist aus meiner Sicht schwierig herauszufinden. Es gibt ja keine zweite Erde, wo man parallel Experimente machen könnte, um zu vergleichen. Auf dem Mars wird es auch wärmer und da gibt es keine Menschen. Dies als Beispiel.

Können Menschen das Wetter manipulieren?
Es gibt Versuche, dies zu tun. In kleinerem Maßstab kann man Wolken dazu bringen, abzuregnen, indem man Chemie reinpumpt. Aber großräumig halte ich das für sehr sehr unwahrscheinlich. Das gesamte System mit seinem Wettergeschehen ist viel zu komplex.

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