Die Malerinseln RÜGEN / VILM / HIDDENSEE

Hiddensee: Alternatives Künstlerleben und alternative Weihnacht bei den Fischern

Fasziniert von der ungewöhnlichen Stille und Schönheit der Insel, siedelten sich nach 1900 immer mehr Künstler auf Hiddensee an. Entweder erwarben sie kleine Katen oder sie bauten sich eigene Häuser. Auf diese Weise entstand bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs eine Künstlerkolonie, dessen Zentrum anfangs Oskar Kruse (1847 – 1919) verkörperte. Er hatte in Kloster ein über zwei Hektar großes Grundstück erworben, an dessen höchster Stelle er die Jugendstilvilla Lietzenburg errichten ließ. Sie wurde über viele Jahre hinweg zum abendlichen, geselligen Treffpunkt von Künstlern und Gelehrten. Berühmt wurde Kruse weniger als Maler, sondern vielmehr durch seine mitreißende Fabulierkunst, mit der er die Gäste unterhielt. Im Nachruf würdigte ihn Max Osborn (1870 – 1946) als „den liebsten, fröhlichsten und weisesten Menschen“.
Zur ersten Generation der Künstlerkolonie gehörten die Maler Harold Bengen (1879 – 1962), Elisabeth Büchsel (1867 – 1957), Walter Helbig (1878 – 1968) und Felix Krause (1873 – 1924). Auch der Maler Ivo Hauptmann (1886 – 1973), Sohn des Schriftstellers Gerhart Hauptmann, schuf in den 1920er-Jahren Hiddensee-Werke, die den neuen Geist der Moderne widerspiegelten.
Neben diesen Künstlern, die eigene Anwesen auf Hiddensee besaßen, gesellten sich immer mehr Maler, die die Insel als Gäste aufsuchten. Hierzu gehören unter anderem Erich Heckel (1883 –1970) und Otto Mueller (1874 – 1930), beide Mitglieder der bahnbrechenden Künstlervereinigung „Die Brücke,“ die mit ihren Werken die klassische Moderne nachhaltig prägten.
Die Nachricht vom außergewöhnlichen Reiz der Insel verbreitete sich, sodass Anfang des 20. Jahrhunderts jährlich bereits mehr als eintausend Touristen Hiddensee besuchten – eine willkommene neue Einnahmequelle für die armen Fischer. In dieser Zeit entstand die bis heute lebendige Tradition ungezählter Inselliebhaber, Weihnachten und Neujahr auf Hiddensee zu feiern.
Mit Staunen haben die Künstler und ersten Touristen wahrgenommen, dass sich bei den seit Jahrhunderten auf Hiddensee lebenden Fischern ungewöhnliche Weihnachtstraditionen ausgebildet hatten: So gab es, bedingt durch den Mangel an Wald, keine Lichterbäume auf der Insel, sondern die so genannten Bügelbäume. Sie wurden aus Tonnenbügeln hergestellt und mit buntem Papier umwickelt. Mehrere horizontale Bügel dienten dabei als „Zweige“, die man an einen vertikalen „Hauptstamm“ anbrachte und dann mit Kerzen bestückte.

 

168 Seiten, über 100 Abbildungen,  Format 23 x 21 cm
ISBN 978-3-9813568-4-7
Hardcover 29,90 Euro
Softcover 24,90 Euro 

 

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