Rügens Wetterchronik

Naturerscheinungen, Wetterereignisse, Ursachen im Ostseeraum seit dem 11. Jahrhundert

Die Landschaften Rügens stellen aufgrund ihrer geo- und topographischen Lage einen Raum mit langer wechselvoller Geschichte sowie hoher Sensibilität gegenüber Wandlungen in der Landnutzung dar. Diese Gegensätze gaben Anlass zu Untersuchungen, wie sich Klimaerscheinungen in der Vegetation speziell bei Kiefern und Eichen und in den geschichtlichen Aufzeichnungen widerspiegeln.

Über das Institut für Geographie der Universität Potsdam wurden auf dem Bug, der Schaabe, der Halbinsel Thiessow, der Baaber Heide dendrochronologische Untersuchungen an Kiefern und Buchen vorgenommen. Diese erfolgten gemeinsam mit Karl-Uwe Heußner vom Deutschen Archäologischen Institut, Referat Naturwissenschaften in Berlin, welches Baumchronologien für das nordöstliche Deutschland, die weit über 1.000 Jahre zurückreichen, besitzt. Anhand dieser Jahrringfolgen lassen sich die klimatischen Bedingungen zu bestimmten Zeitpunkten genau ermitteln.

Der Ansatz der „Rügener Wetterchronik“ ist demnach keine Klimareihe oder -diskussion, sondern die unmittelbare Beziehung zwischen Jahrringbreite des Baums und Umweltereignis, woraus die direkte Reaktion der Bäume auf stets wechselnde Wetterbedingungen deutlich wird. Nach einer kurzen Einführung in die Dendrochronologie und Entstehung Rügens wird auf die historische Wetteranalyse sowie deren moderne Auswertungsmethode des Materials eingegangen. Herangezogen werden ebenfalls die mittelalterlichen Rügener Kirchen, an deren Holzbalkenwerken sich aufschlussreiche Klimaspuren ableiten lassen.
Unterteilt in mehrere Epochen und anhand schriftlicher Originalquellen, wird danach auf jeweilige Wetterereignisse eingegangen. Man erfährt etwa, dass 1323/24 Wirtshäuser samt Kost und Logis auf der Ostsee errichtet wurden, da diese zehn/elf Wochen lang zugefroren war und man von Pommern nach Dänemark übers Eis reiste. Hingegen war der Winter des Jahres 1582 so mild, dass im Februar die Bäume grünten und blühten und man im Mai bereits die Ernte einfuhr. Vielen werden ebenfalls noch der Katastrophenwinter 1978/79 sowie die Sturmflut 2017 im Gedächtnis sein. Das Buch schließt mit allgemeinen Feststellungen zum besonderen Klima der Insel Rügen, das Entstehen markanter Wetterlagen wird dabei näher betrachtet.

Neben Tilo Schöfbeck als Spezialist für mittelalterliche Kirchenbaugeschichte Norddeutschlands und Bernd Tschochner mit Schwerpunkt Geoarchäologie und Landnutzungsforschung fragte man Stefan Kreibohm vom Hiddenseer Wetterstudio als Wetterexperten der Region an. Er analysierte die verschiedenen Witterungserscheinungen und Extremereignisse, erklärt deren meteorologische Zusammenhänge.
Auf diese Weise gibt die „Rügener Wetterchronik“ Einblicke in die Wettergeschichte und ihre extremen Lagen im gesamten südwestlichen Ostseeraum. „Denn die Wetterereignisse der Küsten Pommerns bis Mecklenburgs und Holsteins hängen zusammen und müssen auch entsprechend betrachtet werden“, so Stefan Kreibohm. Er führt weiter aus, dass die historischen Berichte aus Archiven, Kirchenbüchern usw. mit damaligen Wetterdaten tatsächlich abgleichbar sind. Beispielsweise lässt sich, wie an verschieden breiten Jahresringen der Bäume, auch am Getreidepreis ein harter Winter oder mieser Sommer ablesen.

Letztlich stellt Stefan Kreibohm heraus: „Die Wetterereignisse im südwestlichen Ostseeraum sind unglaublich vielfältig. Um heutige Extreme zu verstehen, ist in dieser Publikation viel Wissenswertes angesammelt. Und ganz wichtig: All diese meteorologischen Ereignisse vom heißen, trockenen Mittelmeer-Sommer bis zum Sibirischen Supereiswinter gab es schon einmal. Diese Wetterlagen sind nichts Neues, denn hier ist alles möglich.“ Wie die über 1.000 Jahre beschriebenen Wetterveränderungen in diesem Band beweisen, ist Klimawandel mit allen daraus folgenden Konsequenzen rund um die Insel Rügen also nichts Ungewöhnliches.

ISBN 978-3-00-059756-5, 19,90 Euro
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