„Um reine Ökonomie ging es mir nie“

Konrad Wittkowski, Geschäftsführer von Goldberg-Immobilien in Sassnitz, lebt und wirkt mit Herzblut für die Region

Was haben Immobilien, Heimat, Meer, Kultur und Theater gemeinsam? Einen Mann namens Konrad Wittkowski. Heute unter anderem Geschäftsführer der Goldberg Immobilien Gruppe Nord GmbH und der Goldberg Invest GmbH & Co. KG, hat er all das in seiner Biografie geeint und zur Berufung gemacht. Ein außergewöhnlicher Weg, der 1954 in Bergen auf der Insel Rügen begann. Dort wurde Wittkowski an einem Sommertag im Juli geboren. Er wuchs in Gr. Banzelvitz am Großen Jasmunder Bodden auf. „In einem kleinen Dorf mit vier Häusern und fünf Spitzbuben – ich war einer davon“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Seine Eltern waren – wie damals die meisten auf der Insel – in der Landwirtschaft tätig. Kindheit und Jugend in der DDR haben ihn geprägt. Nach der Schule lernt er das Schlosserhandwerk, verlässt später die Insel, studiert Gesellschafts- und Kulturwissenschaften in Berlin, inszeniert als Regisseur sogar Stücke fürs Theater. Es ist nicht nur die große historische Wende Ende der 80er-Jahre, auf die Konrad Wittkowski in seinem Leben zurückblickt. Wandlungen liegen ihm. Er mochte ihn schon immer: Den bodenständigen Blick über den eigenen Tellerrand.

Höhen und Tiefen bestimmen sein Leben. Auch Schicksalsschläge bleiben nicht aus. Er verliert zu früh seinen Vater und seinen Bruder Klaus-Dieter, die Mutter erkrankt schwer an Demenz. Und so ist es vor allem die Verbundenheit zu seinen Wurzeln, die ihn wieder an die Ufer der alten Heimat ruft. Konrad Wittkowski wirft den Anker auf Rügen erneut. Nach dem Tod seines Bruders übernimmt er 2013 die Geschäfte im Büro bei Goldberg Immobilien in Sassnitz. Neu ist das Terrain für ihn nicht. Immobilien-Bewertung, Einkauf und Entwicklung sind ihm da bereits vertraut.
Seither hat sich Wittkowski in der Region den Ruf als „Immobilien-Doktor“ erarbeitet. Liegenschaften aller Art wie Ferienobjekte, Eigentumswohnungen, Gutshäuser, Grundstücke und vor allem die unterschiedlichsten Menschen bestimmen seinen Alltag. Menschen, die sich in Häuser verlieben, andere, die sie loslassen wollen, Geschäftsleute, Investoren, Lokalpolitiker. Viele Interessen und noch hundert Dinge mehr müssen er und sein Team oft unter einen Hut bekommen. Wittkowski setzt vor allem auf Kommunikation, offenen Austausch und Netzwerke. „Um Menschen zu verstehen, ihre Erwartungen, Wünsche und unterschiedlichsten Interessens­lagen, muss man miteinander reden“, sagt er. Ihm ging es in seinem Job nie um reine Ökonomie. „Oh ja, der Chef ist ehrgeizig“, beschreibt ihn seine Assistentin Katharina Hendel. Sie ist ebenfalls gebürtige Rüganerin und seit 2016 an seiner Seite. „Doch bei allem, was er anpackt, ist er sehr sozial, außerdem innovativ und immer für Neues aufgeschlossen“, so die 40-Jährige. Mittlerweile besteht das Goldberg-Team der Insel Rügen aus 12 Mitarbeitern. Ein eigener Architekt ist auch an Bord. Sie alle schätzen ihren Geschäftsführer, der „immer ein wenig unter Strom steht“. Mit diesem Vergleich bringt das Team Präsenz, Pioniergeist und Tatendrang ihres Chefs mit einem Zwinkern auf den Punkt.

Konrad Wittkowski lebt einer tiefer Verbundenheit zur Region. Dass der Ostseeküste als Tourismusland eine besondere Aufgabenstellung zukommt, hat er schon früh in seiner Jugend erkannt. Und bis heute ist alles, was mit der Entwicklung des Natur-Tourismus für Rügen im Zusammenhang steht, für ihn Herzensangelegenheit.
Ja, Heimat ist ihm wichtig. Bei allem, was er plant und macht, steht die Wertschätzung für die Insel und ihre Natur im Mittelpunkt.
„Jede Immobilie hat eine Geschichte“, weiß der 68-Jährige. Sie zu erkunden hat er sich mit seinem Team zur Aufgabe gemacht. Es geht ebenso darum, Baulasten und Altlasten abzuklären, Liegenschaftskarten und Grenzbebauungen zu überprüfen sowie fehlende Unterlagen zu Wohnflächen, deren Berechnung, Ansichten und alle notwendig relevanten Bauunterlagen zu besorgen als auch um die großen Fragen der Gegenwart: Wie baue ich? Muss es immer das Einzelhaus sein?
Was verträgt die Insel? Was passt zu den Menschen? Fragen, für die er und seine Leute ein Gespür entwickelt haben. „Grund und Boden sind für mich das wertvollste Gut“, sagt Konrad Wittkowski. Mehrfachnutzung und Nachhaltigkeit sind für ihn nicht nur Worthülsen. Er ist kein Freund von immer neuen B-Plänen und Neubauten auf der grünen Wiese. Für den Immobilien-Experten gibt es genug Aufgabenstellungen aus dem Bestand. Ruinen reaktivieren ist eine Möglichkeit. „Die schwierigste Immobilie ist immer die Immobilie, die ich persönlich mit meinem Team am liebsten begleite und betreue“, beschreibt Wittkowski seinen Alltag. „Gegenwärtig ist es das denkmalgeschützte Gutshaus und eine Scheune in Varbelvitz, welche unmittelbar vor dem endgültigen Verfall stehen.“

Mit dem Zeitgeist gehen und dennoch Bewährtes hüten, ist eine der Stärken der Goldberg’schen Truppe in Sassnitz. Als Team wollen sie für ihre Kunden immer den besonderen Service und mehr bieten als erwartet. Aktuell beschäftigt sicher Konrad Wittkowski intensiv mit Möglichkeiten von Infrarotheizungen in Kombination zu PV-Anlagen als autarke Eigenversorgung „Energie bleibt eine der Schlüsselfragen“, hat er längst erkannt. „Bei den rasant gestiegenen Baukosten, bleibt uns gar nichts anderes als nachhaltig zu bauen“, erklärt er. „Es ist auch in unserer Branche immer wichtiger, gute Aufklärungsarbeit zu leisten.“

Ein weiterer Anspruch aus dem Manifest der Firmenphilosophie: Nichts entwickeln, was an der Gemeinde vorbeigeht, man sollte immer kompromissfähig sein. „Uns ist wichtig, der Gemeinde zur Seite zu stehen“, sagt der Mann, für den das Gemeinwohl schon immer Priorität hatte. Konrad Wittkowski liebt seinen Arbeitsplatz mit Blick auf Wasser und Hafen. Im kommenden Jahr feiert sein Büro übrigens zehnjähriges Jubiläum. In Zeiten von steigenden Kosten und Finanzkrisen ist auch der Beruf des Immobilienentwicklers und Maklers nicht leichter geworden. Dennoch beendet er unser Gespräch mit den Worten: „Es macht mir dennoch nach wie vor große Freude, mein Team zu führen. Kraft tanke ich in der Stille der Natur, am liebsten auf Wanderungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad über unsere schöne Insel Rügen.“

Ina Schwarz

Weitere Infos unter: www.goldberg-nord.de
und www.goldberginvest.de

Am Hafen Thiessow kehrt das Leben zurück

Der Rügen-Markt startet in die Sommersaison

weiter

Baabe feiert wieder Feste!

Fischer ziehen meterhohe Reuse hoch

weiter

Schurwollkleidung mit Geist und Seele

Nordwolle Rügen sichert das Überleben des Pommerschen Landschafes

weiter

Zu Hause bei den Rügener Kreidemännchen

Schauwerkstatt zeigt Fertigung der Inselmaskottchen auf dem Rügenhof Arkona

weiter