Nostalgische Bilderreise von 1900 bis 1960

Spannende Einblicke in vergangene Zeiten

„Stralsund. Eine nostalgische Bilderreise von 1900 bis 1960“, so lautet der Titel des neuen Bandes von Andre Kobsch, der kürzlich im Sutton Verlag erschien. Zahlreiche historische Fotos und Postkarten, die der Autor in fast zwanzig Jahren gesammelt hat, dokumentieren anschaulich die wechselvolle Geschichte der alten Hansestadt Stralsund, die nicht losgelöst von politischen und gesellschaftlichen Brüchen war. Aber auch Stralsunderinnen und Stralsunder haben Andre Kobsch bereitwillig ihre Schätze für dieses Projekt zur Verfügung gestellt. Viele der rund 170 historischen Fotos und Ansichtskarten sind noch niemals veröffentlicht worden. Somit bietet das Buch selbst alten Stralsund-Kennern Überraschungen und einen faszinierenden Einblick in die Geschichte der Stadt am Strelasund. Kurze Texte vermitteln interessante Informationen zu den einzelnen Abbildungen. Da auf fast allen Bildern Menschen zu sehen sind, ist dieser Band zugleich eine anschauliche Dokumentation des Lebens der Stralsunder Bürger in der Vergangenheit.

Das Buch ist in sechs Abschnitte eingeteilt. Es beginnt mit historischen Postkarten und Fotos der Altstadt. Alltägliches und Besonderes, Vorstädte, Hotels und Gaststätten, Vereine und Verbände und Militärisches lauten die Überschriften der folgenden Abschnitte. Jeder, der sich für die Geschichte Stralsunds interessiert, wird beim Durchblättern des Bandes sicherlich immer wieder innehalten und denken: Ach, so sah das mal aus. So war das damals. So zum Beispiel bei einem Foto des Hauses Ossenreyerstraße 7, das Ostern 1938 entstand. Vereins-Brauerei steht auf der Giebelfassade. In der Vergangenheit befand sich hier also eine Brauerei, oder vielmehr, sie wurde hier gegründet. Ab 1850 gehörte das ansehnliche Haus den aus Demmin stammenden Brüdern Brathz. Johann Heinrich Brathz gründete in der Ossenreyer­straße 7 am 12. Dezember 1853 die besagte Brauerei, die heute als Störtebeker Braumanufaktur in ganz Deutschland bekannt ist. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts ließ die Geschäftsleitung der Vereins-Brauerei neben dem Gartenlokal „Bergschlösschen“ an Greifswalder Chaussee ein neues Produktionsgebäude errichten. In der Ossenreyerstraße 7 verblieb die Verwaltung und ein Ausschank. Viele Stralsunder können sich sicherlich noch daran erinnern, dass es hier in DDR-Zeiten eine Selbstbedienungs-Gaststätte gab. Auf einer herrlichen Postkarte ist die Gaststätte „Zur Eisenbahnhalle“ an der Alten Rostocker Straße zu sehen. Zum Lokal mit zwei Gaststuben gehörte ein Außenbereich, der sich bis Ecke Tribseer Damm erstreckte. Dort stand ab 1906 ein ziemlich auffälliges Eingangstor. Die Gaststätte geriet nur wenige Jahre später arg in Verruf. In einem Bericht aus dem Jahre 1911 war zu lesen, dass die „Eisenbahnhalle“ den „ganzen Tag hindurch von arbeitsscheuen Männern, reisenden Handwerksburschen sowie von auswärtigen … Arbeitern besucht wird“. Auch hätten dort häufig „betrunkene Frauen gekneipt“. Aus der Gaststätte wurde aber späterhin ein Hotel mit sechs Logierzimmern, das den Namen „Berlin“ trug.
Im Abschnitt Vorstädte ist ein herrliches Foto von der Rodelbahn am Frankendamm zu sehen. Wer weiß schon, dass es so eine hölzerne Einrichtung mal in Stralsund gegeben hat. Die Anlage, die sich neben dem ehemaligen Schlachthof befand, wurde am 12. Oktober 1913 eröffnet. „Schönster Sport für jung und alt. Die Rodelbahn ist die Metropole aller lustigen Menschen und das Ideal aller Sportsfreunde.“ So lautete das Inserat in der „Stralsundischen Zeitung“, das zum Besuch der für Stralsund außergewöhnlichen Anlage animieren sollte. Aber genug. Kurzum: Jeder, der sich für Heimatgeschichte interessiert, sollte dieses wunderbare Buch von Andre Kobsch erwerben. Es lohnt sich. A. Neumerkel

Andre Kobsch, Stralsund.
Eine nostalgische Bilderreise
von 1900 bis 1960,
Sutton Verlag, Erfurt 2022,
ISBN 978-3-96303-389-6, 22,99 Euro

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