Zwei Seebrücken in Göhren

Ein Blick in die Geschichte des Ostseebades

Im 19. Jahrhundert entwickelten sich neue Wirtschaftszweige an der Ostsee – der Bädertourismus und das Badewesen hielten Einzug in den Bauern- und Fischerdörfern der Insel Rügen und veränderten das Leben der einheimischen Bevölkerung grundlegend. Der Tourismus auf Rügen war geboren und mit ihm der Bedarf, die Insel per Schiff für die „feine Gesellschaft“ erreichbar zu machen.

Das älteste deutsche Seebad Heiligendamm entstand 1793, 1816 folgte das erste Seebad auf Rügen, gegründet von Fürst Malte zu Putbus in Lauterbach. Doch die Bäderschifffahrt an der Ostseeküste entwickelte sich relativ langsam. Ein Grund dafür bestand vermutlich in der Annahme, dass nur die Seebäder an der Nordsee dank ihres Klimas für Erholungszwecke geeignet und heilkräftig wären.
Die Reichsgründung von 1871, der wirtschaftliche Aufschwung, aber auch die Urlaubsregelungen für Beamte führten zu einer zunehmenden Reisefreudigkeit der wohlhabenden Gesellschaft in die „Sommerfrische“ und einem wachsenden Interesse an der Ostsee.
1878 schließlich wird das Ostseebad Göhren von Wilhelm Brandenburg gegründet. Laut Fremdenliste weilten 1885
bereits 1.300 Gäste in Göhren. Bis 1900 hielt der Bauboom ungehindert an, der Ort veränderte stetig sein Gesicht: Fischerhäuser verschwanden, Grundstücke wurden in Parzellen geteilt, um Pensionen und Hotels für Sommergäste zu bauen.

DIE NORDSTRANDBRÜCKE
Die wohlhabenden Gäste kamen mit Dampfschiffen, die vor dem Strand ankerten, also „auf Reede lagen“. Eine Brückenverbindung zum Festland gab es damals noch nicht. Die Ostseebäder errichteten kleinere Seestege, über die die ausgebooteten Touristen an Land gehen konnten. Der Dampferverkehr am Nordstrand wurde nach 1880 durch einen ebensolchen kleinen Brückensteg abgewickelt. Dies war jedoch ein wetterabhängiges, umständliches Verfahren, das durch den Bau der Seebrücken zum Direktanlegen der Küsten- und Bäderschiffe abgeschafft wurde.

DIE SÜDSTRANDBRÜCKE
Die älteste feste Anlegestelle in Göhren war allerdings die 1813 erbaute Schwedenbrücke. Sie bot dem König von Schweden am flachen Südstrand gute Voraussetzungen zur Anlandung von Soldaten und Ausrüstung. Doch schon 1815 unter neuer preußischer Regierung verlor diese Brücke ihre militärische und wirtschaftliche Bedeutung und verfiel. Heute wirken die Reste der Schwedenbrücke als buhnenartige Sandfänger und schützen die stark im Abbruch befindliche Küste. 1894 überbaute man die Reste der „Schwedenbrücke“ mit einem behelfsmäßigen Holzsteg. Auf dieser breiten kurzen Brücke mit Geländer landeten die ausgebooteten Fahrgäste der Greifswalder Ausflugs- und Bäderdampfer, die auf Reede lagen, an. Der Südstrand war besser gegen starke Winde und Seegang geschützt, weshalb hier eine Seebrücke zum Direktanlegen errichtet werden sollte. Das Wasser war am Göhrener Südstrand jedoch so flach, dass die 1909 eröffnete Seebrücke eine Länge von über 1.000 Metern haben musste, was schon eine Sensation war und auch im Binnenland zum Pressethema wurde. Doch bereits 1914 mit Beginn des 1. Weltkriegs wurden Teile der Brücke abgebrochen, um die Landung feindlicher Truppen zu verhindern. Nach dem Krieg wurden Teile der Holzkonstruktion verkauft, ein Neubau scheiterte an finanziellen Mitteln.

DIE NORDSTRANDBRÜCKE – ZWEIMAL NEU ERRICHTET
Irgendwie mussten aber nun die Gäste ihr Ziel erreichen – also wurde 1913 in Zimmermannsarbeit am Göhrener Nordstrand der vorhandene Brückensteg durch eine neue Seebrücke abgelöst. Mit nur 126 Metern erlaubte sie allerdings kein direktes Anlegen der großen Dampfer, Gäste mussten nun wieder auf Reede ausgebootet werden.
Dies änderte sich 1934, als Göhren den Bau einer 450 Meter langen Brücke mit stählernen Unterzügen in Auftrag geben und einweihen konnte. Göhren hatte somit noch vor dem 2. Weltkrieg die modernste, ausgereifteste Seebrücke Rügens, die jedoch infolge mehrerer Eispressungen in den 1930/40er Jahren sowie durch den Verfall während der Kriegs- und Nachkriegszeit im Jahr 1953 gesprengt werden musste.
Erst 40 Jahre später – am 12. Juli 1993 – wurde nach nur vier Monaten Bauzeit die neue, heutige Seebrücke mit 270 Metern Länge im Ostseebad Göhren fertiggestellt und feierlich eröffnet. Die auf Betonpfeilern ruhende Brücke ist mit Holz beplankt und besitzt am Brückenkopf einen V-förmigen Schiffsanleger. Sie ist heute eins der markantesten Wahr­zeichen Göhrens.

„Ich wünsche mir ganz klar ein gemeinsames Auftreten als Region“

Andreas Heinemann von der Tourismusgesellschaft Kap Arkona im Interview

weiter

Obstbrände in Bio-Qualität

1. Edeldestillerie Rügen – eine Erfolgsgeschichte für Genießer

weiter

Ein Wappen zum Theatergeburtstag

Renommierter Wappenschnitzer aus Augsburg fertigte neues Ausstattungsstück

weiter

Ein Ausflugsziel mit traumhaften Inselblick

Hanseatic-Aussichtsturm in Göhren ist täglich für Besucher geöffnet

weiter