Am Hafen Thiessow kehrt das Leben zurück

Der Rügen-Markt startet in die Sommersaison

Glückliche Gesichter bei den Händlern und Händlerinnen auf dem Rügen-Markt. Ab dem 8. Juni wird im Thiessower Hafen wieder jeden Dienstag und Donnerstag von 9 bis 16 Uhr ausgiebig gebummelt und genascht. Der beliebte Wochenmarkt eröffnet die Marktsaison. Die Organisatorinnen Frauke und Urte Kasüske sind erleichtert. Das wochenlange Warten hat ein Ende. Die Hoffnung, alle Produzenten zu Beginn der Hauptsaison wieder begrüßen zu dürfen, hat sich erfüllt: „Wir sind froh, dass die meisten regionalen Produzenten und kleinen Manufakturen die Monate des Lockdown überstanden haben und wie immer gibt es auch ein paar interessante Neuzugänge,“ berichtet Frauke Kasüske. „Neu dabei ist zum Beispiel eine kleine Manufaktur aus Baabe, die handgeschöpfte Natur- und Ölseifen anbietet. Dann gibt es eine neue Süßigkeit aus Stralsund auf dem Markt – fluffige Baiser­törtchen. Und die Senfmühle Schlemmin bietet nun auch Hofkäse aus der Region an. Der Markt bleibt also genauso vielfältig und bunt wie gewohnt.“

Das Winterhalbjahr der Geschwister wurde dieses Mal stark vom Lockdown bestimmt. So haben sie sich vorrangig persönlichen und familiären Aufgaben gewidmet. Während Urte ihre siebenjährigen Töchter im Homeschooling betreute, erlebte Frauke ihr ganz eigenes Zuhause-Abenteuer: „Unsere Labrador-Hündin bekam im Februar Welpen. Den quirligen, kleinen Hunden Urvertrauen zu vermitteln und sie auf das Leben in ihren Familien vorzubereiten, war für uns ein sehr erfüllender Fulltimejob.“ Außerdem haben sich die zukunftsorientierten Unternehmerinnen mit nachhaltigen Technologien, insbesondere der Energiegewinnung, beschäftigt. So wurden im Winterhalbjahr zwei Dieselfahrzeuge gegen ein Elektrofahrzeug getauscht. „Gerade auf Mönchgut ist die Umweltbelastung durch den zunehmenden Verkehr immer wieder ein Thema. Wir wollen mit gutem Beispiel vorangehen und fahren nun mit Ökostrom. Eine eigene Photovoltaik-Anlage ist in Planung.“ Die Weiße Flotte wird ab diesem Sommer regelmäßig Thiessow und damit auch den Rügen-Markt anfahren. Das Ostseebad Mönchgut hat sich dafür stark gemacht, um den Straßenverkehr weiter zu entlasten. Doch wie haben die Markthändler, die kleinen Produzenten und Manufakturen die marktfreien Monate verbracht?

Schmuckdesigner Dorota Tymek und Manja Schönemann von „Zeitwandler“ nutzten die kreative Auszeit, um neue Motive ihres Schmucks aus Uhrwerken zu entwickeln. Entstanden sind unter anderem Kraniche, Katzen oder Blumensträuße, die niemals verblühen. „Außerdem konnten wir endlich einige neue Produktideen verwirklichen. Vier eigens dafür gefertigte Bilder von Uhrwerk-Motiven wurden auf T-Shirts und Rucksäcken verewigt“, berichten die beiden begeistert. „Wir freuen uns auf zahlreiche gut gelaunte Urlauber, die uns auf den Märkten besuchen.“

Jacqueline Jesper von JeBello betreibt einen kleinen Hunde­verkaufsstand. Sie stellt Halsbänder und Leinen aus Paracord in Handarbeit her. Ihr Credo: „Nichts von der Stange, Langeweile war gestern. Heute dürfen unsere Lieblinge auch stylische Halsbänder tragen. Und ein Leckerchen gibt es am Stand für unsere Vierbeiner immer dazu.“ Entschleunigung war ihr Zauberwort in der Vergangenheit. Sie hat die ruhigen Monate für Freizeit und Arbeit genutzt, was liegen geblieben ist, aufgearbeitet und neue Halsbänder und Leinen hergestellt. Sie versucht, neue Farben mit neuen Mustern zu kombinieren. „Oft kommen andere und auch wunderschöne Kreationen dabei heraus. Ein Trend im letzten Jahr waren die Masken und Mundschutzketten aus Paracord. Neue Ideen für Halsbänder entstehen oft durch Kundenwünsche“, erzählt die kreative Walkendorferin.

Schneiderin Edda Schultz von „Edda S. Mode & Accessoires handgemacht“ hat in den vergangenen Monaten ihre Werkstatt auf Vordermann gebracht, Sport getrieben und Sommermode genäht. „Neu sind weite Culotte-Hosen und kurze Hosen – vorwiegend mit maritimen Motiven aus Baumwolljersey – sowie farbenfrohe Miniröcke aus Bio-Baumwollstrick, die auch über Hosen getragen werden können.“
Für die Gastronomen Sarah und Eric Pech von der Rügener Genussmanufaktur „RügenKnolle“ waren die letzten Monate eine große Herausforderung. „Wir wussten nicht, ob und wann wir wieder starten können. In dieser Zeit haben wir uns vor allem mit dem Neustart und Marketingmaßnahmen beschäftigt. So haben wir unter anderem ein Logo für unsere Genussmanufaktur erstellt und verschiedene Flyer und Visitenkarten entworfen“, erzählen die beiden Jungunternehmer. Ihr bestehendes Angebot an RügenKnollen (Ofenkartoffeln auf Gourmetniveau) haben sie noch einmal verfeinert und hier besonders die hausgemachten Saucen optimiert. „Wir haben uns auch Gedanken über ganz neue Kreationen gemacht. So wollen wir in dieser Saison Drei-Gang-Menüs im Weckglas anbieten. Vorspeise: Rote Beete-Kartoffel-Creme-Suppe, Hauptgang: Roulade vom Bruder Hahn mit cremigem Spitzkohl und Trüffel-Kartoffelstampf (alternativ Rügener Antipasti), Dessert: Sanddorn-Panna-Cotta
mit karamellisierten Brennnesseln.“ Das Paar wünscht sich für die kommenden Monate eine gewisse Planungssicherheit, damit es die verbleibende Saison durcharbeiten kann. „Wir vermissen unsere Kunden und freuen uns sehr darauf, unsere Gäste wieder mit unseren selbstgemachten Leckereien begeistern zu können.“

Ivonne und Michael Kostross von der Senfmühle Schlemmin haben seit 2010 ein erfolgreiches, nachhaltiges Unternehmen mit sieben Mitarbeitern aufgebaut. Untätig herumsitzen passt einfach nicht zu ihnen. So nutzten sie die Gelegenheit, die Zusammenarbeit mit einem befreundeten Biobauern auszubauen. Und natürlich ist dabei ganz nebenbei wieder eine neue Senfsorte entstanden. „Unser erster Anbauversuch für Senfsaat aus Mecklenburg-Vorpommern entstand in Zusammenarbeit mit Landwirt Mario Otto aus Datzow auf Rügen. Seine Frau Julia arbeitete eine Zeit lang in unserer Senfmühle.
Aber auch später blieb die Freundschaft zwischen unseren Familien bestehen. Letztes Jahr haben wir Kürbisse von ihrem Hof in unserem Hofladen in Schlemmin verkauft. Und da wir nachhaltig agieren, werden Übermengen nicht entsorgt, sondern verarbeitet. Dabei entstand eine neue Sorte:
Kürbissenf. Der ist lieblich-würzig und passt hervorragend zu herzhaften Käsesorten. Außerdem unterstützen wir die Familie Otto bei der Entwicklung und dem Verkauf ihres Hofkäses.“ Die erfolgreichen Unternehmer sind überzeugt: „Senf und Käse gehen eine tolle Symbiose ein. Ein schönes Glas Rotwein, eine tolle Käseplatte und leckere Fruchtsenfe sind sowohl picknicktauglich als auch am knisternden Kamin eine Wohltat für Geist, Seele und Magen. Die neuen Käse und auch den Kürbissenf wird es auch an unserem Stand auf dem Rügen-Markt in Thiessow geben. Netzwerke sind gerade in schwierigen Zeiten besonders wichtig.“

Auf dem Mönchgut erzählen Marco und Maude Baumgarten: „Wir haben in den letzten Monaten zwar nicht verkaufen können, aber die Bienen haben ja keine Corona-Pause gemacht. Wir hatten im Frühjahr starke gesunde Bienenvölker in den Beuten. Diese sind durch unsere imkerliche Fürsorge nun bereit, den neuen Frühjahrshonig einzutragen.“ Die Mönchguter Imkerei hatte im letzten Jahr begonnen, Bienenvölker an Unternehmen zu vermieten. „Unser Bienenvermietungsprojekt ,Helfen Sie den Bienen – Bienen mieten mit Imker’ hat im Frühjahr weiteren Zuwachs bekommen. Seit März fliegen nun auch Bienen in und für Middelhagen, was von den Anwohnern mit großem Interesse und positivem Zuspruch aufgenommen wurde.“ Auch an ihrem Internetauftritt haben sie gearbeitet. Für die kommenden Monate wünscht sich das Ehepaar Baumgarten eine erfolgreiche Marktsaison mit vielen zufriedenen Kunden. „Wir freuen uns besonders darauf, mit unseren Marktgästen wieder interessante Gespräche führen zu können – über Bienen, Imkerei und alles, was uns allen auf dem Herzen liegt.“

Heike Meister von Meister Keramik hat in der Wintersaison einen neuen Verkaufsraum geschaffen: „Alle Menschen, die uns besuchen, sind begeistert und wir sind stolz wie Bolle, dass wir es ganz alleine geschafft haben.“ Doch sie hat nicht nur gebaut, sondern auch neue Keramiken kreiert: Möwen-Tassen, Katzen und Blumen. Die gibt es jetzt auf dem Rügen-Markt. „Nun wünschen wir uns viele Besucherinnen und Besucher, die unsere kleinen Kunstwerke bewundern und mitnehmen. Auch auf das Wiedersehen mit allen Händlerinnen und Händlern freuen wir uns sehr.“

Ab dem 8. Juni bis Ende Oktober ist der Rügen-Markt jeden Dienstag und Donnerstag von 9 bis 16 Uhr geöffnet. Die Organisatorinnen empfehlen einen Besuch am frühen Nachmittag: „Parkplätze (Parkgebühr 2 Euro) sind ausreichend vorhanden. Allerdings ist die Besucherzahl auf dem Hafengelände begrenzt. Dadurch kann es in Stoßzeiten zu Wartezeiten (auch für Fußgänger und Radfahrer) an der Zufahrt kommen. Erfahrungsgemäß ist der größte Ansturm nach 13 Uhr durch. Danach ist der Marktbesuch einfach entspannter.“

Weitere Informationen:
www.ruegen-markt.de

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