Ausstellung über Wilhelm Löber im Peilturm

Organisator Hartmut Gill über einen Mann, der „immer auf der Suche“ war

Lieber Hartmut Gill, vor wenigen Monaten haben Sie das Buch „Der Rügenmaler Heinrich Herrmann“ herausgegeben. Sind weitere Werke von Heinrich Herrmann „aufgetaucht“?
Durch die Bekanntmachung in den Medien waren einige Leser und Buchhandlungen auf das Buch aufmerksam geworden. Es ist zwar erwartungsgemäß kein „zweiter Harry Potter“ geworden, aber die Resonanz war sehr positiv. Einige der noch wenigen lebenden Zeitzeugen haben sich gemeldet bzw. deren Nachfahren, die Ölbilder und Grafiken vom Rügenmaler haben und sich täglich daran erfreuen. Ein junger Mann schenkte das Buch als Rügen-Liebhaber seinen Eltern und sie waren selbst überrascht, dass sie seit vielen Jahren zwei Herrmann-Grafiken in ihrem Wohnzimmer hatten.
Einigen Buchhandlungen haben wir das Buch persönlich vorbeigebracht und so kam es zu schönen Gesprächen mit den Buchhändlerinnen und Buchhändlern. Einige haben schon nachbestellt. Durch die Corona-Pandemie sind diese wie viele andere Berufsgruppen natürlich sehr in ihren Aktivitäten eingeschränkt. Hoffen wir, dass sich für uns alle die Situation bald entspannen kann.

Sie haben eine Wilhelm-Löber-Ausstellung im Peilturm am Kap Arkona organisiert. Welchen Zusammenhang gibt es zwischen Heinrich Herrmann und Wilhelm-Löber?
Meines Wissens kannten sich der Rügenmaler Herrmann und der Rügenkeramiker Wilhelm Löber nicht persönlich. Margarethe Markgraf arbeitete und lebte viele Jahre mit Heinrich Herrmann zusammen. Heinrich Herrmann ließ in den 1930er Jahren in Juliusruh ein Haus bauen. Darin befanden sich sein Atelier, sein Eisgeschäft, und ein Buch- und Kunstgewerbe-Geschäft, das Margarethe Markgraf betrieb. Möglicherweise wurde zu dieser Zeit bereits das ein oder andere Stück Fischlandkeramik für das Geschäft angekauft. Wilhelm Löber hatte die Fischlandkeramik gemeinsam mit seiner ersten Frau Frida und mit dem Ahrenshooper Künstlerehepaar Barbara und Arnold Klünder gegründet. Heinrich Herrmann verunglückte bei einem Verkehrsunfall am 20. November 1963 in Juliusruh tödlich. Margarethe betrieb den Kunstgewerbeladen weiter und kaufte unter anderem auf dem Fischland die ebenso genannte Keramik. Sie und Wilhelm Löber kamen sich näher. Er zog nach Juliusruh und richtete seine Werkstatt im ehemaligen Haus von Heinrich Herrmann ein. Gemeinsam begründeten sie 1967 die Rügenkeramik und heirateten 1970.

Sie haben sogar Bücher über Wilhelm Löber geschrieben. Was war er für ein Mensch?
Ich habe Wilhelm Löber als Kind bzw. Jugendlicher in Juliusruh kennen und schätzen lernen dürfen. Zunächst suchte ich in den Monaten zwischen Schul- und Armeezeit und dann noch einmal danach einige Monate vor dem Medizin-Studium Arbeit. Wilhelm Löber sagte, er brauche jemanden, der ihm einen Zaun hin zur Düne zieht. Gesagt, getan. Er merkte, dass ich mich auch für die Keramik und Kunst interessierte. So durfte ich zunächst Handlangerarbeiten wie Tonzubereitung machen und später auch formen, malen etc. Er war ein außerordentlich warmherziger, fleißiger, bescheidener und aufrichtiger Mensch. Als ehemaliger Bauhaus- und Meisterschüler von Gerhard Marcks hätte er auch abgehoben sein können. Niemand konnte ihm weit und breit auf seinem künstlerischen Gebiet das Wasser reichen. Fehler und Ungenauigkeiten korrigierte er ruhig und kompetent, nie verletzend.

Er hat auch Werke auf Rügen geschaffen. Können Sie die bekanntesten nennen?
Viele kennen Wilhelm Löber „nur“ als Keramiker. Aber er war ein ausgesprochen vielseitiger Künstler. Sein Herz schlug noch mehr für die Bildhauerei als für die Keramik. So schuf er auch Plastiken und Kupferarbeiten für den öffentlichen Bereich. In Mecklenburg-Vorpommern sind Säulenkapitelle in der Langen Straße in Rostock, ein Fischbrunnen auf dem Markt in Barth, ein Ernst-Moritz-Arndt-Denkmal in Löbnitz, riesige Moschusochsen für den Zoo in Rostock sowie ein Mahnmal für die Opfer des Faschismus in Ribnitz-Damgarten zu nennen. Wer heute das Jagdschloss Granitz besucht und im schwindelerregenden Turm nach oben schaut, wird einen lebensgroßen Kupfer-Adler mit einem Hecht als Beute von Wilhelm Löber erblicken. Eine weitere Kupfertreibarbeit ist der Kranichtanz mit mehreren lebensgroßen dieser Tiere. Diese hatte er für die Gaststätte gegenüber dem Ernst-Moritz-Arndt-Turm in Bergen auf dem Rugard geschaffen. In Juliusruh erinnert momentan nur ein Walross im Garten der Gaststätte an dem nach ihm benannten Löber-Platz an ihn.

Welche Faszination löst der Bauhausschüler und Rügenkeramiker in Ihnen aus?
Abgesehen davon, dass ich ihn als Mensch schätze, tue ich das auch als Künstler. Er ist einer der vielseitigsten Künstler seiner Zeit gewesen. Er arbeitete auf verschiedenen Gebieten und das auf hohem Niveau. Seine Ausbildung erhielt er am Bauhaus in Weimar und Dornburg von 1923 bis 1926, in der Fachklasse der Staatlichen Porzellanmanufaktur Berlin 1926 bis 1929 und in der Kunstgewerbeschule Berlin von 1926 bis 1929. Die von ihm entworfene große Schale ist ein Klassiker geworden und wird heute noch unter dem Namen Löberschale von der KPM (Königliche Porzellanmanufaktur) produziert. Zwei Denkmäler erregten den Unmut der Nationalsozialisten. Das Denkmal Walther von der Vogelweide in Halle aus dem Jahr 1931 wurde von ihnen vernichtet und der Goethebrunnen in Ilmenau aus dem Jahr 1932 über Jahre verschalt. Über sich selbst sagte er: „Ich war immer auf der Suche.“ Daraus erklärt sich vielleicht auch sein, phasenweise unstetes Leben und das Arbeiten in verschiedensten künstlerischen Bereichen.

Wie wird die Ausstellung im Peilturm aussehen und wie lange wird sie zu sehen sein?
Groß ist die Freude, Wilhelm Löber nun im Peilturm auf dem Kap Arkona zeigen zu dürfen, wofür ich Stefan Krause, dem Pächter des Turmes ausgesprochen dankbar bin. Es ist zunächst als Dauerausstellung angelegt. Dabei soll nicht nur die Zeit als Rügenkeramiker, sondern auch seine Entwicklung seit der Zeit als Bauhaus-Schüler, als Bildhauer etc. berücksichtigt werden. Fotos, Keramiken und Skulpturen werden das unterstreichen.

Sie sind hauptberuflich als Internist in Rostock tätig. Wann schreiben Sie?
Ich bin in Rostock seit 1990 als Internist mit Schwerpunkt Pneumologie niedergelassen. Das ist naturgemäß ein Fulltime-Job, der viel Arbeit, aber auch Freude bereitet. Man muss also einen gewissen Spleen haben, wenn man mit viel Herzblut sich auch anderen Bereichen des Lebens und der Kunst widmen möchte. Und es ist sehr hilfreich, wenn man eine Partnerin, Familie und Freunde hat, die einen auf diesem Weg begleiten. Somit „stehle“ ich mir die Zeit nach Feier­abend und an den Wochenenden und versuche, meine mir Nahestehenden mit auf dem Weg mitzunehmen.

Woran arbeiten Sie derzeit? Wird es eine neue Veröffentlichung geben?
Im vergangenen Jahr habe ich ein Buch über meine Heimatstadt mit dem Titel „Rostock – gestern – heute – morgen“ veröffentlicht. Grundlage war ein Album mit über 200 Fotos von den im Zweiten Weltkrieg zerstörten Gebäuden der Stadt. Wie sah Rostock früher aus, was ist daraus geworden oder was soll oder könnte daraus werden. Im Mai 2021 wird mein zweites Buch über meine Heimatstadt mit dem Titel „Rostock im Spiegel der Kunst“ erscheinen. Es ist ein Streifzug vor allem durch die letzten zwei Jahrhunderte mit Grafiken und Gemälden von bekannteren Künstlern wie zum Beispiel Egon Tschirch, Arthur Eulert, Fritz Koch-Gotha, Thuro Balzer, Rudolf Austen, Mechthild und Lothar Mannewitz, Karlheinz Kuhn, Johannes Müller und Feliks Büttner aber auch unbekannteren wie Marie Hager, Helene Dolberg, Adolf Jöhnssen, Konrad Knebel, Burkhard Fäcks.

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