„Ich habe ein bewegtes Leben“

Fritz Buschner haut mit 85 noch auf die Pauke

Wenn Fritz Buschner über seine weiße „Rialto-Brücke“ geht, fühlt er Dankbarkeit. Sein Blick fällt auf die Bäume am Hochuferwanderweg, auf den Himmel und die Ostsee. Mit seiner Frau, seinem Sohn Hendrik und Schwiegertochter Jutta bewohnt der 85-Jährige seit 65 Jahren ein Häuschen am Ortsrand von Sellin. Hendrik, heute 60, hat hier inzwischen eine Pension eingerichtet. Jeden Morgen fährt der aus Naumburg stammende Fritz Buschner mit seinem Auto zum Cliff-Hotel am anderen Ende des Ostseebades und dreht in der Schwimmhalle seine Runden. Mit jedem Schwimmzug fühlt er neue Lebensenergie. Er erinnert sich an sein bewegtes Leben, an seine Musik.
Aufgewachsen mit vier Schwestern, lernte er den Beruf des Werkzeugmachers und arbeitete bei dem Kinderwagenhersteller Zekiwa. Sehr zur Freude von Familie und Freunden, die er mit den beliebtesten Modellen versorgte. Seit Kindertagen gilt seine Liebe den Schlaginstrumenten und so schrieb er sich als junger Mann an der Musikhochschule Weimar ein. Fotos an seiner Wand im Wohnzimmer spiegeln seinen musikalischen Werdegang wider. So verstärkte er die Band „Zeitzer Spatzen“ und haute im Theater-Orchester der Stadt Zeitz auf die Kesselpauken. Mit dem Tanz- und Schauorchester Helmut Opel aus Rostock begleitete er unter anderem Sängerin, Tänzerin und Moderatorin Dagmar Frederic und den aus Rostock stammenden Unterhaltungskünstler Horst Köbbert. „Das war der beste Sänger von Seemannsliedern in der DDR. Der konnte einfach alles singen und spielen“, erinnert sich Fritz Buschner.

Trompeter Siegfried Bicking aus Sellin, heute einer seiner engsten Freunde, holte ihn schließlich auf die Insel. Als Fritz Buschner 1978 erfuhr, dass im Kurhaus Binz eine feste Band gesucht wurde, gründete er eine eigene: die Fritz Buschner Showband. Etwa 30 Jahre lang unterhielt seine Truppe Gäste des Hauses – damals unter der Leitung seines Schwagers Wilfried Rothkirch – mit Tanz- und Unterhaltungsmusik. Weitere Auftritte außerhalb der Insel folgten. Enge Verbindungen mit Musikern der DDR entstanden. Zu seinen Vertrauten gehört zum Beispiel Peter Meyer von den Puhdys. Er habe es Fritz Buschner, seinerzeit Pauker am Theater in Zeitz, zu verdanken, dass er ebenfalls Musiker geworden sei. In seiner Brieftasche klebt noch heute ein Aufkleber mit dem Schriftzug der Band. „Wenn ich den bei Puhdys-Konzerten vorgezeigt habe, kam ich immer kostenfrei rein“, schmunzelt er. Inzwischen spielt auch Sohn Hendrik in seiner Showband mit – als Schlagzeuger. Weitere Mitglieder sind Sängerin Antje Medwed, Harald Schenk, Volkmar Berg und Dieter Göttermann.

Für sein Engagement, dass der Charakter der Kurkapellen unvergessen bleibt, wurde Fritz Buschner im vergangenen Jahr von Bürgermeister Reinhard Liedtke zum Ehrenbürger von Sellin ernannt. Die schönste Zeit? Fritz Buschner muss nicht lange nachdenken: „Auch wenn die Wendezeit – wie für viele andere Musiker auch – keine leichte war, hatte und habe ich Freude am Leben“. Das Ensemble schrumpfte vor 30 Jahren von 13 Musikern auf sechs. Die Schlagzeugstöcke mag er auch mit 85 nicht zur Seite legen. Mit seiner Band reist er noch in diesem Jahr nach Zeitz, Freiburg und Zerbst, um dort kräftig auf die Pauke zu hauen.

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