Weinbergschnecken sind auf Rügen eher selten – aber man kann sie essen | Foto: H. Zell, commons.wikimedia.org

Bei Schnecken scheiden sich die Geister

Ökologisch bedeutend, bei Feinschmeckern beliebt – und von Gärtnern gehasst

Gärtner verfluchen sie – Schnecken im Gemüsegarten sind gefräßig und handeln vollkommen rücksichtslos gegenüber den Pflanzen. Man kann kaum glauben, dass sie langsam sind, denn „ruckzug“ sind alle jungen Salatpflanzen verschwunden. Ob Bierfalle, Schneckenzaun oder böse Mordtaten – es scheint nichts zu helfen gegen die Plage. Ein wenig ekelig sind die schleimigen Wesen außerdem. In letzter Zeit kursieren Gerüchte, dass Ihr Schleim giftig sei. Doch das ist nicht wahr, er dient nur als Gleitmittel für die Fortbewegung. Bis zu 25 Meter legen Schnecken innerhalb eines Tages zurück. Und gefährlich sind sie nur für Hunde, die sie fressen, denn Schnecken sind Zwischenwirt für den „hundsgemeinen“ Lungenwurm.
All dies hält manche Menschen jedoch nicht davon ab, Schnecken als Delikatesse zu betrachten. Die Weinbergschnecken sieht man auch auf Rügen gelegentlich. Sie gilt unter Feinschmeckern als besonders lecker, wenn sie in Knoblauchbutter geschmort, mit Gorgonzola überbacken oder als feines Schneckenragout mit Weißwein, Sahne und Estragon zu hausgemachten Fettucine-Nudeln serviert wird. Die Haltung gegenüber diesen Weichtieren ist also so vielfältig, wie ihre Erscheinungsformen. Mehr als 100.000 Arten gibt es weltweit und auch auf der Insel Rügen kann man so viele unterschiedliche Schneckenhäuser finden, dass nur ein Kenner sie alle auseinanderhalten kann.

Schon vor mehr als 500 Millionen Jahren gab es Schnecken. An heißen Felsen, in schattigen Wäldern, an Flüssen und Teichen aber auch in Gärten fühlen sie sich wohl. Sie haben nur wenige natürliche Feinde, wie den Laufkäfer, Kröten und Igel. Doch diesen Nützlingen sollte jeder Gärtner optimale Bedingungen schaffen, indem auch mal ein Laubhaufen oder Reisigbündel als Schutzort liegen gelassen wird. Das Absammeln der Schnecken hat sich als eher mühsam herausgestellt. Nicht zu empfehlen sind Bierfallen oder das Zerschneiden der Schnecken. Nicht nur aus moralischer Sicht, der Geruch von Bier lockt alle Schnecken aus der Nachbarschaft an. Auch zerschnittene Schnecken wirken anziehend auf Artgenossen, da Schnecken kannibalisch leben. Da ist es schon besser, den Boden trocken zu halten, da Schnecken dann nur langsam vorankommen. Auch mögen die Weichtiere den Geruch von Kaffeesatz nicht. Hochbeete sind zudem eine gute Alternative für einen Garten mit Schneckenproblemen.
Weil sich die verschiedenen Arten an bestimmte Lebensräume angepasst haben, verschwinden diese, wenn auch die Lebensräume verschwinden. Das hat auch damit zu tun, dass sie so langsam sind und es manchmal sehr lange dauern kann, bis Schnecken sich woanders neu ansiedeln. Diese Tatsache macht diese Weichtiere zu einem wichtigen Element in der Bewertung von Biotopen. Nur wenn in einem Lebensraum auch Schnecken vorkommen, handelt es sich um ein stabiles Ökosystem. Sind sie weg, ist auch der Lebensraum gefährdet.

Ein weitgehend intaktes Rückzugsgebiet befindet sich an der Schmalen Heide, einem Landstreifen, der die Prorarer Bucht vom Großen Jasmunder Bodden trennt. Hier gibt es ausgedehnte Geröllfelder, die fast ausschließlich aus Feuersteinen bestehen. Die Feuersteinfelder erstrecken sich über eine Länge von etwa 2,5 Kilometern und sind 300 Meter breit. Ungefähr drei Meter tief müsste man graben, um auf die unter dem Geröll liegende Sandschicht zu stoßen. Das Geröll ist vor etwa 4000 Jahren dort durch Sturmfluten angespült worden. Neben anderen seltene Tieren, findet hier auch die stark gefährdete Bauchige Windelschnecke ein Zuhause, ein Winzling von nur wenigen Millimetern Größe. Das Naturschutzgebiet ist über einen etwa einen Kilometer langen ausgeschilderten Fußweg von Mukran aus zu erreichen.

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