Foto: Ina Schwarz

Mit Schirm, Charme und in langem Kleid

Gästeführerin Silke Wilcke entführt Besucher gern in das 19. Jahrhundert

Silke Wilcke liebt die Insel Rügen. Seit 1991 lebt die gebürtige Brandenburgerin hier. Der Liebe wegen hat die 55-Jährige seinerzeit das Festland verlassen. Das war kurz nach der Wende. Vieles hat sich seither verändert. Doch eines blieb konstant: Als Gästeführerin zeigt sie seit über drei Jahrzehnten Besuchern die Schönheiten dieser Region. Kaum ein Eckchen, was sie nicht kennt. Als ich sie bei einem persönlichen Besuch bei Tee und Gebäck nach Geheimtipps und ihrem Lieblingsplatz frage, zögert Silke Wilcke kurz, schmunzelt und fragt zwinkernd: „Ach, und das soll ich jetzt einfach so verraten?“
Was sie verrät, ist, dass sie das idyllische Mariendorf am Fuße des Schafberges mag, den Weg nach Alt Reddevitz oder Klein Zicker. Ihre persönlichen Rückzugsorte, fern ab des touristischen Trubels. In den begibt sie sich lediglich aus beruflichen Gründen. „Privat muss es meinetwegen nicht trubelig sein“, gesteht sie.
Die Liebe zum 19. Jahrhundert ist eines der Markenzeichen der Gästeführerin. Mit Schirm, Charme und in historischer Gewandung ist sie nicht zu übersehen. Sie hat ihre „Berufskleidung“ quasi angepasst. Die bodenlangen schmucken Kleider mit Spitze, Ösen und Kragen, wie sie damals die Gäste trugen, hat übrigens Silke Wilckes Mutter genäht. „Wenn ich die Gäste führe, dann als eine Dame aus dem 19. Jahrhundert.“

Eine Zeit, die sie fasziniert und aus der sie unterhalt­same Anekdoten einfließen lässt. Inspiriert hat sie vor allem auch Elizabeth von Arnim, jene britische Schriftstellerin, die es durch ihre Heirat mit einem deutschen Grafen um 1900 ins wilhelminische Deutschland verschlug und die auch über ihre Reiseerlebnisse auf Rügen mit viel Erzähltalent und Witz einen Roman verfasste. „Diesen Roman empfehle ich auch immer wieder meinen Gästen“, erzählt Silke Wilcke. Und diese schätzen und genießen das Wissen der fröhliche Insel-Frau in dem historischen Kostüm. Das geht soweit, dass sogar schon Gäste überraschend in geringeltem historischen Badekostüm auftauchen. Fotos aus ihrem persön­lichen Fotoarchiv belegen das. „Da war der Spaß natürlich groß“, erinnert sich Silke Wilcke.

Ihr Programm ist im Laufe der Jahre immer vielfältiger geworden. Man kann sie für historische Vorträge und Lesungen ebenso buchen wie für Wanderungen, Ortsbegehungen oder Märchenprogramme für Kinder. „Mit der Kamera Magica von Pouva zeige ich Märchen der Gebrüder Grimm und andere Kindergeschichten“, erzählt sie. Historische Lichtbildervorträge
und Lesungen aus dem Roman „Elizabeth auf Rügen“ von Elizabeth von Arnim sind ebenfalls ein Renner bei Buchungen. „Elizabeth erfreute sich im Grunde bereits damals an den gleichen Sehenswürdigkeiten, die uns auch heute noch begeistern“, formuliert die Gästeführerin ihre Gedanken. Wäre es übrigens möglich, die Schriftstellerin in die heutige Zeit zu beamen und mit ihr einen Kaffee zu trinken, dann würde Silke Wilcke sie wohl ins Badehaus Goor einladen. „Da war Elizabeth schon früher“, weiß sie. „Damals haben sich Gäste noch ihr eigenes Kopfkissen mitgebracht. Das war am Anfang der Entwicklung der Ostseebäder, also um 1830, als es noch nicht so gut ausgestattete Pensionen gab und man beim Fischer schlafen musste.“

Manchmal trifft Silke Wilcke tatsächlich auf Gäste, die mit Elizabeths Buch in der Hand die Insel erkunden und die Plätze suchen, die darin beschrieben sind. Das Jagdschloss Granitz zum Beispiel. Dorthin wanderte die Gräfin seinerzeit am frühen Morgen. Ihr Frühstück nahm sie unterhalb des Schlosses im Gasthaus Granitz ein, heute ein Museum.
„Schon seltsam, dass heute die Leute fast die gleichen Stellen besuchen“, sagt Silke Wilcke. „So wirklich was Neues ist gar nicht dazu gekommen“, lautet ihr Fazit im 21. Jahrhundert.

Übrigens: Auch über den Rügendamm hinaus bietet die Gästeführerin ihre Leistungen an. Im Kostüm einer mittelalterlichen Magd führt sie beispielsweise in Stralsund auf Wunsch Gäste durch alte Gassen zu den gotischen Backsteinkirchen. Auch Hiddensee und Usedom stehen auf ihrer Buchungsliste.
Doch am liebsten ist sie mit Gästen in Binz, Sellin, Baabe und Göhren unterwegs, wo sie eng mit den Kurverwaltungen zusammen arbeitet. Dort erfahren Gäste, wie sich aus kleinen Fischerdörfchen mondäne Ostseebäder entwickelten. Vor allem die im 19. Jahrhundert entstandene Bäderarchitektur liebt Silke Wilcke. „Ich bin so froh und dankbar um jedes Haus, was uns dort erhalten wird“, erzählt sie.

Buchungen und Infos:
www.reiseleitung-stralsund-ruegen.de

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