Juliane Ebners gemalter Film „Landstrich“ gewann 2017 den deutschen Kurzfilmpreis | Foto: Juliane Ebner

Landstrich

Filminstallation von Juliane Ebner in der Kapelle Kasnvitz

Die Kirchgemeinde St. Jakob in Kasnevitz öffnet von Juni bis Oktober wieder ihre Kapelle, in diesem Jahr mit der Filminstallation „Landstrich“ von Juliane Ebner. Bewohner, Gäste des Dorfes und Durchfahrende auf der alten Bäderstraße sind dazu herzlich willkommen. Die Eröffnung findet am Samstag, dem 15. Juni 2019 um 19 Uhr in der St. Jakob Kirche statt. Dazu wird ein Film vorgeführt und die Künstlerin wird anwesend sein. Zur Eröffnung spricht Christoph Tannert vom Künstlerhaus Bethanien, Berlin.

Juliane Ebner beschreibt ihr Werk „Landstrich“ als eine Geschichte über das Schweigen, das Erinnern und das Erzählen. Der halbstündige, auf hunderten Zeichnungen basierende Kurzfilm, handelt vom Schicksal einer deutschen Familie zwischen Kriegsende und Mauerfall. Er beginnt mit den Sätzen: „Nach dem Krieg hatte meine Großmutter ein schlechtes Gewissen, weil sie noch lebte. Ihr Mann hatte ihr eine Pistole gegeben und gesagt, wenn der Russe käme, solle sie zuerst die Kinder und dann sich selbst erschießen, und das hatte sie nicht getan.“ Wie alle Filme dieser Künstlerin, ist auch dieser biografisch inspiriert und nicht auf die offizielle Geschichtsschreibung, sondern auf die individuelle Wahrnehmung gerichtet.

Der „gemalte Film“ ist knapp 30 Minuten lang und wurde in allen Produktionsschritten von Juliane Ebener hergestellt. Die Produktion wurde durch den Beirat der Kunstsammlung des Deutschen Bundestags gefördert. „Landstrich“ wurde mit dem deutschen Kurzfilmpreis der „Goldenen Lola“ ausgezeichnet. Die Jury begründete ihre Entscheidung im November 2017 mit folgenden Worten: „… im Brennpunkt Deutscher Geschichte und deutscher Geschichten leuchtet dieser seltene Film, der – vorgetragen in distanziert ironischem Duktus, der jegliche Betroffenheit ausklammert und uns erst damit betroffen macht – den Weg einer Familie durch die Zeiten so messerscharf und mit tiefem Gefühl beschreibt, wie es nur große Filme können.“

Wie die Kuratorin Kristina Volke ausführt, gehört die gebürtige Stralsunderin Juliane Ebner, zur jungen Berliner Kunstszene, deren Ausstrahlungskraft auf der radikalen Transformation althergebrachter Themen und traditionsreicher Kunstgattungen beruht. „Ebners Thema und zugleich Ausdrucksmittel ist die Zeichnung. Ausgebildet an der Muthesius-Kunsthochschule Kiel bedient sie sich ihrer virtuos – nutzt die Papierarbeiten oft aber nur als Ausgangspunkt für einen Arbeitsprozess, an dessen Ende durchscheinende Plexiglasbilder oder Zeichentrickfilme im Stop-Motion Verfahren stehen. Diese Verwandlung macht einen großen Teil der Faszination Ebners Arbeiten aus, doch ist sie nur das Mittel zum Zweck, um hochkomplexe Bildwelten zu erschaffen, in denen das Thema von individueller Erinnerung und offizieller Geschichtsschreibung subtil ausgelotet wird.“

Die Kapelle der Kirche St. Jakob in Kasnevitz ist täglich von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Der Film von Juliane Ebner wird nach der Eröffnung am 15. Juni bis zum 13. Oktober zu sehen sein.

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