- Im Jahr 2024 besetzen die Marktstände im Hafen eine neue Fläche
- Als Matthäus Marten das Gelände von der Gemeinde pachten konnte, änderte sich die Situation für den Rügen-Markt zum Guten – hier mit Mitarbeiter Bonnie im Fischladen „Leuchtfeuer“| Foto: www.ruegenfotos.de
Nervenaufreibende Standortsuche
1. September 2026Der fünfte und letzte Teil der Geschichte des Rügen-Marktes
Im November 2021 kündigte die Gemeinde Mönchgut-Granitz, den erst wenige Jahre zuvor geschlossenen unbefristeten Pachtvertrag mit dem Rügen-Markt. Ein Schock für die Marktbetreiberfamilie und die mittlerweile etwa 90 kleinen Manufakturen und Kunsthandwerker, für die der Rügen-Markt in Thiessow eine feste Größe geworden war.
Gleichzeitig stand die Auflösung der Fischereigenossenschaft und damit der Verkauf des Hafengeländes an. Der ortsansässige Gastronom Torsten Jelinski hatte sich mit dem Kauf der Gaststätte das Vorkaufsrecht für das Gelände vertraglich zusichern lassen. Doch es gab auch noch andere Interessenten. Die Gemeinde wollte den Hafen zu ihrem Ortstreffpunkt machen und drei junge Visionäre überlegten, hier nachhaltige Fischstäbchen herzustellen.
Der Rügen-Markt wurde zum Politikum. Einerseits machte er den Hafen für Käufer interessant, andererseits wollte die Gemeinde Veränderungen. Die Standortfrage polarisierte in der Presse. Die halbe Insel machte sich Gedanken, ob Thiessow der beste Marktstandort ist und welche Alternativen es gibt. Doch es zeigten sich auch die Nachwirkungen der Pandemie. Viele Inselbewohner hatten Angst vor Menschenansammlungen und wollten keinen Markt vor ihrer eigenen Haustür. Als die Schwestern Frauke und Urte Kasüske im Frühjahr 2022 mit der Putbuser Bürgermeisterin über einen Neustart der Veranstaltungsreihe „Rügen kreativ“ am Hafen von Lauterbach sprachen, lautete die Schlagzeile am nächsten Tag „Der Rügen-Markt drängt nach Putbus“.
Tatsächlich gab es nicht viele Optionen für den mittlerweile gewachsenen Markt. Der Putbuser Schlosspark hätte bei einer regelmäßigen Nutzung über sechs Monate Schaden genommen. Prora lehnte dankend ab. Mukran wollte sich zum Energiehafen entwickeln. Glowe und Bergen hatten keinen geeigneten Platz und das Kap Arkona war, wie so manch weiterer Kandidat zu weit entfernt von den Urlauberorten.
Die Veranstalterinnen stellten fest: der Rügen-Markt gehört nach Mönchgut-Granitz. Die meisten Marktbesucher sind Anwohner oder Urlaubsgäste dieser Region. Die Stammkunden kennen und lieben den regionalen Markt seit vielen Jahren. Daher kam nach Thiessow nur ein Standort in die engere Auswahl: das Ostseebad Sellin. Genauer gesagt, der etwas in die Jahre gekommene Seepark. Direkt am Seepark liegt ein Verkehrsknotenpunkt mit Parkplatz, Fähre und Kleinbahn. Der Standort schien ideal für den Rügen-Markt zu sein. Bürgermeister Reinhard Liedtke hatte schon früher großes Interesse gezeigt und empfing die Geschwister und ihre Anfrage mit offenen Armen.
Gemeinsam mit dem Architekten Andreas Appelt erarbeiteten sie einen Plan für den Standort Sellin, den sie dann auch den Gemeindevertretern präsentierten. Im Verlauf dieser Zusammenarbeit offenbarten sich jedoch auch schon die Schwächen der Idee. Der Park selbst ist zu uneben und auch bei Feuchtigkeit nicht belastbar. Anliegende geeignete Flächen waren bereits für Bauprojekte verplant oder mit anderen Attraktionen belegt. Am Ende überzeugte das vorgelegte Konzept die Veranstalterinnen nicht. Die beplante Fläche war einfach zu klein. So mussten sie Sellin absagen. Damit blieb Thiessow die einzig mögliche Option.
Für 2024 legten die Markt-Betreiberinnen hier ein neues Konzept vor. Der Markt wurde umgebaut. Ein Teil der Marktstände zog auf die Wiese am Hafen. Der Parkplatz selbst wird nun von der Gemeinde bewirtschaftet, auch wenn weiterhin Mitarbeiter des Marktes für reibungslose Abläufe sorgen. Eine Vergrößerung ist aus Naturschutzgründen nicht möglich, doch es gibt weitere Parkplätze im Ort. Auch die Hafentoiletten standen den Marktbesuchern nicht mehr zur Verfügung. Es musste eine eigene Lösung gefunden werden. Der Pachtvertrag wurde nun jährlich verlängert. Der Unsicherheit zum Trotz erneuerten die Marktveranstalterinnen 2025 in einer Gemeinschaftsaktion die Markthütten.
Im Frühjahr 2026 konnten endlich alle aufatmen. Das Hafengelände wurde verkauft. Den Zuschlag erhielt die Gemeinde Mönchgut mit Pächter Matthäus Marten
und seinem Fischladen Leuchtfeuer. Erleichterung machte sich breit: Nach mehr als vier Jahren gibt es nun wieder langjährige Pachtverträge.
Im Oktober 2026 beendet der Rügen-Markt seine 20. Saison und auch in den kommenden Jahren wird Rügens schönster Markt mit seinen mehr als 90 regionalen Produzenten und Kunsthandwerkern in Thiessow die Besucher empfangen.
Weitere Informationen
ruegen-markt.de

