Die Corona-Jahre

Auch Krisen gehören zur Erfolgsgeschichte des Rügen-Marktes

 

Im Februar 2020 war der Rügen-Markt erstmalig auch auf Tour in Leipzig. Die Ausflüge endeten jedoch abrupt, denn ein Großteil der Teilnehmer fiel aufgrund einer mysteriösen Krankheit aus. Dies war die letzte der winterlichen Rügen-Markt-Touren.

Nur einen Monat später begann die Corona-Pandemie. Von jetzt auf gleich hieß es: Lockdown. Die Insel wurde
abgeriegelt. Am Rügendamm standen Polizisten, die die Zufahrt kontrollierten. Die Strände waren menschenleer. Es war einfach magisch und gleichzeitig vollkommen absurd.

Viele der Einzelunternehmer und kleinen Manufakturen bangten um ihre Existenz. Sie sind auf den Verkauf ihrer Erzeugnisse in der Saison angewiesen, um über den langen Winter zu kommen, in dem sie produzieren. Die finanziellen Reserven gingen bereits zur Neige. So war die große Frage, die alle beschäftigte: Findet der Rügen-Markt 2020 statt? Spezialmärkte und Veranstaltungen waren in den Pandemiejahren gänzlich untersagt. Doch Wochenmärkte durften öffnen. Nun galt es zu entscheiden: Was genau ist der Rügen-Markt? Der Markt findet von Mai bis Oktober zweimal wöchentlich statt. – check. Es werden Lebensmittel verkauft. – check. Doch was ist mit den Kunsthandwerkern?

Die Mitarbeiter des Amtes Mönchgut-Granitz waren ratlos. Ein Antrag auf Öffnung unter Auflagen wurde unter großem Bedauern abgelehnt. Doch der Landrat erlaubte die Öffnung des Wochenmarkt-Anteils. Die Rettung für die Kunsthandwerker kam von Marlies Steinmöller und Michele Preissler. Diese fanden eine Verordnung der Landesregierung von 1992, in der eindeutig festgelegt war, was auf Wochenmärkten verkauft werden darf. Damit war der Weg frei. Der Rügen-Markt galt nun offiziell als Wochenmarkt und durfte wie gewohnt stattfinden.

Doch für wen? Es war ja niemand da. Doch als der Lockdown im Juni 2020 endlich aufgehoben wurde, war auch der Rügen-Markt zurück.

Nun erlebte die Insel einen regelrechten Urlauber-Tsunami. In wenigen Tagen füllte sie sich von 0 auf 120 Prozent. Ein Kulturschock für die Inselbewohner. Die Marktveranstalterinnen entwarfen ein Sicherheitskonzept. Alle Marktstände wurden mit Schutzmaßnahmen, Desinfektionsmöglichkeiten und Abstandsschildern ausgestattet. Doch um auch tatsächlich Abstände gewährleisten zu können, durften nur 300 Besucher gleichzeitig auf dem Gelände sein. Die Menschen wurden also abgezählt. In der Folge bildeten sich lange Schlangen vor dem Hafengelände. Sie wurden das meistfotografierte Markt-Motiv der Sommer 2020 und 2021.

Auf der Zufahrtstraße zum Hafen kollidierten Freiheitsdrang und Sicherheitsbedürfnis miteinander und entluden sich in hitzigen Diskussionen. Die Mitarbeiter hatten alle Hände voll zu tun, um die Wartenden bei Laune zu halten. So mancher Ankömmling drehte entnervt ab, weil er dachte, der Markt wäre überfüllt. Doch wer es auf das Gelände geschafft hatte, erlebte eine Überraschung, denn er hatte den wahrscheinlich entspanntesten Marktbummel aller Zeiten. Dennoch entstand für Außenstehende, insbesondere die Einwohner des Örtchens Thiessow, der Eindruck, sie werden von Menschenmassen überrannt. Die Beschwerden häuften sich. Bewegungen für den Schutz der Region wurden laut. Die Gemeindevertretung geriet unter Zugzwang und reagierte schließlich. Im November 2021, direkt nach den beiden Pandemiesommern, stellte sie eine Umfrage an die Anwohner und damit den Rügen-Markt-Standort Thiessow in Frage.

Von dem Verkauf des Fischereigeländes und der nervenaufreibenden Standortsuche erzählt der letzte Teil der Geschichte des Rügen-Marktes.

 

Weitere Informationen
ruegen-markt.de

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