Heike Seelenbinder | Foto: privat

Es gibt immer einen „Rausweg“

Heike Seelenbinder hütet den Pilgerweg der Heiligen Birgitta auf Rügen

„Pilgern ist wandern ins eigene Ich“, sagt Heike Seelenbinder. Eine Frau, die es wissen muss. Seit über zehn Jahren ist die heute 59-Jährige immer wieder mit Rucksack und Pilgerstock unterwegs gewesen. Heute ist sie im Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft e. V., berät Menschen, die erstmals pilgern wollen und kümmert sich zusammen mit Norbert Rösler, Küster der Ev. Kirchgemeinde Bergen, vor allem um den Pilgerweg der Heiligen Birgitta, der über 60 Kilometer über die Insel Rügen führt. Das eingespielte Duo kontrolliert die Markierungen, hält Kontakt zu Herbergen und vieles mehr. Über ihre Internetseite verschickt Heike Seelenbinder, die als Projektleiterin im Bücherzirkus in Prora arbeitet, auch Unterkunftslisten für Pilgererinnen und Pilger auf Rügen. Auf der Insel bietet sie geführte Pilgertouren an – in Zusammenarbeit mit dem Hospizverein sogar Pilgertouren für Trauernde.

„Der Pilgerweg zeigt uns, dass es in den unterschiedlichstens Situationen des Lebens immer einen Rausweg gibt, wenn wir bereit sind, ihn zu gehen.“
Heike Seelenbinder

Der heutige Birgitta Pilgerweg verläuft von Vadstena in Schweden nach Roseburg, in der Nähe von Lübeck. Sein Teil auf Rügen verläuft von Sassnitz über Lietzow, Bergen, Garz, Poseritz nach Stralsund. Von dort geht es dann weiter über Tribsees, Güstrow, Tempzin, die Landeshauptstadt Schwerin, Wittenburg nach Roseburg. Vorbei an Meisterwerken der Backsteingotik, durch das Sternberger Seenland und zu ehemaligen Klöstern – so vermutet man die Pilgerroute der Heiligen Birgitta im Jahr 1341. Auf Rügen wurde ein Teil dieses Pilgerweges im Jahr 2013 gewidmet und mit der Jakobsmuschel und den gelben Pfeilen beschildert.

Pilgern kann jeder, sagt Heike Seelenbinder. Sie selbst hat vor über zehn Jahren den berühmten Santiago-Weg unter die Füße genommen. Diese Erfahrung hat sie seither nicht mehr losgelassen. Sie folgte in Spanien, Portugal und in Italien der Jakobsmuschel, kennt die Via Scandinavica und natürlich auch Pilgerrouten in Mecklenburg-Vorpommern. Demnächst ist übrigens die Mecklenburgische Seenplatte dran. Für sie ist Pilgern ein gutes Training für Achtsamkeit. „Mal runter von der Couch, schauen, was Körper und Geist alles können – das macht Menschsein aus“, schwärmt sie. Den Unterschied zwischen wandern und pilgern erläutert sie mit dem Wort „Einstellung“. „Einen Pilgerweg geht man auch nach innen. Menschen pilgern aus verschiedensten Gründen“, lächelt sie. „Der eine beendet gerade die Schule und braucht eine Zeit der Orientierung, andere haben gerade eine Trennung hinter sich gebracht, müssen abschalten – andere genießen einfach die Natur und die Ruhe auf dem Pilgerweg. “ Heike Seelenbinder will es immer wieder tun. „Mehr Freiheit gibt es für mich nicht“, so ihr Credo.

www.pilgern-auf-ruegen.de
www.pilgern-im-norden.de
www.pilgerinitiative-vorpommern.de

 

Auf dem Birgittenweg von Sassnitz nach Lietzow (ca. 15 km)
Sa. 25. Mai 2024, Treff: 9 Uhr Bahnhof Sassnitz
Wegepflege mit Norbert Rösler und Heike Seelenbinder
Anmeldung: info@pilgern-auf-ruegen.de

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