„Ich wünsche mir ganz klar ein gemeinsames Auftreten als Region“

Andreas Heinemann von der Tourismusgesellschaft Kap Arkona im Interview

Du bist seit zwei Jahren Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft Kap Arkona. Wie würdest du die Zeit bis heute beschreiben? Sehr interessant, aufregend. Ich habe bisher noch kein reguläres Ostern erlebt. Die Corona-Geschichte hat auch unsere Firma sehr beeinflusst.

Wie sieht dein Arbeitstag aus? Ich beginne um 8 Uhr, dann Besprechung Bauhof, dann Büro und eigentlich treibe ich mich den ganzen Tag im Revier herum. Ich bin wirklich sehr gerne hier, auch und gerade dank der Mitarbeiter, die ein sehr gutes Team mit tollen Ideen und Einsatzbereitschaft bilden.

Auf welche Erfolge kannst du blicken? Die Antwort darauf ist subjektiv und von daher schwierig. Ich versuche es mal: bessere Onlinedarstellung des Kaps wie eine neue Website, Webcams in Vitt und am Peilturm, Radio Kap Arkona sowie eine allgemeine Verbesserung des Ortsbildes. Wir haben den Investitionsstau abgearbeitet und die Kommunikation zwischen der Tourismusgesellschaft, dem Förderverein und der Gemeinde verbessert. Der Parkplatz wurde digitalisiert und wird nun durchgehend bewirtschaftet. Der Rügenhof, Spielstätte für einheimische Musiker, hat sich zu einer Kulturstätte entwickelt, kulturelle Traditionen wurden fortgeführt.

Musstest du Pläne ad acta legen? Nein, höchstens verschieben. Soweit ist es bisher nicht gekommen. Aber im täglichen Austausch mit den Mitarbeitern ergeben sich natürlich immer wieder neue Ansätze zur Problemlösung. Ich nehme
alle Meinungen ernst.

Welches waren deine größten Herausforderungen? Die Corona-Problematik mit allen einhergehenden Problemen. Vor allem die Personalplanung gestaltete sich schwierig. Aber da hatten andere sicher größere Schwierigkeiten zu meistern. Aktuell sehe ich es als Herausforderung an, mit dem Landkreis und der VVR eine Zusammenarbeit in Hinsicht Nahverkehr in Putgarten zu organisieren. Dieser bestand und besteht mit der Arkona Bahn und wird auch nur vom Urlaubsgast nachgefragt, weiteren Verkehr in Form von Linienbussen wollen weder Gemeinde noch Urlauber. Hier haben wir als Gemeinde und Tourismusgesellschaft ein gravierendes Problem. Seit langem liegt ein Angebot der Gemeinde vor, dem der Landkreis nur zustimmen braucht, inklusive Kostenübernahme durch die Gemeinde.

Wirst du oft mit deinem Vater Ernst Heinemann, langjähriger Bürgermeister der Gemeinde Putgarten, in Verbindung gebracht? Nicht allzu häufig, aber das Thema begegnet einem schon in vielerlei Hinsicht. Die Fußspuren sind groß und ich bemühe mich, einen nachhaltigen Abdruck zu hinterlassen. Viele gute Ideen harren einer Weiterentwicklung und Verwirklichung. Allen ist bewusst, dass durch ihn ein solider Grundstein für die gemeindliche Entwicklung gelegt wurde. Das gilt es nun nach aktuellen Realitäten zu entwickeln. Und natürlich will man selbst überzeugen. Aber der Name lässt (noch) oftmals aufhorchen.

Wann hast du beschlossen, dich für die Nordspitze von Rügen zu engagieren? Das ist schon eine ganze Weile her. Ich war ja vor 2019 schon zehn Jahre in der Gemeindevertretung aktiv. Und das Thema Kap Arkona war und ist in unserer Familie ja omnipräsent. Und eher zufällig kam die Neuausschreibung der Geschäftsführerstelle, ja, und das passte genau vom Thema und Zeitpunkt.

Und warum? Beruflich war ich als Reiseleiter viel in der Region unterwegs und habe dabei natürlich auch immer „mein“ Kap Arkona präsentiert. Anhand der umgesetzten Projekte sieht man nun schon, dass einer aus dem Ort tatsächlich einen anderen Zugang zum Thema Kap Arkona hat. Vor allem, wenn man die ganze Sache als Teamarbeit zwischen Gesellschaft und Gemeinde versteht. Denn man darf beim Selbstbetrachten nicht vergessen, dass viel Zuarbeit ehrenamtlich geleistet wird. Das ist eine sehr wertvolle Arbeit, unabdingbar für meine Tätigkeit. Ich war ja selbst Gemeindevertreter. Ich bin sehr stolz, dieses bekannte Ausflugsziel zu vertreten. Und bin auch meinen Vorgängern dankbar, sehr viel baut ja auf geleisteter Vorarbeit auf. Dies gilt übrigens für alle Mitarbeiter, ohne deren Engagement schöne Ideen eben nur schöne Ideen bleiben würden.

Das Kap hat jetzt sogar sein eigenes Inselradio. Wie kam es dazu? Ein typischer Gedankenaustausch unter Mitarbeitern. Ursprünglich als reines Marketing-Thema gedacht, sind wir nun bei einer neuen Website, einer eigenen Arkona App und eben dem Radio. Da war viel Fleißarbeit dabei. Unser Ziel ist es, das Radio als Urlauberradio für ganz Rügen zu etablieren. Der Feriengast soll Infos über die Ohren aufnehmen. Von ganz Rügen. Es liegt im Trend, im Urlaub Inselradio zu hören. Da gibt es tolle Musik, Infos und Unterhaltung von der ganzen Insel – authentisch, vom Fischer, vom Musiker und natürlich auch vom Knirps am Strand.

Was hat es mit dem Audiowalk auf sich? Hier scannt der Besucher den QR-Code und bekommt beim Laufen am Kap interessante Informationen auf die Ohren. Und das ganz automatisch beim Annähern an den entsprechend sehenswerten Punkten. Diesen werden wir um einen kommerziellen Walk erweitern, denn der Gast will ja auch einkaufen, essen, trinken und vieles mehr. Und dann ist noch ein Geschichtlicher für die Halbinsel Wittow geplant, den man mit dem Fahrrad erkunden kann.

Was sollte man am Kap unbedingt gesehen haben? Am Kap muss man alles gesehen haben, deswegen sollte man auch mindestens vier bis fünf Stunden Zeit einplanen. Das Kap sollte als Ganzes betrachtet werden. Deswegen halte ich ja eben auch einen Linienbus zum Kap schlichtweg für unnötig, der den Ort Putgarten einfach links und rechts liegen lässt. Unser Info-Amt ist am Ortseingang, die Toilette auch. Der Rügenhof ist immer einen Besuch wert. In Sellin schaut man sich ja auch die ganze Wilhelmstraße an. Am Kap ist alles interessant, vom Rügenhof als Mittelpunkt mit Café und Kultur, der Ladenzeile und den Handwerkern. Die drei Türme dürfen nicht fehlen, die Abstiege zum Strand, das Fischerdorf Vitt, die Küste selbst, die wildromantische Natur zu jeder Jahreszeit. Auch die Laufstrecken werden sich immer interessanter präsentieren.
Du lebst auch direkt am Kap. Wann ist es hier am schönsten? Es ist immer schön.

Welche Pläne hast du für das Kap? Die Beschäftigung der hier lebenden Menschen zu sichern. Vieles hängt am Kap als Ausflugsziel. Und dieses Ziel so interessant halten, dass jeder Urlauber einmal im Urlaub an das Kap Arkona kommen möchte, ob mit Bus, Auto, Fahrrad oder zu Fuß, das ist mein erklärtes Ziel.

Du bist auch als Reiseführer unterwegs und bist mit der Region bestens vertraut. Was würdest du dir für die Zukunft der Insel wünschen? Ich wünsche mir ganz klar ein gemeinsames Auftreten als Region in Partnerschaft mit Stralsund und eine durch ihre Leistungen akzeptierte Kurkarte für die ganze Insel. Ein größerer Fokus sollte auf dem Radfahren liegen, auf E-Bikes. Gute Busverbindungen zwischen den Zielpunkten haben wir, und wir brauchen nicht noch mehr Verkehr an und zu den Ausflugszielen. Da gibt es sehr viel, was man durch eigenes Erleben zumindest verbessern möchte.

Was bedeutet Heimat für dich? Heimat ist für mich die Halbinsel Wittow. Hier ist der Verein, die Fahrradrunde, die Feuerwehr. Eben die Gegend, die ich als meine Region verstehe. Vom Ort geht es über die Insel, zum Bundesland und zur Bundesrepublik. Ich sehe die Gemeinschaft. Hier setze ich mich ein. Hier lebe ich gern. Wenn ich wegfahre, dann freue ich mich wieder auf mein zu Hause.

Interview: Janet Lindemann

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