Aus Liebe zum Beruf

Die letzten Fischer von Baabe

Die Geschichte des Ostseebades Baabe ist untrennbar mit der Fischerei verbunden. Dass dieser Berufszweig heute nicht mehr zu den zukunftsträchtigsten gehört, ist längst kein Geheimnis. Einige Fischer sprechen sogar davon, dass er vom Aussterben bedroht ist. Die Kürzung der Fangquoten ist nur eine Herausforderung, vor die sie heute stehen. Trotzdem würden die meisten ihren Beruf niemals aufgeben. Die Baaber sind stolz auf ihre Fischer im Ort. Alljährlich zu Pfingsten veranstalten sie ein Reusenfest im Kurpark. Dabei wird traditionell die Reuse hochgezogen – ein alter Brauch in dem beliebten Ostseebad im Südosten der Insel Rügen, der auf die Wurzeln des einstigen Fischerdorfes zurückgeht.

Fischer Roberto Brandt ist einer der letzten Fischer von Baabe. Wenn es hell wird, geht es für ihn zum Fischfang hinaus auf die Ostsee, den Greifswalder Bodden oder den Selliner See vor der Haustür. Bei Wind und Wetter. Im Frühjahr stellt er gemeinsam mit seinem Sohn Jan und Mitarbeiter Wolfgang Friedrich dem Hering nach. Im Mai sind es Hornfisch und Steinbutt. Im Herbst hat dann wieder der Hering Konjunktur. „Eine Tonne Hering dürfen wir im Jahr fangen. Im Herbst ist er von der Größe und dem Fettgehalt am besten“, weiß Roberto Brandt. Neben dem Hering gehen sie auch auf Dorschfang. Ab Mitte Dezember ziehen sie Meerforellen und Lachs an Land. Allerdings fahren sie dann viel seltener raus. „Oft finden wir dann kaputte Netze vor. Nur Fischköpfe oder mit Fische mit Löchern“, weiß Fischer Brandt. Die Schuld gibt er den Kegelrobben. Früher wurden sie bejagt, heute geschützt. „Die Tiere haben sich in den zurückliegenden Jahreszeit stark vermehrt.“ In der kalten Jahreszeit werden Netze gebaut und repariert. Roberto Brandt hat sein Handwerkszeug von der Pike auf gelernt.
Etwa 40 Fischer gab es bis zum Jahr 1920 in Baabe. Ab 1959 haben sich 30 zu Reusenorganisationen zusammengeschlossen. Roberto Brandt war in der Fischereigemeinschaft Having-Seedorf mit Fischern aus Seedorf, Alt-Reddevitz, Sellin und Baabe aktiv. „Verarbeitet wurde der Fisch in der Fischverarbeitung Seedorf, verkauft in einem Fischladen im Ostseebad Sellin“, erinnert er sich. 15 Fischer gab es bis zur Wende. Nach 1992 traten die letzten Fischer aus der Fischereigenossenschaft aus und entschieden sich für die Selbstständigkeit. Auch Robert Brandt. Den Fisch, den er heute nach traditioneller Art fängt, verkauft er – frisch gefangen, geräuchert, gebraten oder eingelegt – in seiner Gaststube „Zum Fischer“ im Ortskern. Neun Festangestellte kümmern sich um den laufenden Betrieb. Den gleichen Weg sind auch Benno Mundt und Charles Heuer gegangen. Charles „Charly“ Heuer betreibt mit seiner Frau seit 1995 den Fischimbiss „Zum Seeräuber“ auf dem Weg vom Haus des Gastes zum Fischerstrand. Historische Bilder an den Wänden sind stille Zeugen der Zeit, als Fischer noch ein attraktiver Beruf war. Mit etwas Glück erlebt man Roberto und Jan Brandt, Benno Mundt sowie Charles und David Heuer heute am Fischerstrand in Aktion, später dann in ihren Gaststätten und Imbissstuben. Denn Baabes Fischer brennen für ihren Beruf.

Weitere Informationen: www.baabe.de
Fischrestaurant „Zum Fischer“, Bollwerkstr. 6 in Baabe
Fischimbiss „Zum Seeräuber“, Dünenweg 3 in Baabe

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