Glückwunsch! Der „Rasende Roland“ wird 125

Die historische Schmalspurbahn ratterte einst bis Altefähr und Altenkirchen

Er gehört zu den beliebtesten Film- und Fotomotiven auf Rügen: der „Rasende Roland“. Wenn das schwarze Dampfross laut pfeifend und dampfend durch den Südosten der Insel zuckelt, zieht er alle Blicke auf sich. Bei Wind und Wetter ist die historische Schmalspurbahn im Einsatz – und das an 365 Tagen im Jahr. Kaum eine Schneewehe ist ihm zu hoch und selbst wenn es in der Hochsaison auf der Straße zwischen Göhren und Sellin nur im Schritttempo vorangeht, zieht er verlässlich mit seinen 30 km/h vorbei. Neben der Strecke Putbus über Binz nach Göhren war das Kleinbahnnetz auf Rügen einst noch länger. Der erste Zug dampfte am 21. Juli 1895 vom Putbuser Bahnhof nach Binz. Ein Jahr später wurde die Strecke bis nach Sellin verlängert. Ebenfalls im Jahr 1896 entstand der Streckenteil von Putbus über Garz, Poseritz und Gustow nach Altefähr. Damit war die Linie im Süden der Insel fertigstellt. Aufmerksame Beobachter erkennen dies auch heute noch an der Streckenkilometrierung, die einst in Altefähr begann. Göhren wird noch heute bei Kilometer 59 erreicht.

Ohne schmalspurige Verbindung aus Putbus wurde eine weitere Strecke im Norden der Insel von Bergen über Trent zur Wittower Fähre sowie von Fährhof über Wiek nach Altenkirchen eröffnet. Der Breetzer Bodden wurde mittels Fährschiff überbrückt. 1918 wiesen die Kleinbahnstrecken der Rügensche Kleinbahnen Aktiengesellschaft (Rü.K.B.) die größte Ausdehnung mit fast 100 Kilometer Streckenlänge auf. Allerdings wurde die rein militärisch motivierte und erst 1918 eröffnete Strecke zur Marinefliegerstation auf dem Bug bei Dranske mit dem Ende des ersten Weltkriegs schon wieder überflüssig und 1926 ganz aufgegeben. Bis 1910 erlebte die Bäderstrecke entlang der Ostseebäder Binz, Sellin, Baabe und Göhren einen Aufschwung. Es wurden größere Loks und Wagen in Betrieb genommen und die Bahnhöfe weiter ausgebaut. Die Züge waren sehr gut ausgelastet. Güterwagen konnten nur in vergleichsweise geringer Zahl an die Personenzüge angekoppelt werden. Auf der Strecke nach Altefähr als auch nach Altenkirchen war dies hingegen kein Problem. Hier spielte der Personenverkehr stets eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wurden landwirtschaftliche Güter, Kohle oder Kreide in den kleinen Güterwagen transportiert.

Mit Beginn des ersten Weltkriegs endete der Aufschwung. Durch strikte Sparsamkeit konnten die Kleinbahnbetriebe gerettet werden und sich wieder erholen. Mit der Eröffnung des Rügendamm am 5. Oktober 1936 verbesserte sich die Erreichbarkeit Rügens erheblich. Zwischen Stralsund und Altefähr mussten nun nicht mehr alle Personen und Güter mit einem Fährschiff trajektiert werden. Durchgehende Schnellzüge aus Berlin erreichten Putbus über die Normalspurstrecke.

Mitte der 50er Jahre setzte der Tourismus wieder ein. Fast alle Urlauber reisten mit der Bahn an und stiegen in Putbus in die Schmalspurzüge um. Mit jedem ankommenden Schnellzug stiegen bis zu 1.000 Fahrgäste aus. Der damalige Betreiber, die Deutsche Reichsbahn, setzte viele Reisezugwagen aus dem sächsischen Raum auf Rügen ein. Die Kleinbahnzüge wurden scherzhaft „Rasender Roland“ genannt. Ein Großteil der Urlauber waren Wismut-Kumpel aus dem Bergbau im Erzgebirge. „Roland“ – Schutzpatron der Bergleute – war synonym für die vielen Fahrgäste. Es wird angenommen, dass der Name „Rasender Roland“ auf diese zurückzuführen ist. Woher der Name genau stammt, konnte bisher nicht genau geklärt werden.

In den Folgejahren wurden Investitionen in Fahrzeuge und Gleis immer mehr zurückgefahren. Der Verkehrsträgerwechsel auf Bus und Lkw wirkte sich auf viele Strecken aus, so auch auf den Streckenabschnitt von Putbus nach Altefähr am 3. Dezember 1967 wie auch auf die Nordstrecke in den Jahren 1968 und 1969. Beide Strecken waren nicht mehr rentabel. Für die Bäderstrecke standen die Zeichen zunächst auch auf Stilllegung, welche 1976 abgewendet werden konnte. Lediglich der schwache Güterverkehr wurde aufgegeben. Es erfolgten wieder Investitionen in die Gleisanlage. Um die altersschwachen Lokomotiven aus der Blütezeit der Bahn zu entlasten, kamen in den 1980er Jahren erstmals zwei Neubau-Lokomotiven – Baujahr 1953 – zum Einsatz. Bis heute prägen diese wuchtigen Lokomotiven in der Hauptsaison das Bild, während die bei Vulcan in Stettin gebauten Rü.K.B. Lokomotiven aus den Jahren 1913 und 1925 eher im Winterhalbjahr zum Einsatz kommen.

Nach der politischen Wende hatte die Deutsche Bahn AG kein Interesse mehr am Weiterbetrieb des „Rasenden Roland“, sodass eine Privatisierung ins Auge gefasst wurde. Die Rügensche Kleinbahn GmbH übernahm den Betrieb der Strecke, während der Besitz in den Landkreis Rügen überging. Nach mehreren Betreiberwechseln übernahm 2008 die Eisenbahn-Bau- und Betriebsgesellschaft Pressnitztalbahn mbH aus Sachsen die Betriebsführung als Rügensche BäderBahn (RüBB). Neben zahlreichen Investitionen in Strecke und Fahrzeuge konnten die Fahrgastzahlen in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert werden. Die RüBB ist damit ein wichtiger Partner im öffentlichen Personenverkehr auf der Insel Rügen. Zu den Highlights gehören Fahrten im offenen Aussichtswagen und ein Besuch des Minispeisewagens. In dem bietet der gebürtige Leipziger Tobias Keuscher sächsische Spezialitäten auf engstem Raum an.

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