Unterwegs zu Häusern mit Geschichte

Kleinode im Westen der Insel Rügen mit dem Fahrrad entdecken

Wohl kein anderer Ort im Norden ist so reich an Herrenhäusern wie der Westen der Insel Rügen. Es ist äußerst lohnenswert den fahrbaren Untersatz in Richtung Schaprode zu lenken, die Landstraße zu verlassen und den Alleen bzw. asphaltierten Dorfstraßen zu folgen. Besonders empfehlenswert ist ein Ausflug mit dem Fahrrad. Wer längere Strecken überbrücken möchte, kann die Busse mit Fahrradanhänger der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen nutzen, die dort in den Sommermonaten verkehren.
Zwei Kilometer westlich der Inselhauptstadt Bergen befindet sich das Gut Reischvitz. Die heutigen Besitzer, Margarethe und Bogislav v. Platen, kehrten nach der Wende nach Reischvitz zurück. Nach dem Tod des Vaters sollte Sohn Bogislav einst das Gut übernehmen, doch die „Rote Armee“ enteignete die Familie und nahm ihre Häuser in Besitz. Ostern 1990 kehrte er wieder an den Ort seiner Kindheit zurück. Er traf auf den alten Stellmacher, der bereits vor dem Krieg bei den von Platen wirkte, und der zu diesem Zeitpunkt noch im Gutshaus lebte. Bogislav von Platen – er baute damals Bankfilialen in Rostock, Stralsund und Dresden mit auf – zog von Frankfurt am Main nach Rügen und mietete sich in das Haus ein. Zusammen mit seiner Frau Margarethe zog er im Sommer 1992 ganz in den Norden.
Zu diesem Zeitpunkt waren sie stolze Besitzer des Gutshauses und vier Hektar Land, die sie von der Kommune Parchtitz erwarben. Sie ließen das Herrenhaus sanieren und stellten es auch Feriengästen zur Verfügung. Das machen sie auch heute noch. Stets empfangen sie Besucher persönlich und mit einem Lächeln. Ihre Freude, an diesem zauberhaften Ort –
inmitten von Wiesen und Feldern – leben zu dürfen, teilen sie gerne mit Menschen, die ebenso wie sie Rügen lieben. Besonders begeistert sind sie vom Frühling mit seiner Blütenpracht und dem Herbst, wenn die Zugvögel auf dem Weg in warme Gefilde sind.
Es gibt nur wenige Herrenhäuser in diesem Landstrich, die dem Verfall preisgegeben sind wie das Herrenhaus Lipsitz bei Thesenvitz, das nach 1945 unter anderem als Flüchtlingsunterkunft diente und bis 1998 bewohnt war.
Zu den beeindruckendsten und ältesten Bauten dieser Art auf der Insel gehört zweifelsfrei das Herrenhaus in Boldevitz mit seiner Kapelle unweit von Reischvitz. Zu den Besonderheiten gehören die Hackert-Tapeten im Festsaal. Der 1737 in Prenzlau geborene und von Goethe bewunderte Landschaftsmaler Jakob Philipp Hackert schuf in den Jahren 1763/64 sechs großformatige Landschaftsbilder in Leimfarben auf Leinwand. 1945 enteignet und in den siebziger Jahren zu Wohnraum umfunktioniert, konnten die Tapeten in letzter Sekunde gerettet werden. Im Jahr 1991 übernahm die Familie von Wersebe das Anwesen und ließ es samt Tapetenzimmer instand setzen. In tausenden Stunden wurden die Hackert-Tapeten restauriert. Heute finden im Festsaal standesamtliche Trauungen und Konzerte statt.
Das Herrenhaus in Pansevitz, dessen Geschichte bis ins 14. Jahrhundert zurückreicht, ist heute nur noch auf Fotos in seiner vollen Pracht erlebbar. Eine Stiftung kümmert sich um den Erhalt der Ruine und der im englischen Landschaftsstil angelegten Parkanlage, die durchaus als eine der schönsten im Norden bezeichnet werden darf. Ein Spaziergang führt an Teichen mit lieblichen Namen wie Wundersee mit Liebesinsel oder Herz- und Nierenteich vorbei, über Brücken und an uralten Bäumen. Den besten Blick auf den Park hat man von einer Turmruine aus, die über eine Wendeltreppe erreichbar ist. Erhalten wird der Schlosspark durch den FriedWald Rügen. Im Schatten hochgewachsener – aber auch noch recht junger Bäume – finden Menschen ihre letzte Ruhestätte. 1945 enteignet und nach dem Krieg von Flüchtlingen bewohnt, verfiel das Herrenhaus ab Mitte der 1950er Jahre – bis es schließlich als Baumaterial freigegeben wurde. Der Park verwilderte. Im Jahr 1999 begann die Instandsetzung der Parkanlage. Zehn Jahre später erfolgte die Sicherung des Turms und der Bau der Aussichtstreppe. Regelmäßig finden im Schlosspark heute Ausstellungen und Theateraufführungen statt. Der Zugang zum Schlosspark ist rund um die Uhr möglich und kostenfrei.
Aus dem Dornröschenschlaf wurde auch das Herrenhaus Udars bei Schaprode geweckt. Nach vielen Jahren Leerstand ist vor wenigen Jahren wieder Leben eingezogen. Zu den prominentesten Gästen, des vermutlich um 1735 entstandenen und heute in Privatbesitz befindlichen Herrenhauses, war Ihre Königliche Majestät von Schweden, Friedrich  I., auf der Durchreise am 13. November 1731. Prachtvoll erscheinen auch die Herrenhäuser in Venz, Granskevitz und Streu, um nur drei weitere Beispiele auf dem Weg von Bergen nach Schaprode zu nennen.
Zu guter Letzt: Wer zwischenzeitlich Appetit bekommt, dem sei das Gasthaus Fähr-Eck in Trent oder Schillings Gasthaus in Schaprode empfohlen. Frischen Hiddenseer Kutterfisch gibt es im Fischhaus nebenan. Im Hofladen kann man sich mit frischen Backwaren und Fleischprodukten vom Öhe-Rind eindecken.

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