Die Klinikumskirche in Stralsund ist heute ein Kunstort mit anspruchsvollen Veranstaltungen | Foto: Klugschnacker, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org

Weill & Brecht, die Schumanns und Brahms

Stralsunder Reihe „Kammerkonzerte Klinikumskirche“ auf hohem künstlerischen Niveau

Die Klinikumskirche Stralsund gehört zur 1912 eröffneten „Provinzialheilanstalt“, auch damals bereits psychiatrische Kliniken und heute das Krankenhaus „West“ in der Hansestadt beherbergend. Nach Plänen des Architekten Gustav Broder erbaut, steht sie auf dem höchsten Punkt der weitläufigen Anlage mit parkähnlichem Charakter. In ihr fanden die Gottesdienste für Patienten und Personal statt.
Während des Nationalsozialismus´ jedoch startete man die schreckliche Propaganda gegen psychisch kranke Menschen, Stralsund blieb davon leider nicht verschont. Man schloss die Heilanstalt 1939, auch hier wurden die Patienten danach als erbkrank stigmatisiert und zwangssterilisiert. Die Stralsunder Anstalt war ebenfalls die erste, die psychisch Kranke in den Osten deportierte, 300 erschießen ließ und bis 1941 noch viele weitere im Rahmen der Aktion „T42“ ermordete. Man machte aus den Kliniken eine SS-Kaserne und entweihte die Kirche. Durch zweckentfremdete Nutzung verfiel sie, ihre Glocken schmolz man ein.
Mit der Gründung des Fördervereins Klinikumskirche zu Stralsund e.V. im Jahr 1992 initiierte man zunächst die Instandsetzung der Kirche und füllte sie als geistlich-kulturelle Begegnungsstätte wieder mit Leben. Wenn auch Symbol und Mahnmal des schrecklichen Schicksals vieler Menschen, ist sie heutzutage gerade aus diesem Grund ein äußerst lebendiger Kulturort: Gottesdienste für Patienten, Konzerte auf künstlerisch hohem Niveau, Gedenkveranstaltungen, Tagungen und Kunstausstellungen finden nun in dem architektonischen Kleinod einen gebührenden Platz.
Insbesondere die seit vielen Jahren erfolgreich etablierte Konzertreihe „Kammerkonzerte Klinikumskirche“ ist in der gesamten Region beliebt. In ihrem anspruchsvollen Programm sind am Freitag, 25. Oktober um 20 Uhr Pascal von Wroblewsky am Gesang, Philipp Wiechert an der Gitarre und Sebastian Braun am Kontrabass mit Werken von Kurt Weill & Bert Brecht zu erleben. Man kann sich nicht satthören an Kurt Weill. Die Songs aus der „Dreigroschenoper“ sind so frisch wie zu ihrer Entstehung 1928 und die Musiken, mit denen Weill den Broadway eroberte, stehen auf den Repertoirelisten von Jazzmusikern auf der ganzen Welt. Die Jazzsängerin Pascal von Wroblewsky debütierte 1988 als Polly in Altenburg und war zuletzt 2015 bei den Salzburger Festspielen in der Experimentalfassung der „Dreigroschenoper“ die Frau Peachum. Mit der Komischen Oper und der Staatsoper führte sie die „Sieben Todsünden“ auf und gastierte drei Jahre hintereinander beim Kurt-Weill-Fest in Dessau. Nun bringt sie mit dem Gitarristen Philipp Wiechert und dem Bassisten Sebastian Braun Weills Songs auf die Bühne. Jazzy groovend und in der kleinen Form offen für verrückte Ideen und das Auskosten großer Melodiebögen – man kann sich einfach nicht sattsingen an ihm.
Im Rahmen des Jubiläumsjahres zum 200. Geburtstag von Clara Schumann laden Matthias Kirschnereit und das Minguet Quartett am Samstag, 2. November um 20 Uhr zu einem Klassikabend. Dann bringen Ulrich Isfort (1. Violine), Annette Reisinger (2. Violine), Aroa Sorin (Viola) und Matthias Diener (Violoncello) sowie Matthias Kirschnereit (Klavier) folgende Stücke der drei großen Zeitgenossen zu Gehör: Clara Schumann aus den Romanzen op. 21 Nr. 1 a-moll (Johannes Brahms zugeeignet); Johannes Brahms aus der Sonate fis-moll op. 2 Allegro non troppo, ma energico (Clara Schumann zugeeignet); Clara Schumann „Die gute Nacht, die ich dir sage“ (Bearbeitung für Streichquartett: A. Reisinger); Robert Schumann,  Streichquartett op. 41 Nr. 3 und Klavierquintett op. 44.
Karten für die Konzerte sind jeweils bei Juwelier STABENOW in der Badenstraße 1, in der Tourismuszentrale am Alten Markt sowie an der Abendkasse erhältlich.

Weitere Informationen:
www.klinikumskirche.de

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