Die Malerinseln Rügen | Vilm | Hiddensee

Otto Mueller (1874 – 1930): „ … ein dem Magischen zugeneigter Mensch …“

Otto Mueller gilt heute als einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Expressionismuses, obwohl er in den Jahrzehnten nach seinem Tod als ein erfolgloser oder gar folgenloser Künstler des 20. Jahrhunderts abqualifiziert wurde.1901 besuchte Otto Mueller mit seinem Onkel Gerhart Hauptmann (1862 – 1946) und dessen Kindern Ivo, Eckart und Claus erstmals das „dat söte Länneken“. Der erfolgreiche Dichter Hauptmann hat seinem noch unbekannten Vetter den Weg ins Gebiet der Kunst ideell und materiell eröffnet. Ab 1907 kam Mueller als jährlicher Sommerurlauber auf die Insel Hiddensee. Das 1911 sehr wahrscheinlich entstandene expressionistische Ölgemälde „Badende“ spiegelt das zentrale Thema in Muellers Werken wieder: die Einheit von Mensch und Natur, die er in zahlreichen Aktdarstellungen immer wieder veranschaulicht.
Seine Aktbilder zeigen immer junge, sehr schlanke Mädchen und Frauen, die an die Plastiken seines Freundes und Vorbildes Wilhelm Lehmbruck (1881 – 1919) angelehnt, jedoch stets von großer Eigenständigkeit geprägt sind. Im Gegensatz zur prallen Farbigkeit und Leidenschaft der wichtigen Vertreter des „Deutschen Expressionismuses“ bevorzugt er stets eine gedämpfte, erdige Farbskala und kultiviert eine starke, harmonische Vereinfachung von Form, Farbe und Konturen. Seine zahl­reichen, oft blassen und melancholischen Mädchenakte sind Teil einer stillen und stark vereinfacht dargestellten Landschaft.
Trotz seiner Anerkennung im Kreis der Expressionisten blieb Otto Mueller in diesem Zirkel ein Außenseiter. Für den Maler, Schriftsteller und Museumsgründer Lothar-Günther Buchheim (1918 – 2007), der 1963 die erste ausführliche Monografie über Otto Mueller verfasste, war er „ … ein seltsamer, von Geheimnis umwobener, dem Magischen zugeneigter Mensch“. Sein Lebensstil als Bohemien erregte oft Anstoß. Der Kurator der fulminanten Otto Mueller-Ausstellung „Einfach. Eigen. Einzig.“ von 2012/13, Hans-­Dieter Mück, erzählt gern, dass „Mueller in seinem Breslauer Atelier in den Zwanziger Jahren nicht nur gemalt, sondern auch wochenlang, ohne nach Hause zu gehen, gelebt und geliebt hat, von jungen Elevinnen, Modellen und Gespielinnen umgeben.“
In der Zeit des Nationalsozialismuses wurden 357 seiner Werke als „entartete Kunst“ aus deutschen Museen entfernt. Seit den 1960er-Jahren stieg die Zahl der wissenschaftlichen Arbeiten und Veröffentlichungen über Otto Mueller. An seinem 80. Todestag – 24. September 2010 – gründete sich die internationale Otto Mueller-Gesellschaft mit Sitz in Weimar.

 

Autor: Reinhard Piechocki
168 Seiten,
über 100 Abbildungen,
Format 23 x 21 cm
ISBN 978-3-9813568-4-7
Hardcover, 29,90 Euro
Softcover, 24,90 Euro

Bestellungen über: Verlag der rügendruck gmbh
Telefon 038302 / 8 06-16, verlag@ruegen-druck.de

Rügens Wetterchronik

Naturerscheinungen, Wetterereignisse, Ursachen im Ostseeraum seit dem 11. Jahrhundert

weiter

Die Malerinseln Rügen | Vilm | Hiddensee

Max Kaus (1891 – 1977): : „ … den Krieg in jeder Form verachtet!“

weiter

RÜGEN | VILM | HIDDENSEE

Zusammenprall zweier Welten in der Landschaftsmalerei dreier Inseln im Jahr 1908

weiter

Nackt zwischen Dornen

Neuer Bildband von Rügens bekanntestem Fotografen Klaus Ender

weiter