Die Malerinseln Rügen | Vilm | Hiddensee

Wilhelm Ostwald (1853 – 1932): ein Nobelpreisträger als Maler

„Es sind Bilder von einem sehr berühmten, aber noch ganz unbekannten Maler.“ – mit diesen Worten hatte der Wegbereiter des österreichischen Ingenieurwesens, Franz Wilhelm Exner (1840 – 1931), einmal beim Erläutern der Ostwald-Bilder das Dilemma des Malers auf den Punkt gebracht: Als Begründer der Physikochemie, Autor von 45 Lehr- und Handbüchern sowie mehr als 2.000 Publikationen ist Ostwald weltberühmt geworden. Für seine Leistungen und Entdeckungen wurde er 1909 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet. Als Maler blieb ihm aber die Anerkennung weitgehend versagt, obgleich er interessante Thesen zu einer Farbenlehre entwickelte mit dem Ziel, allen mit Farbe Beschäftigten ein fundiertes Instrumentarium für optimale Farbkombinationen in die Hand zu geben.
Ostwald arbeitete Zeit seines Lebens mit enormer Konzentration und extremer Ausbeute. Ganz gleich, auf welches Gebiet er sich begab, er produzierte stets Beachtliches und publizierte viel. Ostwald arbeitete immer bis über die Grenzen der Belastbarkeit, Tag und Nacht. Sehr hilfreich war es, als er die heilende Kraft des Malens in der unberührten Natur für die Regeneration seiner Kräfte entdeckte. Ostwald glaubte, dass bei künstlerischen Betätigungen, wie dem Malen, ganz andere Hirngebiete beansprucht werden als bei der wissenschaftlichen und Unterrichtsarbeit: Jene können inzwischen voll ausruhen, weil die Aufmerksamkeit ganz in die andere Richtung gelenkt ist. Acht längere Reisen auf die Ostseeinseln Rügen, Hiddensee und Vilm waren vor allem dem Malen gewidmet. Diese Ostseereisen wurden für ihn regelrechte „Malerkuren“, bei denen er sich stets „satt malte“.
In seinen Memoiren erinnert sich Wilhelm Ostwald an seinen ersten Vilm-Aufenthalt 1886: „Auf meiner ersten Rügenfahrt habe ich von Putbus aus die kleine Insel Vilm besucht, die eine halbe Stunde vor der Stadt liegt, einen prächtigen Buchenwald hat und nur einige Häuser trägt, in denen der Förster wohnt und während des Sommers ein bis zwei Dutzend Badegäste beherbergt …“ Wegen der wunderschönen Bäume und der mannigfaltigen Ufer hatten sich dort von jeher Maler eingefunden und in den Verkehrston der Gäste einen Zug von künstlerischer Heiterkeit und Freiheit gebracht.

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