Heinz Mewius in seinem Schuppen, der später einem Feuer zum Opfer fiel | Foto: Hans-Werner Kratzsch

Naiv war er schon gar nicht

Erinnerung an Heinz Mewius

Die Kunstgeschichte ist voll von geheimnisvollen Autodidakten, die am Rande der Gesellschaft gearbeitet haben und eher durch Zufall von Kunstkennern entdeckt wurden. Dass es auch auf Rügen so einen Außenseiterkünstler gegeben hat, das wissen nur noch wenige. Doch immer wieder begegnen auch Feriengäste diesen naiven farbigen Holzfiguren im Schaufenster einer Boutique oder in einem Keramikstudio und sind überrascht über ihre hohe Qualität. Heinz Mewius, der erst zum Ende seines ruhmreichen Lebens den Beinamen „Der Hexer von Rügen“ erhielt – war kein Hexer. Doch er war mit dem Naturtalent gesegnet, in gefundenen Hölzern Figuren zu sehen und diese mit viel Fantasie herauszuarbeiten.
Frühes Leid, die Fluchterfahrung, der Tod einer Schwester, fehlende Entfaltungsmöglichkeiten im strengen System der DDR, bewegten ihn dazu in Fantasiewelten zu flüchten. Das konnte die Musik sein oder der Alkohol, der bis zu seinem Ende immer wieder eine große Rolle in seinem Leben gespielt oder die enge Freundschaft zu anderen Männern.
Am produktivsten war die Flucht in die Kunst, die ihn vermutlich auch glücklich gemacht hat. Denn darin konnte er nicht nur Anerkennung gewinnen und sich selbst ausdrücken – er konnte auch die eine oder andere D-Mark einnehmen. Schließlich erhielt er aufgrund seiner künstlerischen Arbeit sogar die Deutsche Künstlerhilfe, eine Art Spende aus der persönlichen Schatulle des Bundespräsidenten.
Auch wenn er einen großen Hang dazu besaß, sein eigenes Umfeld in Laase, einem Ortsteil von Neuenkirchen zu gestalten, ohne den Holzbildhauer Hans-Werner Kratzsch und seine Familie wäre er sicherlich kein Künstler geworden. Als dieser mit ihm gemeinsam Nussknacker nach erzgebirgischem Vorbild für das Weihnachtsgeschäft baute, erkannte er sein Talent und förderte ihn.
Ideen für die ersten Meerjungfrauen, exotischen Tiere und Märchenfiguren kamen von ihm. Er sorgte dafür, dass es die richtigen Menschen zu sehen bekamen. Schon bald produzierte Mewius auf Wunsch und nach Liste. Verlassen konnte man sich nie auf einen angekündigten Zeitpunkt – denn immer wieder schoben sich dunkle Tage dazwischen.
Dann schloss der Holzbildhauer sich in seine Kammer ein und versank mit Pfefferminzlikör in der Welt seiner Nachtmahre. Laut hörte man ihn schreien, wenn er betrunken war, manche versuchten ihm zu helfen, doch am Ende konnte man nur abwarten, bis die Phase sich in Luft auflöste und der gut gelaunte Mewius mit großer Klappe und viel Charme wieder in seinem Holzschuppen vorm Haus Hof hielt.

Heinz Mewius verstarb am 6. Dezember 2000 in einem Pflegeheim in Göhren.

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