Vom Hafen Sellin aus können Wassersportler die Boddenlandschaft entdecken | Foto: pocha.de

Vom Hafen Sellin aus Rügen entdecken

Wasserwanderrastplatz bietet Naturerlebnis und Bäderarchitektur

Als die Fahrgastschiffe „Julchen“ und „Sebastian“ 1991 vom Bollwerk aus über den Selliner See schippern wollten, mussten sie umkehren. Die Fahrrinne war einfach nicht tief genug. Immer wieder mussten auch auswärtige Segler freigeschleppt werden, die im Sand stecken geblieben waren. So konnte es nicht weiter gehen – schließlich war es schon einmal anders. Als die Fahrrinne 1921/22 ausgebaggert und das Bollwerk errichtet worden war, setzte ein reger Bäderverkehr nach Greifswald und nach Lauterbach ein. Später wurde Hering angelandet und Kohle verklappt. Doch in den späten DDR-Zeiten fehlte die Technik, darum verlandete die Fahrrinne. Und weil zur politischen Wende nicht ordentlich geklärt worden war, wer denn nun verantwortlich ist, blieb es vorerst wie es war.
Seit 2018 besitzt das Ostseebad Sellin jedoch endlich einen Hafen, mit 80 Liegeplätzen für Segler und Motorboote, sowie einer Anlegestelle für Fahrgastschiffe und einem Sanitärhäuschen. Insgesamt mussten rund 60.000 Kubikmeter Erde entfernt werden, um Fahrrinne und Hafenbecken zu schaffen. Nun fahren Boote mit bis zu 2 Metern Tiefgang über eine 20 Meter breite Fahrrinne in den Hafen. Das Hafenbecken ist durchschnittlich 150 Meter breit und 2,5 Meter tief. Ausreichend Platz zum Wenden ist ebenso vorhanden, wie eine 25 Meter lange Slipanlage. Feste Liegeplätze werden allerdings nicht vergeben, hier darf man höchsten für drei Wochen festmachen. Denn schließlich ist der Hafen ein Wasserwanderrastplatz – und der möchte immer Platz für durchreisende Wassersportler haben.
Das Ostseebad Sellin besitzt eine königliche Seebrücke in historischer Gestalt, auch die Wilhelmstraße mit ihrer Promenade unter Linden und den hübschen Häusern der Bäderarchitektur waren Grund genug, stolz zu sein. Aber das Hügelland! Der See! Die Having! All das gehört auch zu Sellin, wie die Schiffermütze auf den Kopf des Captains. Wer jetzt von der Seebrücke aus die Wilhelmstraße hinabläuft, plumpst nicht mehr einfach ins Wasser und bleibt da stecken. Jetzt gibt es die „Achse“, und die verknüpft quasi Queen Mum mit Captain Cook.
Wer nicht mit dem eigenen Boot nach Sellin fahren kann, der steigt einfach auf das Fahrgastschiff „MS Sellin“ der Weissen Flotte und fährt mit ihr „über’n See“ – nach Baabe oder Lauterbach. Zu den Veranstaltungen am Hafen Sellin genießen die Besucher auch den romantischen Sonnenuntergang.

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