Heute ist die Brunnenaue eine natürliche Idylle | Foto: rügen aktuell

Trinkkur und Assemblée in Sagard

Einst ungezwungener Kurort, ist die Brunnenaue heute ein Naturidyll

Wer die Ruhe sucht und in die Geschichte der Insel Rügen einsteigen möchte, der sollte sich abseits der üblichen Wege aufhalten und zum Beispiel nach Sagard fahren. Der hübsche kleine Ort wirkt, als wenn er in der Entwicklung vom Dorf zur Stadt mittendrin stehen geblieben wäre und in der Sommerhitze könnte sie auch die Kulisse für einen Western abgeben. Rüganer sagen, hier gibt es den einzigen „richtigen“ Italiener auf Rügen, ein gut sortiertes Geschäft für Wohnaccessoires und provenzalische Stoffe vermutet man hier ebenfalls nicht. Doch vor allem befindet sich hinter der Kirche ein Stück Bädergeschichte inmitten einer kleinen Naturidylle.
Schon bevor die Ostseebäder entstanden, gab es nämlich einen Badetourismus auf Rügen. Schon 1750 reisten Menschen nach Rügen, um gesund zu werden. Die Brunnenaue in Sagard war für ihr kohlensäurehaltiges Quellwasser berühmt und bewegte diese Menschen, eine Trinkkur auf Rügen zu absolvieren. Durch ein kleines Wäldchen schlängelt sich noch heute in Bach, dessen Wasser von den Mineralien Eisen und Kalk, die es enthält, eine besondere Färbung erhalten hat.
Pastor Heinrich Christoph Willich hat hier am 4. Juli 1795 die erste „Sagarder Brunnen-, Bade- und Vergnügungsanstalt“ eröffnet. Er ließ Quellen einfassen, ein Badehaus errichten und Wege und Plätze anlegen. Aus der Pfarrkoppel an der Sagarder Kirche wurde ein für damalige Zeiten moderner Landschaftspark. Außerdem befestigte er einen Weg von Sagard aus durch die Stubnitz zum Herthasee und weiter zu den Kreidefelsen. Dort wurde auch Kaffee serviert und 1801 entstand eine Holzhütte, um die Besucher noch besser versorgen zu können.
Vielleicht war es in der Brunnenaue nicht ganz so fein, wie anderswo – dafür der Natur nah und ungezwungen. Besonders Bürger, Beamte und der Landadel besuchte elf Jahre lang diesen Kurort. Jede Woche lud Pastor von Willich seine Kurgäste zur „Assemblée“, einer geselligen Versammlung, und zum Ball ein. Doch als Rügen von den napoleonischen Truppen besetzt wurde, war es aus mit der großartigen Entwicklung an diesem romantischen Ort. Außer Friedrich Schleiermacher und Henriette Herz, waren auch Heinrich von Kleist und Wilhelm von Humboldt in Sagard. 1818 versuchten die Sagarder den Kurort wiederzubeleben – doch sie musste sich der Konkurrenz zum neuen Kurort Putbus stellen und scheiterten. Die Brunnenaue verfiel.
2007 wurde ein Teil des Parks restauriert, ein antikisierender runder Pavillon mit Blick ins Land wurde errichtet. Gemeinsam mit der Kirche, der Grabstelle von Pastor Willich und der romantischen Idylle des Baches im lichten Wald, ist ein Ausflug in die Brunnenaue vor allem etwas für Geschichtsinteressierte mit Sinn für die Schönheit der Rügener Natur.

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