RÜGEN | VILM | HIDDENSEE

Zusammenprall zweier Welten in der Landschaftsmalerei dreier Inseln im Jahr 1908

Wenn man das um 1908 auf Hiddensee entstandene Trachtengemälde von Henni Lehmann (1865-1937) mit dem im selben Jahr geschaffenen Aktgemälde von Harold Bengen (1879-1962) vergleicht, dann lässt sich erahnen, welch unterschiedliche Welten unmittelbar nach der Jahrhundertwende mit der Ankunft der Maler und der Berliner Bohème auf dieser Insel aufeinanderprallten.

Die traditionelle Tracht auf Hiddensee mit der charakteristischen Haube erinnert an ein Nonnengewand und steht für eine Jahrhunderte alte repressive Moral. Wie die vielen Gemälde von Elisabeth Büchsel zeigen, trugen zwischen 1900 und 1918 unter den Einheimischen nicht nur die Alten, sondern auch noch die Jungen die traditionellen „Helgoländer Hauben“. In der gleichen Zeitspanne beginnen die Künstler und bald auch die Berliner Bohème, auf Hiddensee Urlaub zu machen und im Evakostüm in die Wellen zu springen. Der Dichter Gerhart Hauptmann berichtete über dieses Phänomen in seinem 1916 auf Hiddensee begonnenen Roman „Die Insel der großen Mutter“: „Ich hätte sie wohl nie geschrieben, hätte ich nicht jahrelang auf Hiddensee die vielen schönen, oft ganz nackten Frauenkörper gesehen und das Treiben dort beobachtet.“
Die im Sturm der Wellen badende Nackte von Harold Bengen hingegen ist ein Ausdruck dafür, sich von alten Moralvorstellungen zu befreien. Zwischen 1900 und 1914 entstanden auf Hiddensee zahlreiche Aktstudien von Künstlern. Eine besondere Bedeutung haben hierbei die Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde von Erich Heckel (1883-1970) und Otto Mueller (1874-1930), die zu den Mitgliedern der 1905 gegründeten Künstlergruppe „Brücke“ gehörten. Sie verfolgten einen radikalen Erneuerungsgedanken der bildenden Kunst, jenseits der Lehren der klassischen Kunstakademien, und verlagerten das Akt-Malen vom Atelier hinaus in die freie Natur. Sie lebten damit ihre Vision, ein freies, natürliches Leben in paradiesischer ursprünglicher Umgebung zu führen und suchten den Einklang von Mensch und Natur.

Anhand ausgewählter Künstler und ihrer repräsentativen Gemälde hat Reinhard Piechocki in seinem neuesten Kunstband erstmals die 200-jährige Malertradition der Inseln Rügen, Vilm und Hiddensee zusammengetragen. Der Autor geht dabei chronologisch vor und beschreibt die hiesige Landschaftsmalerei von der Frühromantik (1808) bis zur Klassischen Moderne (1929). Auf diese Weise lässt sich die Geschichte der Landschaftsmalerei in der Region, welche zu Ende des 19. Jahrhunderts europaweit den Ruf „Zurück zur Natur!“ auslöste, nahezu lückenlos rekonstruieren. Neben der Einzigartigkeit der drei Inseln werden ebenfalls der fundamentale Wandel im Naturverständnis und die wirkungsmächtigen Naturmythen der Neuzeit anschaulich beschrieben.
Das Buch „Die Malerinseln Rügen, Vilm, Hiddensee. Von Friedrich bis Feininger“ (ISBN 978-3-9813568-4-7) mit 168 Seiten und über 100 Abbildungen im Format 23 x 21 Zentimeter ist als Hardcover für 29,90 sowie als Softcover für 24,90 Euro erhältlich.

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