St. Jakobi wird auch bald wieder ihre restaurierte Mehmel-Orgel beherbergen | Foto: Martin Kraft, CC BY-SA 3.0 via Wikimedia Commons

Kulturkirche St. Jakobi

Großartiger Stralsunder Veranstaltungsort mit anspruchsvollem Kulturprogramm

Die Stralsunder St. Jakobikirche ist kein Gotteshaus im ursprünglichen Sinne mehr. Als Stadt- und Kulturkirche für anspruchsvolle Veranstaltungen erwarten Künstler, Stralsunder und Gäste hier sinnliche Erlebnisse mit einer einmaligen Raumerfahrung.

Anlass, einmal in die Historie des Baus in der Jacobiturmstraße zu blicken. Ihre erste schriftliche Erwähnung erhielt St. Jakobi im Jahr 1303. Etwa achtzig Jahre hat die grundlegende Erbauung wohl in Anspruch genommen, wobei es jedoch bereits ab 1321 nachweislich kirchlichen Dienst gab. Im Laufe des 15. Jahrhunderts wurden weitere Kapellen errichtet, der Turm umgebaut. Danach zerstörten Unwetter, Feuer und Kriege (1662,1678,1711) immer wieder kleinere und größere Teile der Kirche, sodass Reparaturen die nächsten Jahrhunderte bestimmten. Ihre größte Beschädigung erlitt die Kirche 1944 durch eine Bombe, deren Einschlag ihre Plünderung in der Nachkriegszeit nach sich zog. Turm, fast alle Gewölbe und große Teile des Daches, Fenster und Portale waren nahezu vollständig zerstört. Die Orgelpfeifen der Mehmel-Orgel funktionierte man als Dachrinnen der Nikolaikirche um, das Gestühl wurde verheizt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde St. Jakobi letztmalig kirchlich genutzt, gleichzeitig begann ihr Wiederaufbau. Daraufhin diente sie als Archiv und für die Unterbringung von Kunstgut, ab den 1980er-Jahren bis 1994 sogar als Baustofflager.
Seit 2003 wird St. Jakobi im Auftrag der Stiftung durch das Kreisdiakonische Werk Stralsund e.V. betrieben. In den Räumen verbindet sich heute spannende Kulturarbeit mit integrativer Sozialarbeit. Sie sind ebenso privat oder von Firmen mietbar. Der Gustav-Adolf-Saal, ehemals Notkirche, ist überdies zur Studiobühne umgebaut worden. Diese und die Kirche werden in Zusammenarbeit mit vielen ehrenamtlichen Stralsunder Vereinen für vielfältige kulturelle Aktivitäten genutzt. Beispielsweise hat das GeistigBehindertenTheater DIE ECKIGEN hier seine künstlerische Heimat gefunden und der Filmclub BLENDWERK e.V. macht anspruchsvolles Weltkino abseits des Mainstreams zugänglich. Regelmäßig stattfindende Theateraufführungen, Konzerte, Ausstellungen, Märkte und Messen haben die Kulturkirche dabei kontinuierlich zu einem regionalen Anziehungspunkt mit besonderen Erlebnissen für alle Besucher entwickelt.

Im Zuge der umfassenden Sanierung der Kirche ab 1991 in allen äußeren und inneren Bereichen, wurde im letzten Jahr mit der Wiederherstellung der Mehmel-Orgel von 1877 begonnen, welche im Jahr 2020 abgeschlossen sein soll. Diese wurde nach 1945 weitgehend ausgeplündert, die komplette Balganlage sowie der untere Teil ihrer neugebauten Rückwand fielen zudem dem Einbau des Gustav-Adolf-Saales zum Opfer. Mutwillige Zerstörung, Anobienbefall des Holzes, Feuchtigkeit und Schmutz taten bis in die jüngste Vergangenheit ihr Übriges. Weitgehend erhalten geblieben sind hingegen Gehäuseschnitzereien von 1741 und 1783, welche 1943 ausgelagert worden waren.
Nun wird das 1877 stark veränderte und statisch geschwächte barocke Orgelgehäuse von 1741 in der originalen Dimension wiederhergestellt und die Rückwand rekonstruiert. Nach historischer Handwerkstechnik entsteht ein neues Instrument im Stil des 18. Jahrhunderts. In Größenordnung, technischem Aufbau und Klanggestalt bezieht es sich auf seine Vorgängerinstrumente von Richter (1741) und Marx (1783) und bildet mit dem restaurierten barocken Gehäuse eine handwerkliche und künstlerische Einheit. In das Orgelwerk integriert man Richters Pedalwindladen von 1741 und etwa 50 restaurierte, große Holzpfeifen Mehmels von 1877. So spannt das mittlerweile vierte Instrument im Gehäuse von 1741 einen Bogen über die mehr als 250 Jahre seiner bewegten Geschichte.

Weitere Informationen:
Telefon 03831 / 30 96 96, www.jacobi-stralsund.de

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