Das Restaurant mit großem Saal sowie reichhaltiges Gartenmobiliar in der Freiluftsaison des ehemaligen „Bürgergartens“ | Abbildung: STRALSUND MUSEUM

Stralsunder Vergnügungsgärten

Kaffee- und Gartenlokale des 19. Jahrhunderts – historische Orte des Genusses

Schöne Ausflugsorte in der Umgebung der Hansestadt Stralsund, etwa das Hainholz oder die Insel Dänholm mit ihren Gastwirtschaften, waren bei den Stadtbewohnern schon seit dem 16. Jahrhundert beliebt. Nach der Stadtzerstörung durch die Franzosen 1807 erfand sich das gesellige Leben neu: Die Emanzipation der Bürger zeigte sich in sehr aktiver Vereinsarbeit sowie dem Aufkommen von Wirts- und Vergnügungsgärten. Stralsund besaß viele dieser Kaffee- und Gartenlokale für alle gesellschaftlichen Schichten.

Der Männerverein Casino-Gesellschaft der Ressource, welcher aus angesehenen Vertretern der Wirtschaft, Kultur und Politik bestand, erwarb 1822 den eigenen „Casinogarten“ nahe der Altstadt am Knieperteich. Dieser Gartens war bereits im englischen Stil angelegt. Gartenhaus, Herrenzelt, Damenpavillon mit offenen Veranden sowie eine Kegelbahn ermöglichten vergnügliche Gesellschaften: Konzerte, Bälle, Tanzvergnügen, Maskenbälle, Kegeln, Billardspielen, Lesen, Schachspielen, Bootfahren und Weinabende. Heute befindet sich hier wieder der „Bürgergarten“ mit Gastronomie, Karussell, Hüpfburg und Bootsausleih.
Im Jahr 1850 erwarb die Bürger-Ressource-Gesellschaft, eine Vereinigung zur Pflege geselligen Lebens aus höheren Kreisen und dem Stralsunder Mittelstand, ein Obstgarten-Grundstück in der Kniepervorstadt und errichtete dort ein Gartenlokal. Die repräsentative Parkanlage „Bürgergarten“ zierten prachtvolle Blumenbeete, Springbrunnen und Statuen, exotische Solitärpflanzen und großzügige Rasenflächen, außerdem ein Musikpavillon, eiserne Lauben, Damenveranda sowie Kinderveranda mit Spielplatz. Auch Kegelbahn, Spielsaal und Lesezimmer waren vorhanden. 1998 überbaute man große Teile des Gartens mit dem Seniorenhaus „Brunnenaue“; das Anwesen ist unlängst abgerissen worden.
Bereits 1831 wurden erste Schanklizenzen in der Kniepervorstadt vergeben. Überaus beliebt war das 1878 als Schankwirtschaft „Sibirien“ gegründete, später als „Rühes Konzerthaus“ bekannte Ausflugslokal an der heutigen Sundpromenade. Nahe des Strands wurden Platzkonzerte, Gartenfeste, Tanzabende und Feuerwerksvorführungen veranstaltet. 1992 erfolgte der Abriss auch dieses Gebäudes.
Jahrhundertelang nutzte man auch größere Baumgärten innerhalb der Stadtmauer, wie beispielsweise den Bereich des ehemaligen „Volksgartens“ am Katharinenberg. Ab 1865 entstand eine Brauerei mit Gastronomie, Saal und Musikpavillon und verwandelte ihn in ein Gartenlokal. Die gesamte Anlage zählte in der späten Biedermeierzeit sogar zu den bedeutendsten innerstädtischen Bier- und Kaffeegärten im gesamten Ostseeraum.
Ende des 19. Jahrhunderts richtete der namengebende Rentier „Heinzelmanns Garten“, einen mit Pavillon und Veranda ausgestatteten Bier- und Konzertgarten am Mönchenhof, heute Carl-Heydemann-Ring, ein. Dieses Vergnügungslokal erstreckte sich bis zum Moorteich und war besonders bei Angestellten und mittleren Beamten beliebt. „Meinkes Garten“, ein Lokal mit großem Saal, Gartenlauben und Kinderspielplatz, lag an der Greifswalder Chaussee.
In der Frankenvorstadt gab es den „Zentralpark“, welcher sich zwischen der heutigen Karl-Marx-Straße und dem Friedrich-Ludwig-Jahn-Stadion gegenüber der Schützenbastion befand. Bevor der Weidendamm aufgeschüttet wurde, war das dortige Gartenlokal bis 1919 sogar nur per Ruderboot erreichbar. Auch zur geschätzten Ausflugsgaststätte „Martins Garten“ mit Konzerten und Tanz gelangte man nur mit einer Fähre, von der Küterbastion aus, da die Weißen Brücken erst ab 1920 existierten.

Das gesellschaftliche Leben existiert an den meisten dieser historischen Orte des Genusses längst nicht mehr, jedoch kann man sie oft noch aufgrund großer alter Bäume erahnen. Die Stralsunder Akademie für Garten- und Landschaftskultur bietet eine Fahrrad-Führung zum Thema an. Zusammen mit der Gartenhistorikerin Dr. Angela Pfennig kann man sich am 18. August 2018 ab 10 Uhr vom Treffpunkt Knieperdamm 5 aus auf Spurensuche zu den ehemaligen Stralsunder Bürgergärten begeben.

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