Karl Fröhlich, Marktszene mit Korb- und Besenverkäufer, Scherenschnitt, ohne Jahr | Abbildung: STRALSUND MUSEUM

Kultur im STRALSUND MUSEUM

Bilder voller Poesie – Stralsunder Kunst des 19. Jahrhunderts im Katharinenkloster

Gleich sieben Künstler/-innen, die alle mit Stralsund verbunden sind, präsentiert das STRALSUND MUSEUM in diesem Jahr in einer großen Sonderausstellung vom 5. Mai bis zum 7. Oktober. Eröffnet wird sie am 4. Mai um 18 Uhr im Katharinenkloster.
Die einzige Frau der Runde ist Antonie Biel. Sie machte sich bereits zu Lebzeiten in der damals von Männern dominierten Kunstszene einen Namen. 1830 geboren, erkannten die Eltern ihre Begabung fürs Malen früh und förderten diese. Später wurde Antonie Atelierschülerin bei Wilhelm Schirmer, ihre eigentliche “Kunsttaufe” erhielt sie nach eigener Aussage jedoch erst in Paris. Ihre letzten 20 Lebensjahre zählen zugleich als ihre schöpferischste und produktivste Zeit. Biel erschuf eine Vielzahl von Küstenlandschaften und Marinen, bevor sie 1880 in ihrer Wahlheimat Berlin starb.
Zwar nicht in Stralsund geboren, aber in der Stadt zu Hause war Johann Wilhelm Brüggemann. Der gebürtige Göttinger (1786-1866) begann 1807 in der Stralsunder Töchter-Erziehungsanstalt als Zeichenlehrer. Zuvor hatte er an der Kurfürstlichen Akademie der bildenden Künste in Kassel eine Ausbildung zum Landschaftsmaler absolviert. Brüggemann genoss in seiner Wahlheimat nicht nur eine große Popularität, sondern auch hohes Ansehen. Von seinen vier Kindern verschrieben sich seine Söhne Siegfried und Hermann gleichfalls der Bildenden Kunst und wurden Landschaftsmaler. Die Ausstellung vereint Sohn Hermann Brüggemann mit dem Vater. Geboren wurde ersterer 1822 in Stralsund. Seine Ausbildung zum Landschaftsmaler erwarb er 1845/46 mit einem Studium an der Akademie in Kopenhagen. Er war 74 Jahre alt, als er in Friedenau starb.
Ebenfalls gebürtiger Stralsunder war Johann Wilhelm Brücke (1800-1874). Nach der Schulzeit wurde Brücke an der Kunstakademie zu Berlin immatrikulierte. Hier blieb er als freischaffender Maler, nachdem ihn zuvor Studien nach Italien geführt hatten. In dieser Zeit schilderte er in seinen Bildern sowohl die römische Architektur als auch die Landschaft und die Menschen. Als besonders gelungen gelten seine wirklichkeitsgetreuen Ansichten (Veduten). Brücke fand als Architektur- und Landschaftsmaler schon sehr früh einen eigenen Stil; seine Gemälde zeichnen sich optisch durch ihr ins Rötliche gehende Kolorit aus.
Gustav Simon Ludwig Wagner wurde am 25. August 1799 in Stralsund geboren und studierte Kunst in Dresden. Doch scheinbar hatte er kein einfaches Leben, obwohl seine Arbeiten qualitätvoll waren und sein realistischer Stil den Nerv der damaligen Kunstauffassung traf. Er verstarb mit gerade einmal 30 Jahren an einem Lungenleiden.
Auch der Stralsunder Dichter und Silhouettenschneider Karl Fröhlich (1821-1898) bereichert die Ausstellung. Er wurde mit seinen Scherenschnitten für die deutsche Kinder- und Jugendliteratur bekannt. Der gelernte Schriftsetzer folgte der Scherenkünstler-Tradition des Schuhmachers Wilhelm Müller aus Düsseldorf. Was ursprünglich eine Freizeitbeschäftigung für ihn war, entwickelte sich bald zu seinem Haupterwerb und er begann, für Zeitungen und Verlage zu arbeiten. Zu seinen wohl besten Leistungen zählt „Das fröhliche ABC-Buch“.
Nicht zuletzt sind auch Bilder des in Stralsund geborenen Porträt- und Landschaftsmalers Albert Grell zu sehen. Er lebte von 1814 bis 1891 und war von 1865 bis 1879 Dozent an der Berliner Gewerbeakademie. Hier wurde er zum ordentlichen Professor an der Bau- und Kunstakademie zu Berlin ernannt, zugleich war er Vorsteher der dortigen Kunstsammlungen.
Bei einem Ausstellungsbesuch kann man sich einfangen lassen vom Charisma der Romantik. Denn nicht nur die Motivve, Farben und Stimmung der Bilder, sondern auch das Interieur der Räume und ihre Gestaltung spiegeln diese wider und versetzen den Gast in eine andere Zeit.

Weitere Informationen:
Museumskasse, Telefon 03831 / 25 36 18

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