Idylle im früheren Militärgebiet

Waldpark Semper bei Lietzow ist ein Kleinod der Rügener Kulturlandschaft

Wer den idyllischen Waldpark Semper besuchen möchte, muss derzeit wegen Straßenbauarbeiten über Karow anreisen. Doch der Ausflug lohnt sich, denn hier befindet sich ein Kleinod der Rügener Landschaft. Schon wer Lietzow erreicht, den Ort zwischen den Wassern ist begeistert. Hoch oben das privat genutzte Schloss, das Neuschwanstein nachempfunden wurde. Links der Große und rechts der Kleine Jasmunder Bodden, vielleicht noch ein Hechtanlger, der in Wathosen mitten im Wasser steht – das ist Rügen. Das Auto wird auf dem zentralen Parkplatz abgestellt und dann geht es los über die Uferpromenade, vorbei am Glas- und Stahlgebäude, das in den 1980er Jahren als Seemannsheim geplant und nie fertig gestellt wurde. Der Weg führt direkt hinein in den Park und zum Rundweg Lietzow – Waldpark Semper – Klifftreppe – Blockstrand – Lietzow.
Bis 1990 befand sich hier ein paramilitärisches Übungsgelände, doch von 2000 bis 2002 haben der Landschaftspflegeverband Ostrügen e. V. und der Verband INSULA RUGIA e. V. die Parkelemente freigelegt und saniert. Unvorbereitete Besucher staunen nicht nur über das Hochufer, die seltenen Pflanzen und die großartige Aussicht. Sie entdecken auch Kuriositäten, die zum einstigen Schloss gehörten. Die feldsteinverzierte Ruine eines Wasserturms greift neogotische Stilelemente auf, die besonders in England beliebt waren. Als Referenz an das Mittelalter erhielten auch damals „moderne“ Industriebauten eine romantische Erscheinung. Er war bis ca. 1953 in Funktion.
Die Krüppelbuchengruppe in der Nähe ist eine dendrologische Besonderheit. Sie ist keine Züchtung, sondern eine sehr seltene Mutation der „Fagus sylvatica var. suentelensis“. Diese Ergänzung weist darauf hin, dass diese Art natürlich nur im „Süntel“, einem Hochland auf Jurakalk nördlich von Hameln, vorkommt. Wegen ihres bizarren Wuchses werden diese im Volksmund auch Hexenbuchen genannt. Über eine Treppe kann man zum wildromantischen Blockstrand hinabsteigen. Auch die ehemaligen Tennisplätze sind durch die Sanierung wieder sichtbar geworden und die Kaskadenteiche wurden wieder hergestellt. Eine Holzbrücke führt zu einer kleinen Insel, auf der rund 100-jährige Eichen wachsen.

Weitere Informationen: http://lpv-ruegen.de

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