Die Chor-Ruine der St. Johanniskirche auf dem ehemaligen Klostergelände Richtung Strelasund betrachtet | Foto: Pressestelle der Hansestadt Stralsund − Stadtarchiv

St. Johanniskloster Stralsund

Eines der ältesten Bauwerke Norddeutschlands mit wechselvoller Geschichte

Im Norden der historischen Stralsunder Altstadt, seit 2002 zusammen mit Wismar UNESCO-Welterbe, befindet sich ein größerer, rund um zwei Höfe gruppierter, mittelalterlicher Baukomplex. Von einer offensichtlichen Kirche sind inmitten des Weltkulturerbe-Kerngebiets jedoch nur noch Reste erhalten, was bei Gästen oft Fragen aufwirft.
Die ursprünglich dreischiffige Backstein-Hallenkirche gehörte zum St. Johanniskloster der katholischen Franziskaner und stammt als eines der ältesten Bauwerke Norddeutschlands aus dem 13./14. Jahrhundert. Das Kloster wurde ab 1254 am Stadtrand, damals noch direkt am Ufer des Strelasunds, errichtet. Eventuell befand sich hier ein Seminar für bis zu 30 Ordensleute. Der Konvent gehörte zur sächsischen Ordensprovinz (Saxonia) und war seinerzeit eine der bedeutendsten Niederlassungen des Franziskaner-Ordens im Ostseeraum.
Stifter des Grundbesitzes waren der Rügensche Fürst Jaromar II. und die ebenfalls von der Insel Rügen stammenden Borante und Margarete von Putbus, Helmar und Arnold Schriver sowie die Familie von der Osten. Anfang des 14. Jahrhunderts war die aus Spenden finanzierte Errichtung des Klosters nahezu abgeschlossen. Architektonisch ist das Kloster danach über die Jahrhunderte gewachsen und bildet eine Mischung der verschiedenen Stilepochen Gotik, Barock und Klassizismus.
Aufgrund des „Stralsunder Kirchenbrechens“ von 1525, wobei das Kloster durch die Volksmassen erstürmt, seine Lebensmittelvorräte geplündert und viele Altäre, Bilder sowie das Klosterarchiv vollständig vernichtet wurden, liegen bis zur Reformation keinerlei historische Angaben vor. Es kam in den Besitz der Stadt und diese funktionierte es zum Armenhaus um. Ein Teil der Mönche floh, andere bekannten sich zum evangelischen Glauben und blieben. Auch die „Krankenstube der Schneidergesellen“ richtete man hier ein, welche bis 1895 der sozialen Versorgung der Gesellen des Schneiderhandwerks diente.
Durch Fahrlässigkeit brannten am Weihnachtsabend des Jahres 1624 die 77 Meter lange gotische Hallenkirche und das Dachgeschoss der Klausur nieder. Aus Geldmangel baute man sie nicht wieder auf. Erst zur Weihnacht 1651 weihte man die neue kleinere Johanniskirche, den ehemaligen Chorteil der alten Hallenkirche. Die südliche Mauer des schadhaften Kirchenschiffs trug man ab, versetzte diese um circa einen Meter zur heutigen Schillstraße hin und das Kirchenschiff, wurde mit einem 17-jochigen Kreuzgang versehen.
1825 eröffnete im Ostflügel eine Taubstummenanstalt für bis zu 30 Schüler, 1827 kam im Westflügel die „Kinderstube der Armenpflege“ für etwa 100 Kindern hinzu, die man betreute und unterrichtete. Das Kirchenschiff nutzte man bis 1850 als Begräbnisstätte, später als Abstellfläche für Pferde, Artilleriewagen, Feuerlöschgeräte und den Wollmarkt.
Während des Zweiten Weltkriegs am 6. Oktober 1944 wurden auch die kleine Johanniskirche und das Kirchenschiff erneut von den amerikanischen Bomben zerstört. Erst 1963 begann der Wiederaufbau des West-, dann des Ostflügels. Noch bis 1980 wohnten auf dem „Räucherboden“ alte Leute in vielen klein abgetrennten Wohnungen, danach nutzte das Stadtarchiv den Dachboden. Der „Helle Gang“, nördlich über dem Kreuzgang gelegen, wurde 1973 saniert, den Kapitelsaal nutzt man heute für Konzertveranstaltungen. 1986 waren die Restaurierungsarbeiten überwiegend, die an verschiedenen Orten gotische Freskomalereien freilegten, abgeschlossen.
Im Innenhof der Kirchenruine steht eine Nachbildung der Pietà von Ernst Barlach zur Mahnung an die Schrecken des Krieges und auf dem Klosterhof ist die Judenstele aufgestellt, welche an die nahezu vollständige Vertreibung und Vernichtung der Stralsunder Juden durch die Nationalsozialisten erinnert. Westlich des Klosters werden zahlreiche zweigeschossige Fachwerkhäuschen heute als Wohnraum genutzt.

Weitere Informationen:
http://www.stralsundtourismus.de/de/
eine-stadt-aus-backstein/kirchen-und-kloester/
st.-johanniskloster

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