Vereister Bodden Vereister Bodden ist gut – doch zum Eissegeln sollte kein Schnee liegen | Foto: Jens Frank

Auf drei Kufen über das Eis

Eissegeln ist nur etwas für Windfanatiker mit Geduld

Nur wer keine Angst vor Geschwindigkeit hat, steigt auf die Gefährte, die mit bis zu 120 Stundenkilometer über das Eis sausen. Nicht in jedem Jahr frieren die Boddengewässer auf Rügen zu – doch wenn es einmal klappt, dann kann man sie sehen oder vielmehr hören. Denn oft ist das Eis der Flachgewässer mehrfach getaut und wieder überfroren, bevor es die Segler trägt und die Kufen über die Fläche quietschen und poltern. Es ist ja nicht so wie bei der Selliner Eisbahn, wo in tagelanger Arbeit dafür gesorgt wird, dass die Fläche spiegelglatt ist. Hier arbeitet die Natur für die wenigen Fans dieser Sportart. Die meisten von ihnen sind so begeistert, dass sie zur Not dem Eis hinterherfahren – und dann schon mal mit dem Wohnmobil in Schweden landen.
Je flacher das Gewässer, umso größer die Chance, dass es zufriert. Frühestens Mitte Dezember kann man damit rechnen, dass die seichten Bodden eine Eisschicht aufbauen. Bis zu 12 cm stark sollte sie schon sein, sonst ist es auch diesen Draufgängern des Segelsports zu gefährlich. Und Schnee darf auch nicht darauf liegen, denn dieser bremst den Höllenritt. Natürlich gibt es auch Regeln und einen Segelschein für das Eissegeln, doch häufig sind es leicht verrückte Individualisten, die keine Lust haben, sich reglementieren zu lassen. Man sollte auf jeden Fall wissen, wie man rechtzeitig ausweicht, einen Helm tragen und für den Notfall einen Eispickel und zwei Hölzer mit spitzen Metallenden mitführen. Denn damit kann man sich aus dem Wasser ziehen, sollte das Eis einmal brechen.
In Schweden und in den Niederlanden wurde bereits im 17. Jahrhundert über das Eis gesegelt. Und es waren auch holländische Einwanderer, die das Eissegeln in die Vereinigten Staaten brachten. War es ursprünglich nur ein Transportmittel, wurde es in USA bald zu einem Wettkampfsport. 1865 entstand am Hudson River der erste Eissegelclub der Welt, und 1881 fand die erste Weltmeisterschaft, ebenfalls in den USA, statt.
Es gibt im Eissegeln, wie im Segelsport allgemein, verschiedenste Bootstypen und -klassen, die sich in ihrer Bauform und Größe teils deutlich unterscheiden. Der bekannteste und verbreitetste Eissegel-Schlitten ist der in den 1930er Jahren entwickelte DN-Schlitten. Er ist das Ergebnis eines Konstruktionswettbewerbes, den die amerikanische Zeitung „Detroit News“ ausgelobt hatte. Ziel war es, einen leichten und preiswerten Schlitten zu entwickeln. Das Ergebnis wurde nach der Zeitung DN-Yacht genannt. Die bis heute international populärste Klasse besitzt eine Länge von 3,60 Zentimeter, der Mast ist 4,70 Meter lang und die Planke 2,40 Zentimeter breit. Bei einem Rumpfgewicht von 21 Kilogramm ist das Segel 6,50 Quadratmeter groß. Segler dieser Art können im Durchschnitt 100 Stundenkilometer schnell sein – doch der Weltrekord liegt bei rund 230 Kilometer in der Stunde.

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