Strahl-Maritim-Werft
Ehemalige Strahl-Maritim Werft und wie jetzt weiter?
Verliebt in den Charme einer schlafenden Schiffswerft unmittelbar vor den Toren Rügens

Charmant-verwitterte Ecken wie diese gibt es heute immer noch in Stralsund. Nur Sanierer mit umsichtiger Hand sollten sich ihrer annehmen um nicht am Ende eine viellerorts beliebig austauschbare Nutzfläche ohne eigenes Gepräge zu hinterlassen

Schläft den Schlaf der Gerechten, die in die Jahre gekommene Strahl-Maritim Werft in Stralsund gleich
neben Pylon und Ziegelgrabenbrücke Fotos: Jens Frank
Rost frisst sich durch die langen, kräftigen Stahlseile, Gerüste und Hebewerke. Grasbüschel quetschen sich erfolgreich durch verwitterten, aufgeplatzten Beton. Kaum erblicken sie das Sonnenlicht, staunen sie über den riesigen Pylon, der gleich neben ihrer alten gut bekannten Werft aus dem Wasser ragt, dahinter halb verdeckt die Ziegelgrabenbrücke. Still ist es geworden in den letzten Jahren, nichts mehr zu hören vom einst hektischen und oft sehr lauten Treiben auf der ehemaligen Strahl-Maritim Schiffswerft in Stralsund. Große Pötte zogen die Arbeiter mit ihren gewaltigen Hebewerken an Land, schliffen, bohrten, schweißten, polierten und lackierten die dicken alten Schiffsbäuche, reparierten, operierten ihre „Innereien“ und schickten sie dann so schnell wie möglich wieder auf die nächste große Fahrt. Denn was konnte man alles sehen und erleben in fernen fremden Häfen. Und nicht zu vergessen, man verdiente auf den langen Reisen auch nicht schlecht. Nun wartet die Werft selbst seit knapp vier Jahren vor sich hin Dämmerns auf eine Generalreparatur oder gar auf eine neue Nutzung? Berichteten wir im Herbst davon, was die neue Stadt Ruyan mitten in Sibirien mit unserer Insel Rügen zu tun hat, haben wir uns in diesem Winter in Tel Aviv umgeschaut und entdeckten, was man dort so alles aus alten Hafenanlagen machen kann. So setzte man den alten Gebäuden, denen man trotz Sanierung ihren alten Industriecharakter nicht einfach wegoperiert hat, um sie geglättet und ihrer selbst entfremdet in Szene zu setzen, eine Promenade vor die Nase, die selbst sich nicht festlegt, ob sie Wellenwogen oder Decksplanken imaginieren will. Vielleicht täte Stralsund vor den Toren Rügens mit seinen abwechslungsreichen Touristenmagneten in der Altstadt und seinem stolzen Ozeaneum am Hafen auch eine Promenade, ganz allein zum Flanieren ganz gut. Nur sollte sie, wie fern am Mittelmeer, diesem Ort und einer Stadt wie Stralsund nicht nur Einzigartigkeit verleiht sondern vor allem auch bewahren. Ebenfalls schon viele Tage vergessen, gab es an der alten Werft bereits Versuche durch Initialzündung Kunst und Kreative anzulocken.
In Tel Aviv jedenfalls finden sich auf dem dezent sanierten Hafengelände angesagte Bars, Galerien und Ateliers einer quirligen jungen Szene. Schade wäre nur, würden schaffenswütige Hände eines Tages alles dem Erdboden gleich machen oder mit ordentlich gesetzten Rasenkantensteinen, biederen Blumenrabatten den unvergleichlich maroden Charme tot sanieren. Allein die vielen Gebäude in den unterschiedlichsten Bauformen böten einem beweglichen Geist und geschulten Auge sicher unendlich viele Ideen jenseits von Abriss und dem Neubau steriler überall gleich aussehender Industriehallen.
Eine wogende Fläche aus Holzplanken zwischen Mittelmeer und alten Hafenhallen - was Israelis aus ihren alten Hafenanlagen in Tel Aviv gemacht haben, davon konnten sich die Autoren dieses Beitrags vor Ort ein Bild und Gedanken machen und haben es für die rügen aktuell-LeserInnen ins Verhältnis gesetzt.
Gehe nicht, wohin der Weg führen mag,
sondern dorthin, wo kein Weg ist, und hinterlasse eine Spur.
Jean Paul
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