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Ausflugstipp: Putbus
Die von Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus letzte planmäßig erbaute Residenzstadt und Modellstadt des Späten Klassizismus präsentiert sich als ein "italienischer Traum" mit Stuck, Säulen und Rosen. Zentrum ist der Circus, ein kreisrunder Platz mit einem 19 Meter hohen Obelisken im Zentrum um den sich 15 klassizistische Häuser gruppieren. Die weiße Stadt im grünen Herzen Rügens ist die Kulturhauptstadt der Insel

Schwäne

 

Schwäne - Eine Erzählung aus der Sammlung Negür

Der Jugend erinnert und erdacht in stillen Stunden von
Harald Gehrke

 

Es schneit. Dicke weiße Flocken legen sich auf die eisige Kälte der letzten Tage. Jakob steht am Fenster. Er schaut auf den Hof. Dort ist das Kopfsteinpflaster schon bedeckt und der Weg zum Garten nicht mehr zu erkennen.
„... Mattes steh auf! ...“ Jakob hat sich vom Fenster abgewandt und versucht, seinen kleineren Bruder zu wecken. Doch er muss noch zweimal rufen, bevor Mattes die Augen öffnet und erstaunt fragt: „Was ist denn los?“
„Ich denke, wir wollen zum Bodden? Hat Onkel Hayden denn nicht erzählt, dass auch in diesem Jahr wieder Gänse und Schwäne einfrieren werden? Vielleicht können wir am Strom das Wasser ja offen halten.“
Die Kirchturmglocken läuten gerade, als die Kinder das Haus verlassen. Sicher schlafen die Eltern noch. Leise schließen die Kinder die Tür. Auf den Feldern scheint es, noch stärker zu schneien. Der Wind treibt die Flocken mit eisigem Atem den Kindern entgegen. Sie sind erst wenige Meter gelaufen und dennoch ist das Dorf, ist die Kirchturmspitze schon seit einer Weile im Grauweiß des Schneetreibens verschwunden. Plötzlich scheinen die Senken der Felder tiefer und die Bäume höher. Es wirkt auf einmal alles fremd. Mattes bleibt stehen. Er weint.
„... Mir ist kalt. Ich habe Angst und außerdem will ich nach Hause.“ Der große Bruder dreht sich ärgerlich um, greift nach Mattes Schal und brüllt: „Und die Schwäne!“ Auch er hat Angst. Wo ist der Bodden und wie finden sie nur nach Hause zurück?
Schweigend der Große und still weinend der Kleinere, laufen sie jetzt einfach unbeirrt geradeaus. Dann hat es aufgehört, zu schneien. Die beiden Jungs haben es nicht bemerkt. Hinter der nächsten Anhöhe tauchen mit einem Mal die Schlehenbüsche auf. „... Da! ...! Der Große wird schneller. „Da siehst Du ...“, und er zeigt erleichtert auf den Bodden hinter den Büschen. Mattes lächelt wieder.
Sie stehen an der Böschung und schauen auf die große gefrorene Fläche Wasser vor ihnen. Der Wind treibt nur noch in Böen Schnee über das Eis. Auf der anderen Seite der Bucht stehen einige Schwäne und fressen. Die beiden Jungen gehen auf das Eis. Vorsichtig überqueren sie die Bucht, um in die Nähe der Schwäne zu kommen. Irgendwer hat die großen, weißen Vögel gefüttert. Dann sehen die Kinder das Blut. Der Fuchs hat wohl einen der angefrorenen Schwäne in der Nacht geholt.
„... Mattes sieh nur“, sagt Jakob aufgeregt und zeigt auf die Spuren, die zu dem Eisloch führen. Die Spuren aber gehen an dem Loch vorbei. Der Räuber hat sich nicht getraut. Vielleicht hat jemand den Schwan getötet. Dann entdeckt er den blutigen Knüppel, der achtlos weggeworfen auf dem Eis liegt.
„Nein Jakob, bestimmt nicht, es war der Fuchs.“ Mattes ist sich sicher, aber auch er hat die Abdrücke von großen Stiefeln neben dem Eisloch erkannt. Jakob schüttelt wieder mit dem Kopf. Er weiß es besser. Hätte der Fuchs den Schwan gefressen, würden überall Federn verstreut auf dem Eis liegen. Auch kann der Fuchs kein Loch in das Eis schlagen.
„Komm! ...“, ruft der Junge und läuft in Richtung Ufer. „... Wir finden den, der das getan hat ...“ Beklommen folgt Mattes.
Jakob folgt den Fußstapfen im Schnee. Am Ufer sind sie dann deutlicher, zu erkennen. Es ist gut, dass so viel Schnee gefallen ist; gut, dass es aufgehört hat zu schneien. So kann auch der Wind die Spuren nicht gleich verwischen. Sie führen über das Feld direkt zum Dorf.
Die Nachmittagssonne scheint nun durch die Wolkendecke und der Schnee wird blendend weiß.
„... Dort! ...“ Der Kleine hat neben den Fußspuren eine Kuhle im Schnee entdeckt. Hier hat der Mann gerastet. Er hat den Sack von den Schultern genommen und ihn abgesetzt.
„... Und wenn der Schwan noch lebt? ...“ fragt Mattes.
Jakob schüttelt den Kopf. „... Der Schwan ist tot.“
Dann laufen sie weiter den Spuren nach zum Dorf.
Im Schnee sind wieder rote Flecken. „... Los komm, wir finden den, der das getan hat ...“ Jakob greift suchend nach der Hand seines Bruders. Er zieht ihn hinter sich her. Die Spuren führen an der alten Feldsteinmauer vorbei ins Dorf. Dann an der knorrigen Weide gehen sie den Achtersteg entlang zu den schilfgedeckten Häusern. Nach wenigen Metern wissen sie, wohin der Mann gegangen ist.

Die Fußspuren führen auf ihren Hof. Sie sehen ihren Vater um die Hausecke kommen. Er hat seine Filzstiefel an und lächelnd ruft er nach seinen Jungs. „... Na ihr Stromer, wo wart ihr den heute früh? Eigentlich wollte ich euch mit an den Bodden nehmen ...“
Jakob und Mattes sind unglücklich. Ihr Papa hat den Schwan getötet.
„... Was ist los? Kommt, ich habe eine Überraschung für euch ...“
Die beiden Jungen wollen nicht. Der Vater hat an der Schulter, dort, wo er sich den Sack übergeworfen hatte, Blut.
„... Papa, lass man, wir haben ganz nasse Socken und uns ist kalt ...“ Sie versuchen schnell an dem Vater vorbei, in das Haus zu gelangen. Der Vater bleibt erstaunt auf dem Hof stehen und zündet sich umständlich seine Pfeife an.
„... Mama, Papa hat den Schwan am Strom getötet ...“ Die Mutter sieht ihren Sohn Mattes an und schaut dann zu Jakob. Auch dem Großen stehen Tränen in den Augen. „Ja Mama, die Spuren führen zu uns auf den Hof und Papa hat Blut an der Jacke ...“
Draußen scheint noch immer die Sonne. Langsam verschwindet sie im Geäst der alten Kastanien an der Kirche.
Als die Mutter der Jungs nachdenklich aus dem Fenster schaut, sieht sie ihren Mann mit einer Rolle Maschendraht gerade wieder im Stall verschwinden. Plötzlich versteht sie alles. Sie nimmt ihre Söhne an die Hand und läuft mit ihnen über den Hof bis an das Tor des Stalles. Hier schiebt sie die Beiden in das Halbdunkel. Dort hat der Vater angefangen, ein großes Gatter aus Holz und Maschendraht zu bauen. Er sitzt auf einem Strohballen und beobachtet den vor ihm liegenden erschöpften Schwan. Das eine Bein ist mit dicken Mullbinden umwickelt. Die Mutter lächelt, als sie sagt: „Er war eingefroren. Vielleicht wäre er verhungert oder aber der Fuchs hätte ihn geholt.“

 

Mit Dank an Harald Gehrke und "Rügen-Porzellan und Laden" in Garz für die Bereitstellung einer weiteren Geschichte aus der Sammlung Negür um bei Ihnen, geneigte Leserschaft vielleicht Kindheitserinnerungen zu wecken und Sie angenehm zu unterhalten.

Bei dringendem Fortsetzungsbedarf an Erzählungen aus der Feder des Autors wenden Sie sich an Ihren Antiquaren des Vertrauens in Garz.

 

 

 


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