Kleine Distel
Die kleine Welt der Blumen-Anke
Versteckte Oase der Kreativität, des Geschmacks und des soziales Austausches
Schepperndes Bimmeln beim Eintreten – als Antwort irgendwoher aus dem verwinkelten kleinen Laden eine Frauenstimme mit dunklem Timbre: "Jooho, komme gleich." Der Blick schweift auf der Suche nach der Stimme umher, vorüber an den mittelalterlichen Backsteinwänden an denen Bilder und Fotografie, Kränze und getrocknete Blumen hängen. Er fällt auf den Hausbaum, der umstellt von allerhand Karten und Keramik, Büchern und Gestecken die darüberliegende hölzerne Galerie stützt. Die Augen bleiben hängen an der Farbexplosion in der Blumenecke und erspähen dann plötzlich den braunen langen Haarschopf von Anke Schmidt, die gerade neue weihnachtliche Dekorationen drapiert – zierliche Duftsäckchen in Tannenbaumform - nahe dem Seifenregal drapiert. "Sind gerade fertig geworden, riech mal." Da bimmerlt die Glocke an der Tür ein weiteres Mal und ein Kunde tritt ein. "Na was darf es sein." Der Mann wirkt zaghaft. "Ein Blumenstrauß." Auf Anke Schmidts frage, was er sich denn vorstellt, reagiert er mit verhaltenem Schulterzucken und unsicherem Blick hin zu den orangen, roten und weißen Ranunkeln, den weißen, zartgrünen, zartvioletten, gelben oder kräftig roten Rosenköpfen, dem stolz aufragenden „Gärtnertod“, den keck in die Höhe ragenden Eukalyptustriebe mit ihren Blattringen. Dazwischen die kleinen gelben Köpfe der Kamilleblüten mit ihren weißen Blattkränzen und all die anderen zierlichen, stolzen, piksigen, romantischen, kleinen und großen Blüten und Blätter, dazu in dieser Jahreszeit davor, daneben und in allen Ecken des Ladens Tannengrün, dass darauf wartet zu Kränzen und weihnachtlichen Sträußen gebunden zu werden. Anke Schmidt errät, dass Blumen auszusuchen nicht so ganz die Sache des Mannes ist und tastet sich beratend an die Wünsche heran. Für sein Frau, zum Geburtstag, lieber Orange- und Rottöne als als rosé und lila und dann ein schon bekannter Satz. „Ach, machen Sie mal, ich vertrau das ganz ihrem Geschmack.“ Sie nickt und nimmt erleichtert den liebevoll, küstlerisch und gleichzeitig bodenständig gebundenen Strauß entgegen, dankt und gibt sich mit der näcshten Kundin die Klinke in die Hand. Eine ältere Dame, sie kommt einmal die Woche und weiß ganz genau was sie möchte. Jede Woche eine einzelne Rose, die nicht wqie ein Soldat stramm in der Vase steht, nein sie darf sih gern ein wenig dem Betrachter entgegenneigen.
Anke Schmidt und die ältere Dame tauschen noch einige Neuigkeiten und vertraute Worte und da klingelt auch schon das Telefon. Ein Bestellung für eine Theaterpremiere, einzelne Blüten mit etwas grün. Der Zettel mit den genauen Bestellwünschen und dem Datum kommt an die Pinnwand zu der Bestelltung zur Hochzeit am Freitag, wo das junge Paar noch mal zur letzten Absprache vorbeikommt. Da hängt auch der Zettel mit dem Gesteck zur Beerdigung der Großmutter direkt neben der Kleinigkeit als Dank für die Mutter und den zehn Rosen zum Hochzeitstag. An Tagen wie diesen hat Anke Schmidt vielé Blumenwünsche zu erfüllen und auch die ersten Weihnachtsüberraschungen gehen über den Ladentisch – zierliche Keramik aus Gustow, Lindenblütenhonig aus Zeiten, Handgenähtes von der befreundeten Schneiderin aus der Badenstraße mit der besonderen Phantasienote und vieles mehr. Doch auch ruhigere Tage gibt es in dem kleinen Laden in dem mittelalterlichen Haus in der Schillstraße 18 gleich um die Ecke vom "Mädchenbrunnen". "Kleine Distel" hat sie ihn genannt, vor bereits über 10 Jahren. Mit Blumen hat sie begonnen, doch heute nimmt sie sich an ruhigen Tagen auch Filzarbeiten vor, aus den individuelle Sitzauflagen und Täschchen werden, näht aus alten Jacke, ganz ungewöhnliche Umhängetaschen, Macht aus Edelstahldraht Bernstein und Silberkugeln Schmuckunikate und nie ruhen ihre Hände. Dafür kann aber Seele bei ihr im Laden ausruhen, bei einem guten Gespräch über das was so los ist in der Stadt, alte Hausmittelchen gegen dieses und jenes Wehwehchen oder handarbeits- und handwerkliche Dinge. Hier sind Laden und Mensch gleichermaßen beseelt.
Kleine Distel
Anke Schmidt
Schillstraße 18
18439 Stralsund
Tel. 03831 / 309641
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