Erlebte Geschichte in Altenkirchen
Rügens älteste Pfarrkirche erzählt von heidnischer
und christlicher Historie
Wer etwas mehr über den slawischen Stamm der Ranen und ihre Bekehrung zum christlichen Glauben erfahren möchte, der kann zum Kap Arkona fahren. Denn dort erstürmten die Dänen 1168 das Heiligtum des Stammes, die Tempelburg, und rissen das Standbild des viergesichtigen Heiligen Svantevit nieder. Doch während die Spuren dieser Eroberung am Kap nur noch in den Resten des historischen Burgwalls sichtbar sind, erlaubt die Kirche in Altenkirchen, nur sieben Kilometer entfernt, eine visuelle Reise durch die Zeiten. Zudem ist sie unstrittig die älteste Kirche der Insel Rügen.

In Altenkirchen steht die älteste Kirche Rügens Foto: Dieter Lindemann
Sie liegt besonders idyllisch und erlangte in der Romantik durch die Aktivitäten des Pfarrers Kosegarten auch überregionale Bedeutung. Tezlaw hieß der Bruder des letzten slawischen Rügenfürsten Jaromar I. Und zu seinen Ehren wurde vermutlich auch die Kirche in Altenkirchen erbaut. Bevor er 1168 zugunsten seines Bruders in den Hintergrund trat, war Tezlaw der „König“. In der südlichen Eingangshalle der Kirche sieht man einen Granitfindling, der das Relief eines Mannes zeigt. Vermutlich ist dies der Begräbnisstein des ehemaligen Fürsten. Auf diese Weise und unter dem Vorwand praktischer Überlegungen konnte ein heidnisches Element in den christlichen Zusammenhang überführt werden: Nur wenige Jahrzehnte nachdem Jaromar I. sich den Dänen unterworfen hatte, wurde 1185 auf einem alten Begräbnishügel die Backsteinkirche mit ihrer dreischiffigen Basilika erbaut. Euphrat, Tigris, Gihon und Pischon heißen die vier Paradiesströme bei Moses – sie zieren als Köpfe den Taufstein, der schon 1215 aus Gotländer Sandstein hergestellt wurde. Auf der Mensaplatte des Altars kann man noch heute das Weihekreuz des dänischen Bischofs Absolons erkennen, der damals wirkte. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges war der Dachstuhl im Westen der Kirche zusammengebrochen. Daraufhin wurde 1670 der freistehende Glockenturm errichtet. Sechzehn Jahre lang, von 1792 bis 1808, wirkte dann Gotthard Ludwig Kosegarten als Probst in Altenkirchen. Er hielt bei Vitte Uferpredigten für die Fischer, die dort ihren Hering anlandeten, und ließ die kleine Kapelle erbauen, die noch heute zu sehen ist. In seinem Pfarrhaus waren zahlreiche Persönlichkeiten zu Gast, die heute zu den wichtigen Denkern und Künstlern der Romantik gehören. Doch auch Kosegarten schrieb hymnische Oden an die mystische Landschaft der Insel Rügen und machte sie bei Schöngeistern in ganz Deutschland bekannt. Seine „Briefe eines Schiffbrüchigen“ sind erstmals 1794 erschienen und heute wieder erhältlich. Außerdem übersetzte er englische und schottische Gedichte des 18. Jahrhunderts.
Als offene Kirche ist die Pfarrkirche Altenkirchen täglich zur stillen Andacht und Besichtigung geöffnet. Weitere Informationen im Pfarramt unter Telefon 038391 / 3 66 und im Internet: www.kirche-altenkirchen.de
Ausflug zur St. Marienkirche in Waase
Westrügener Insel Ummanz beherbergt ein Meisterwerk
der gotischen Schnitzkunst

Unterwegs auf Ummanz sollte man die Kirche in Waase besuchen
Mit rund 20 Quadratkilometern ist die Insel Ummanz gar nicht so klein, wie man immer denkt – sie ist immerhin die viertgrößte Insel Mecklenburg-Vorpommerns. Während sich im Hochsommer die meisten Besucher an den Stränden der Ostseeküste aufhalten, entdecken immer mehr Individualreisende das Rügener Hinterland und die wunderschöne Landschaft Nordwestrügen. Auch hier gibt es wie auf Mönchgut hügelige Boddenlandschaft, die sich wunderbar für Ausflüge mit dem Rad oder zum Wandern eignet. Doch wer nach Ummanz fährt, der erlebt das platte Land – das jedoch vor allem wegen der umgebenden Flachwasser ein Paradies für Vögel ist. Über eine zwar wenig attraktive Brücke fährt man auf die Insel, kann aber gleich zu Beginn eines der herausragenden Kunstdenkmale in Mecklenburg-Vorpommern besichtigen. Wo heute die St. Marienkirche Waase steht, hatten die Zisterzienser-Mönche schon 1291 eine Kapelle erbaut. Ihre heutige Gestalt erhielt die Backsteinkirche am Bodden 1440. Ihr Langhaus ist ein regionaltypischer Fachwerksbau aus dem 16. und 17. Jahrhundert. Das besondere jedoch, was Kunstkenner aus der ganzen Welt anzieht, ist ein geschnitzter Altar aus der Zeit der Hochgotik. Das Meisterwerk aus Eichenholz mit bemalten Klappflügeln wurde 1520 von einem unbekannten flämischen Meister in Antwerpen geschaffen. 1708 wurde es aus dem Stralsunder Heilgeist-Kloster in die Dorfkirche von Ummanz verbracht. Stralsunder Kaufleute hatten das Retabel ursprünglich für die Nikolaikirche erworben. Der Schnitzaltar zeigt die Leidensgeschichte Christi und Szenen aus dem Leben des Heiligen Thomas Beckett. Die Schnitzarbeit zeichnet sich durch einen besonderen Detailreichtum aus, aber auch der intensiv-emotionale und differenzierte Ausdruck der Figuren und Gesichter macht ihn zu einem Höhepunkt der gotischen Kunst. Außerdem sehenswert ist die Kanzel aus der Renaissancezeit, datiert 1572, und der frühgotische Backsteinchor. Neben der Entdeckerfreude an diesem ansonsten eher unspektakulären Ort kann man auf einer bequemen Tour die gesamte Insel umrunden. Dabei lohnt sich ein Abstecher in das Naturschutzgebiet Freesenort im Südwesten der Insel ebenso wie die Fahrt über den Weg am Deich im Norden. Von dort aus hat man einen guten Blick auf die Insel Hiddensee. Insgesamt ist der große Rundweg 25 Kilometer lang. Zurück an der Kirche, lädt direkt am Focker Strom eine Gaststätte mit frischem Bratfisch, Räucherwaren und Kuchen zu einer Rast in der Boddenluft ein.
In Deutschlands wasserreichster Landschaft
NaturErlebniszentrum Waren (Müritz) zeigt Ökosystem
rund um die Müritz in völlig neuer Dimension

Verkohltes Lärchenholz spielt eine besondere Rolle in der Müritzeum-Architektur
Foto: Müritzeum gGmbH
Das Warener Müritzeum, die Erlebnis-Ausstellung über und gleichzeitig Welcome Center für die Mecklenburgische Seenplatte – Land der tausend Seen, ist durch seine einmalige Form und Fassade ein Haus der Superlative. Die einzigartige, imposante Architektur, welche sich zum Teil sogar unter Wasser befindet, schafft in Verbindung mit der interessanten und vielfältigen Ausstellung ein wahres Erlebnis. Auf 2.000 Quadratmetern dreht sich alles rund um die Natur, Geschichte und vielen Facetten der wunderschönen Müritz-Region. In einer außerordentlichen Aquarienlandschaft, die mit 25 großen und kleinen Becken sowie einer einzigartig nachgebildeten Flusslandschaft ein besonderes Highlight bietet, steht hier, direkt am idyllischen Herrensee gelegen, Deutschlands größtes Süßwasseraquarium für heimische Fische im Mittelpunkt. Es misst 6 mal 6 Meter und reicht über zwei Etagen. 100.000 Liter Fassungsvermögen besitzt dieses einmalige Aquarienbecken, in dem sich ein Schwarm Maränen, bestehend aus ca. 500 Tieren, elegant im silbrigen Licht bewegt. Mehr als 40 weitere einheimische Fischarten sind zu bestaunen. Darüber hinaus können Besucher den Müritz-Nationalpark aus der Vogelperspektive entdecken, einem 1000-jährigen Baumriesen begegnen, dem Moor so manches Geheimnis entreißen. In einer außergewöhnlichen Multivisionsshow kann anhand uralter Exponate der Naturhistorischen Landessammlung in Kombination mit moderner Multivisionstechnik eine Reise von der Eiszeit bis zur Gegenwart unternommen werden. Ein Erlebnisgarten, Sonderausstellungen, die umfangreiche Bibliothek sowie vielfältige Veranstaltungen vervollständigen das Angebot. Wer sein Wissen durch Bücher vertiefen oder einheimische Naturprodukte kaufen möchte, wird im Shop das Richtige finden. Stärkung und Genuss garantiert überdies das Restaurant „Blaue Perle“.
Weitere Informationen:
MÜRITZEUM, Zur Steinmole 1, 17192 Waren (Müritz)
Telefon 03991 / 633 68-0, Fax 03991 / 633 68-10
info@Mueritzeum.de, www.Mueritzeum.de
Sonnige Gelassenheit über der Having
In jeder Hinsicht herausragend – das Ausflugsrestaurant Moritzburg bei Baabe
Zur Moritzburg gibt es keinen kurzen Weg – man erreicht das hoch über der Having liegende Ausflugsrestaurant vom Baaber Bollwerk aus mit der Fähre und über eine steile Treppe oder über einen Rad- und Wanderweg durch die idyllische Boddenlandschaft. Doch der Weg ist in diesem Fall ein unvergessliches Erlebnis. Er wird noch dazu mit einer tollen Aussicht und regionaler Küche in bester Qualität belohnt. Schon 1901 wurde die Moritzburg als Restauration für Sommerfrischler eröffnet. Zwischendurch diente sie auch Maleratelier, mit Mitbringseln ihres Vaters aus aller Welt schmückte Linda Förster bis 1977 ihr Restaurant. Heute führt die engagierte Rügener Gastronomiefamilie Schewe wieder das traditionsreiche Restaurant, das sie zwischenzeitlich verpachtet hatte.

Die Moritzburg ist einer der schönsten Aussichtspunkte Rügens
Dies ist wiederum eine Garantie dafür, dass neben der Aussicht über die Reddevitzer Landschaft auch die Speisen von erstklassiger Qualität sind. „Wir sorgen dafür, dass unsere regionalen Produkte auf dem kürzesten Weg zu den Gästen auf den Teller kommen“, so Harald Schewe. Frisch zubereitete Fisch- und Fleischgerichte findet der Gast den ganzen Tag lang auf der Karte, viele nach alten Seemannsrezepten zubereitet und stets unter Verwendung des Besten von Rügener Produzenten. Der Kuchen vom Blech ist selbstverständlich selbst gebacken, Kaffeespezialitäten und leckere Eisbecher erhöhen das Glücksgefühl. „Seit zwanzig Jahren schon, gehört mindestens ein Besuch der Moritzburg zu meinem jährlichen Ausflugsprogramm auf Rügen“, so ein Stammgast. Jeden Donnerstag ab 18 Uhr kann man zum Mönchguter Büffet die ganze Vielfalt der Rügener Küche erleben. Rügener Weidelamm und frisches Wildschwein vom Grill, aber auch frischer Fisch und andere Köstlichkeiten werden zu einem Preis von 15 Euro angeboten. Die Fähre zum Baaber Bollwerk fährt so lange, wie Gäste da sind, doch wer früh kommt, der findet auch einige wenige Parkplätze am Haus.
Ein besonders schönes Erlebnis ist eine Fahrt mit Kapitän Berthold auf dem Zeesboot „Schwat Johann“. Mit seinen dunkelroten Segeln segelt es in die Having in Richtung Insel Vilm und um 18 Uhr legt es pünktlich zum Büffet in der Moritzburg wieder an. Telefonische Anmeldung unter 038393 / 1 36 20.
Weitere Informationen:
Telefon 038303 / 9 58 84, www.moritzburg.de
Eine Wanderung zum Schwarzen See
Verzauberter Ort inmitten der Granitz ist märchenhaftes Ausflugsziel nahe Sellin
Der Sage nach war die knorrige Eiche am Ufer des Schwarzen Sees in der Granitz einst ein Prinz. Dieser hatte sich am Morgen zur Jagd in die Granitz verabschiedet. Als er zurückkehrte, war sein Schloss versunken – einzig ein letzter prächtiger Stuhl dümpelte auf dem Wasser herum. Anstatt den Stuhl als Zeichen der Gastfreundschaft zu retten, rettete er egoistisch nur seine reich verzierten Handschuhe, die darauf lagen und verlor so seinen gesamten Besitz. Manchmal des Nachts hören die Selliner Stimmen aus dem See schallen – das ist die Festgesellschaft im versunkenen Schloss, welche hier munter weiter feiert, während der Prinz – zu Eichenholz erstarrt – am Ufer wacht ...

Magisch liegt der Schwarze See in der Granitz Foto: Christiane Burwitz
Der See inmitten der Buchenwälder der Granitz erreicht auch aufgeklärte Besucher mit seinem eigenen magischen Reiz. Tiefschwarz und still liegt er vor dem Wanderer und das Wissen um die Sage erhöht die märchenhafte Atmosphäre. Der sagenhafte Schwarze See ist 25 Hektar groß und 15 Meter tief – ein kleiner Holzsteg führt auf den See, so dass man seine ganze Magie unmittelbar erleben kann. Von Sellin aus kann man eine idyllische Wanderung hierher machen. Dazu geht man den Weg zur evangelischen Kirche hinauf, an der Kurklinik vorbei und biegt an der nächsten Weggabelung rechts in Richtung Schwarzer See ab (gelber Wanderweg). Nach ca. 600 Metern kommt man an eine Kreuzung, an der man nach rechts abbiegt und der gelben Markierung folgt – nun ist es nicht mehr weit. Zurück auf dem Hauptweg kann man wieder in das Ostseebad Sellin zurückkehren – oder die Wanderung fortsetzen bis zum Jagdschloss Granitz. Von seinem Turm aus hat man eine wundervolle Sicht über die Insel Rügen. Auf dem Rückweg folgt man der roten Markierung Richtung Sellin bis auf die befestigte Forststraße. Nach der Schranke biegt man nach links in den Waldweg ein und geht den Hauptweg immer geradeaus.
Regelmäßig finden Sagen- und Mythenwanderungen zum Schwarzen See statt. Diese dauern circa drei Stunden, Treffpunkt ist die Kurverwaltung Sellin.
Weitere Informationen über geführte Wanderungen zum Schwarzen See bei der Kurverwaltung Ostseebad Sellin, Warmbadstraße 4, Telefon 038303 / 16 11 oder im Internet: www.ostseebad-sellin.de
Ein Ausflug zum Schmachter See
„Park der Sinne“ am Schmachter See in Binz ist Alternative zum Strandleben
Wer nur einen Schritt zur Seite tut und von der viel befahrenen Bahnhofstraße in Binz durch ein schmiedeeisernes Tor geht, der befindet sich in einem kleinen Paradies – dem Duftgarten, der im August seine volle Pracht entwickelt. Über eine geschwungene Holzbrücke erreicht man einen Parcours entlang des Schmachter Sees, der an verschiedenen Stationen vorbeiführt, welche dazu dienen, die Sinne anzuregen und die Wahrnehmung zu schulen. In einem frei drehbaren Prisma wandelt sich der waldgesäumte See hier zu einer gebogenen Traumlandschaft, die in den Farben des Regenbogens schillert, beim Drehen der Kurbel des „Strudelgeräts“ gerät man kurz ins Schwitzen, wird jedoch mit dem wunderschönen Spiraltanz eines Wasserstrudels belohnt. Radfahrer erobern spielerisch die verschiedenen Stationen zu Entfaltung der Sinne, Liebespaare schlendern über die kleine Seebrücke, auf sonnigen Bänken lauschen vereinzelte Damen dem Plätschern der Wasserspiele. Der „Park der Sinne“ am Schmachter See hat sich zu einem gern besuchten Refugium entwickelt. Dieser malerische Binnensee im Westen des Ostseebades Binz ist der letzte Rest einer Meeresbucht, die noch vor 5.000 Jahren hier bestand. Als sich die Nehrung Schmale Heide bildete, wurde aus der Bucht der Binnensee, den wir heute sehen.

Rosen, Lavendel und Salbei entfalten im Duftgarten ihre ganze Kraft
Hier kann man auf Bänken sitzend den Sonnenuntergang erleben oder über einen Rundweg wandern und dabei die Natur genießen. Am und im See leben viele verschiedene Tier- und Pflanzenarten, ganze vierzig davon werden auf der Roten Liste der gefährdeten Arten geführt. Wer sich behutsam bewegt, kann die Rohrdommel oder den Drosselrohrsänger hören oder Graugänse und Gänsesäger beobachten. Auch der Seeadler zieht hier manchmal seine majestätischen Kreise. An den Hängen des Schmachter Sees wachsen Buchen, zu deren Füßen sich oft kleine Sickerquellen befinden.
Weitere Informationen:
Kurverwaltung Ostseebad Binz, Heinrich-Heine-Straße 7
Telefon 038393 / 148 148, www.ostseebad-binz.de
Kosegarten und der Sehnsuchtsort Rügen
Auf den Spuren der Romantik in Altenkirchen und Vitt
im Norden der Insel

Die achteckige Kapelle in Vitt ist ein romantisches Ausflugsziel Foto: Dieter Lindemann/TZR
Manche glauben, dass Gotthard Ludwig Kosegarten der erste war, der Reisende auf die Insel Rügen gelockt hat. Seit 1792 wirkte er als Pfarrer in Altenkirchen auf der Halbinsel Wittow. Als Dichter und Denker der Romantik stand er in Briefkontakt mit Schiller, Goethe und Herder. In seinen Dichtungen feierte er die mythische Schönheit der Rügener Landschaft und trug auf diese Weise dazu bei, die Insel Rügen als Sehnsuchtsort der Romantik zu erschaffen. Wer heute auf seinen Spuren wandeln möchte, der beginnt am besten in Altenkirchen. Die Backsteinkirche ist die älteste Pfarrkirche Rügens. Sie wurde schon 1200 erbaut – nur wenige Jahrzehnte, nachdem das slawische Heiligtum am Kap Arkona zerstört worden war. Die heidnischen Rugier hatten in Altenkirchen ihre Begräbnisstätte eingerichtet – jetzt setzten die dänischen Eroberer dem Christentum mit dem Kirchenbau ein frühes Zeichen. 1967 wurde hier unter anderem die naive Zeichnung eines Schweins freigelegt – dieses mag ebenso für ein slawisches Kulttier als auch für unreine Wesen stehen, die vor dem Christentum aus der Kirche fliehen. Im südlichen Choranbau ist ein alter slawischer Grabstein in das Mauerwerk eingebaut – bei dem Mann mit Bart und Füllhorn mag es sich um einen Priester des Svantevit oder sogar um einen Begräbnisstein des Slawenfürsten Tezlaw handeln. Auf dem Friedhof liegt auch Gotthard Ludwig Kosegarten begraben – eine der wichtigsten Persönlichkeiten der Romantik auf Rügen. Seine Berichte haben andere Vertreter der deutschen Romantik auf die Insel gezogen. Darunter waren die Maler Caspar David Friedrich und Philipp Otto Runge, aber auch der Philosoph Friedrich Schleiermacher. In seinem allegorischen Reisebericht „Briefe eines Schiffbrüchigen“ berichtet Kosegarten über seine „seelische Rettung“ an der wunderschönen Küste Rügens. Wenn die Heringsschwärme im Fischerdorf Vitt erwartet wurden, konnten die Fischer nicht zum Gottesdienst nach Altenkirchen kommen, das acht Kilometer entfernt liegt. Aus diesem Grund und auch um der Landschaft huldigen zu können, hielt Kosegarten Uferpredigten ab. Stets war ein „Utkieker“ dabei, der Ausschau hielt und den Pfarrer gelegentlich mit dem Ruf „De Hiering kümmt!“ unterbrach. 1806 ließ Kosegarten die hübsche achteckige Kapelle bauen. Von Philipp Otto Runges Gemälde „Petrus wandelt auf dem Meer“ ist heute nur noch eine Kopie zu sehen, das Wandgemälde entstand zu DDR-Zeiten und stammt von Gabriele Mucchi.
Der Nonnensee bei Bergen ist Vogelparadies
Heimat für zahlreiche Vogelarten und Rundweg zur Naturbeobachtung im Schutzgebiet
Bergen auf Rügen nennt sich stolz die Kreisstadt der Insel. Für Feriengäste ist sie vor allem attraktiv wegen der Kirche St. Marien, die mit ihren Wandmalereien zu den bedeutendsten Kunstdenkmalen Norddeutschlands gehört, und weil der Ernst-Moritz-Arndt-Turm einen spektakulären Ausblick über die Insel bietet. Außerdem kann man hier gut Einkaufen und Kunstinteressierte finden eine der wenigen Galerien für zeitgenössische Kunst im Nordosten: The Coop GALERIE in der Bahnhofstraße. Wer Naturerlebnisse sucht, der sucht meist woanders - dabei verfügt die Stadt mit dem Nonnensee über ein einzigartiges Naturreservat.

Paradies für Vögel und Menschen - der Nonnensee in Bergen
Die Nonnen des ehemaligen Klosters der Stadt, das gegen Ende des 12. Jahrhunderts gestiftet wurde, gaben diesem Areal seinen Namen. 1967 wurde der See trocken gelegt, um Weideland zu gewinnen. Doch als im Winter 1993 das Schöpfwerk ausfiel, bildete sich der See erneut. Heute ist er 70 Hektar groß und bis zu eineinhalb Meter tief. Einige Baumstümpfe ragen noch heraus und erinnern daran, dass hier vor kurzer Zeit noch Land war. Zahlreiche Vogelarten nutzen das Gebiet nun zur Nahrungssuche, zur Rast oder als Brutrevier. Der See gehört zum Landschaftsschutzgebiet „Nordrügensche Bodden und Nonnensee" und steht mittlerweile unter Naturschutz. Auf einem fünf Kilometer langen Rundweg kann man ihn mit dem Rad oder zu Fuß umrunden. Von Beobachtungsständen aus kann man über den breiten Schilfgürtel blicken und die Vögel beobachten - Kormoran und Fischreiher sind häufig anzutreffen, aber auch den seltenen und vom Aussterben bedrohten Seeadler kann man hier sehen. Am schönsten ist der Nonnensee am frühen Morgen, während die Natur erwacht. Wenn die Sonne hoch steht, sollte man Hut oder Schirm dabei haben, denn natürlichen Schatten gibt es hier nur wenig.
Der Nonnensee befindet sich unweit der großen Einkaufsmärkte im Norden der Stadt, an der Kreuzung von Gingster Chaussee und B 96 a, hier befindet sich auch ein kleiner Parkplatz. Weitere Informationen: Touristen-Information Bergen, Telefon 03838 / 81 12 06, www.stadt-bergen-auf-ruegen.de
Gesunde Schönheit aus Jasmunds Naturapotheke
Rügener Heilkreide ist ein anerkanntes Heilmittel -
auf Jasmund wird sie gewonnen
Schon die ersten Sommerfrischler Ende des 19. Jahrhunderts suchten in Sassnitz vor allem Erholung in gesunder Luft. Auch heute noch sorgen die Wälder an der Kreideküste und die Nähe zur Ostsee für ein besonders gesundes Klima. Doch auf Jasmund wird auch das bedeutendste Rügener Naturprodukt für Gesundheit und Schönheit abgebaut - die Rügener Heilkreide.

Alles über Abbau und Verwendung der Rügener Kreide im Kreidemuseum Gummanz mit Naturlehrpfad
Schon 1910 wurde sie zu Heilzwecken verwandt. Sassnitzer Physiotherapeuten und Wellness-Spezialisten setzen sie heute wieder erfolgreich ein. Die Kreide, die im Kreidewerk Klementelvitz nahe Sassnitz abgebaut wird, wirkt bei rheumatischen Krankheiten und Erkrankungen des Bewegungsapparates ebenso wie bei Gicht, Osteoporose und Muskelverspannungen. Die Rügener Kreide besteht zu 98 Prozent aus Kalziumkarbonat und verschiedenen Spurenelementen. Meistens wird sie als 45 Grad warme Paste in einer bis zu zwei Zentimeter dicken Schicht auf die Haut aufgetragen. Diese reagiert darauf mit erhöhter Stoffwechseltätigkeit. Angeregt durch die Kreidepackung, befreit sie sich von Giften und Schlacken. Die besonders feincremige Struktur und Geruchlosigkeit der Jasmunder Heilkreide verwöhnen auch die Sinne. Sie regt die körpereigene Hautfettung an und wirkt daher überhaupt nicht austrocknend. Über die Geschichte von Abbau und Nutzung der Kreide auf Rügen informiert das Kreidemuseum in Gummanz. Individuelle Angebote für seine Gäste stellt unter anderem die Tourist-Service Sassnitz zusammen und offeriert gesunde Arrangements rund um die Kreide. Bei einer Übernachtung nach Wahl erfahren Gäste dabei eine Anwendung mit der Jasmunder Heilkreide durch erfahrende Physiotherapeuten. Während einer Schiffstour entlang der Kreideküste erleben sie auch die Schönheit ihrer strahlenden Pracht vor dem Blau der See und dem Grün der Wälder und können auf einer geführten Wanderung auf dem Hochuferweg spektakuläre Ausblicke genießen. Die gesunde Sassnitzer Kreidepoesie kann bei einem Abendessen in den besten Restaurants der Stadt ihren schönen Ausklang finden.
Weitere Informationen:
Tourist-Service Sassnitz
Telefon 038392 / 64 90, www.insassnitz.de
Wald und tolle Aussicht mitten in Bergen
Der Rugard ist ein kleines, aber feines Ausflugsziel
mit tausendjähriger Geschichte
Viele Kleinstädte wären froh, wenn sie so ideale Voraussetzungen für die Erholung hätten wie die Inselkreisstadt Bergen. Nur wenige Schritte von Markt und St. Marienkirche entfernt beginnt der Rugard mit seinen hohen Bäumen, sanften Tälern und schönen Aussichtplätzen. „Hochaltar des Landes" nannte der Rügener Dichter und Heimatforscher Johann Jakob Grümbke den Bergrücken. Er erhebt sich fast einhundert Meter über das Land und auch die Stadt Bergen wurde auf diesem kleinen Berg erbaut - wie ihr Name verrät. Der Ernst-Moritz-Arndt-Turm verspricht eine tolle Aussicht bis nach Putbus und zum Jagdschloss Granitz, bei sehr guter Sicht bis zur Insel- und Boddenlandschaft von Mönchgut. Fast die ganze Insel breitet sich von hier vor dem Blick des Besuchers aus. 27 Meter hoch ist der Turm. Er wurde zwischen 1869 und 1877 erbaut - als Denkmal für den Rügener Dichter und politischen Publizisten Ernst Moritz Arndt. Über dessen Leben informiert anschaulich das hübsche Arndt-Museum in Garz. Gleich nebenan lädt ein traditionelles Ausflugslokal mit Gartenterrasse zum Verweilen ein. Doch der Turm steht auch auf historisch bedeutendem Grund. Schon in vorgeschichtlicher Zeit befand sich hier ein germanischer Kultplatz, später errichteten die Slawen dort eine Burg. Ihre Wallanlage ist heute noch sichtbar. Auch im Sommer kann man mit der ganzen Familie Spaß auf der Inselrodelbahn haben oder auf der Rugard-Freilicht-Bühne Konzerte erleben. In jedem Fall lohnt sich ein Spaziergang durch den Wald des Rugards, denn hier kann man sich vom Trubel des Marktplatzes oder dem Besuch von Sehenswürdigkeiten erfrischend erholen.
Weitere Informationen:
Touristen-Information Bergen auf Rügen
Telefon 03838 / 81 12 06 oder 76
www.stadt-bergen-auf-ruegen.de
Hurra, die Altensiener Bockwindmühle lebt!
Es mahlt und bäckt und singt und klingt
in der Altensiener Mühle nahe Sellin
Die Altensiener Bockwindmühle ist etwas ganz Besonderes - eine bäuerliche Kleinmühle zum Schroten und weit und breit ohne Beispiel. Nach historischen Ansichten wurde sie wieder aufgebaut und ist heute ein beliebtes Ausflugsziel im Selliner Hügelland. Von Mai bis September immer donnerstags und freitags wird es warm in Altensien, denn jeweils ab 14 Uhr heizt Bäckermeister Ehrcke aus Sellin den Backofen an, um Brot zu backen - erstes Anheizen erfolgt am 1. Mai. Der Ortschronist Gerhard Parchow erwartet die Besucher dann mit einem neuen Mehlsack voller Anekdoten aus dem historischen Leben der Region und dem Handwerk des Mahlens und Backens in Altensien. Man kann ebenfalls dabei zusehen, wie das traditionelle Backwerk entsteht. Wenn der Wind entsprechend weht, werden sogar die Flügel der Bockwindmühle bespannt und das Getreide frisch gemahlen. Keiner kann das frisch gebackene Brot vergessen - mit Schmalz gleich hier genossen, ist es eine ländliche Delikatesse. Auch Eintopf gibt es und Streuselschnecken mit Kaffee - doch der Geheimtipp der freundlichen Damen von der Kurverwaltung Sellin sind die Mühlenzungen, aromatisch mit Schmand und Speck gebacken. Am 1. Juni ist Mühlentag. Bei einem tollen Mitmachprogramm für Kinder und ländlicher Musik erleben die Gäste aus nah und fern einen schönen Tag an der historischen Mühle.

Weitere Informationen:
Kurverwaltung Ostseebad Sellin
Telefon 038303 / 16 11, http://www.sellin.de/
Im Hühnergötter-Paradies Schmale Heide
Auf einer Wanderung über die Feuersteinfelder bei Mukran urtümliche Natur entdecken

Heidekraut, Zwergenbäume und Wacholder inmitten des Gerölls der Feuersteine Foto: Ch. Gebler
Neben der Kreideküste auf der Halbinsel Jasmund gibt es auf Rügen noch einen weiteren Ort, an dem die so genannten Hühnergötter in reichlicher Anzahl gefunden werden können - die Feuersteinfelder zwischen Mukran und Prora im Nordteil der Schmalen Heide zwischen Kiefernwald und Kleinem Jasmunder Bodden, heute westlich der Bahnstrecke gelegen. Mitten im Wald trifft man hier auf eine geologische Rarität, denn gewaltige Ansammlungen von Feuersteinen finden sich normalerweise nur direkt an der Küste. Hühnergötter sind eine besondere Form der Feuersteine, gekennzeichnet von einem durchgehenden Loch. Die Glückssteine sollen Unheil vertreiben sowie die Legefreudigkeit von Hennen steigern, indem man sie ihnen in den Stall legt. Feuersteinvorkommen existieren in zahlreichen jura- und kreidezeitlichen Ablagerungen ganz Europas. In der Kreideschicht der Halbinsel Jasmund entstanden, wurden und werden Feuersteine auf Rügen vom Meer aus Kreideabrüchen heraus gebrochen und aus den Steilküsten gespült. Schwere Findlingsblöcke bleiben dabei vor der Küste liegen, aus den feinen Teilen entstehen weiße Sandstrände - in diesem Fall die Prorer Wiek -, die Feuersteine werden von der Ostsee auf dem Meeresgrund entlang gerollt. Vor etwa 3.500 bis 4.000 Jahren während einer Serie schwerer Sturmfluten wurden Unmengen von ihnen an dieser Stelle auf den Brandungssaum geworfen und mitten auf der Nehrung Schmale Heide angelagert. Auf einer Länge von circa zwei Kilometern bestehen diese 200 bis 300 Meter breiten Geröllwälle zu 90 Prozent aus Feuersteinen und 10 Prozent nordischen Geschieben. Das System von Feuerstein-Strandwällen breitet sich dabei fächerförmig vom litorinazeitlichen Kliff Südjasmunds aus. Das Außergewöhnliche dieser auch „Steinernes Meer" genannten Heidelandschaft, die schon seit 1935 unter Naturschutz steht, sind nicht nur ihre 14, sich auf einer Fläche von etwa 40 Hektar ausbreitenden und bis zu vier Meter hohen Feuerstein-Geröllwälle. Hier herrscht auch eine besondere Stimmung, wenn man in der unberührten Natur der (auch wind-)geschützten Heide das Meer rauschen hört. Tritt der Wanderer aus dem das Areal umgebenden 1840 angepflanzten Kiefernwald, der zwischen dem Strand von Prora und der Schmalen Heide liegt, bekommt er sofort den Eindruck, an einem ungewöhnlichen Ort voll urtümlicher Atmosphäre zu sein. Während er über die Steinfelder läuft und das Geräusch der sich aneinander mahlenden Feuersteine sich in der urwüchsigen Landschaft dämpfend verliert, entdeckt der aufmerksame Beobachter immer wieder neue Blickachsen und skurrile Wuchsformationen zwischen den sich dort ungestört entwickelnden Pflanzenarten. Die Gerölllandschaft ist immer wieder durchsetzt von niedrigen Bäumen, Wacholderbüschen, Hagebuttensträuchern und Heidekraut. Durch erschwerte Wachstumsbedingungen in den mächtigen Feuersteinablagerungen haben sich im Laufe der Zeit einmalige Kleinbiotope mit seltenen Pflanzenarten wie Knabenkraut, Sonnentau, sogar Orchideen und Wollgras sowie spärliche Zwergwuchsformen von Büschen und Bäumen herausgebildet. Indem man hier bereits Mitte des 19. Jahrhunderts sowie von circa 1975 bis Anfang der 1990er Jahre Europäische Mufflons ansiedelte und das Gebiet teilweise einzäunte, wurde versucht, die Steinwälle durch Verbiss vor einer zu starken Vegetationsentwicklung in Form von Verbuschung zu bewahren. Zurzeit jedoch sind die Feuersteinfelder wieder in ihrer gesamten Ausdehnung frei zugänglich.
ANREISE ZU DEN FEUERSTEINFELDERN:
Die Feuersteinfelder sind nicht direkt mit dem Auto zu erreichen. Am südlichen Ortsausgang von Neu Mukran befindet sich ein kostenpflichtiger Parkplatz, von welchem aus man dem etwa zwei bis drei Kilometer langen Wanderweg in den Nordteil der Schmalen Heide folgt. Mit dem Rad ist das Gebiet am besten von Süden her erreichbar. Über einen gut ausgebauten und landschaftlich attraktiven Forstweg, der direkt nördlich des Verkehrsübungsplatzes von der ehemaligen B 196a abzweigt, gelangt man bis an das südliche Ende der Geröllwälle. Der nächste Haltepunkt der Bahn ist Prora rund zweieinhalb Kilometer südlich der Feuersteinfelder und fünfhundert Meter südlich des Verkehrsübungsplatzes.
Hoch hinaus auf Rügens Aussichtstürmen
Wer auf Rügen unterwegs ist,
findet immer einen schönen Ausblick über die Insel
Nur selten bewegt man sich auf Rügen in der Ebene. Flachländer sind stets erstaunt über die hügelige Topografie der Insel, die immer wieder schöne Ausblicke auf waldreiches Land und idyllische Boddenlandschaft erlaubt. Doch als wäre dies nicht genug, haben die Rüganer sich und ihren Gästen eine Vielzahl von Aussichtstürmen an prominenten und versteckten Plätzen der Insel errichtet. Berühmt sind die Leuchttürme des Inselnordens am Kap Arkona. Nur wenig mehr als 19 Meter hoch ist der viereckige Backsteinturm (Schinkelturm), doch dafür vom Berliner Baumeister Karl Friedrich Schinkel geplant und schon 1826 bis 1827 erbaut. Direkt daneben erhebt sich stolz der so genannte Neue Leuchtturm mit 35 Metern und einer
Der Lotsenturm in Thiessow - ein tolles Ausflugsziel
im Süden der Insel
schönen Aussichtsplattform. Von hier aus sieht man auch den früheren Marinepeilturm, der direkt an der ehemaligen Tempelburg der Slawen steht. Als technisches Denkmal wurde dieser runde Backsteinbau liebevoll restauriert. Bei richtigem Licht beobachtet man den Sonnenuntergang von der Glaskuppel aus als Spiegelung gleich mehrfach. Die offene Plattform bietet eine gute Sicht auf das Flächendenkmal Kap Arkona und die Ostsee. Im Süden der Insel im ehemaligen Lotsendorf Thiessow steht auf dem 38 Meter hohen Lotsenberg stolz der 13 Meter hohe Lotsenturm und unterwegs von Sellin nach Bergen sieht man schon von weitem inmitten der Buchenwälder der Granitz das frühere Jagdschloss von Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus. Das klassizistische Baudenkmal wurde 1846 erbaut. Es liegt auf dem 107 Meter hohen Tempelberg und von der Plattform des 38 Meter hohen Mittelturmes sieht man weit in das Land hinein, bis in den Archipel der Mönchguter Boddenlandschaft. Keine Höhenangst darf haben, wer die gusseiserne Treppe hinaufsteigt, die im Inneren des Turmes freischwebend hinauf führt. Auf dem Weg zu weiteren Aussichtstürmen der Insel Rügen lohnt sich ein Ausflug zum 27 Meter hohen Ernst-Moritz-Arndt-Turm, der zwischen 1869 und 1877 auf der höchsten Stelle des Bergrückens Rugard in Bergen erbaut wurde. Auf dem 44 Meter hohen Hoch Hilgor in Neuenkirchen steht seit 1993 der mehr als 15 Meter hohe hölzerne Grümbke-Turm.

Selten erlebt man die Boddenlandschaft so schön, wie bei einem Blick vom Grümbke-Turm
in Neuenkirchen
Bewohner des idyllischen Boddendörfchens im Nordwesten der Insel wissen, dass man von hier aus bei gutem Wetter die Kreidefelsen der dänischen Insel MØn sehen kann. Und wer noch weiter hinauf möchte, der besucht die Kreideküste Jasmunds mit romantischen Ausblicken auf die See - den Königsstuhl mit 117 Metern Höhe oder das Hohe Ufer, dessen Kreidefelsen sich fast durchgängig 60 Meter hoch über die Ostsee erheben. Fast unbemerkt eröffnet sich eine schöne Aussicht auch bei Radtouren über den Bakenberg, die Gagerschen Höhen oder den Zickerberg - ungeschlagen überragt vom Piekberg bei Bobbin, der mit 161 Metern über dem Meeresspiegel schwebt. Und wem all dies noch nicht hoch genug ist, der bucht auf dem Flugplatz Güttin einen Rundflug und gewinnt so endlich Überblick über die landschaftliche Vielfalt der größten Insel Deutschlands.
Familienfreundliche Radwege auf Rügen
Lokales Bündnis für Familien stellte die besten Touren
auf Radwegekarte zusammen
Auf zwei Rädern und geeigneten Strecken entdecken Familien Rügens schönste Seiten gemeinsam
Mit dem Fahrrad können Familien die einmalige Natur der Insel Rügen am besten entdecken. Viele kleine und große Geheimnisse verbergen sich in der Boddenlandschaft, die Ostsee mit ihren endlosen Stränden und Rügens vielfältige Ortschaften sind spannende Ausflugsziele – vom urigen Fischerdorf bis zum lebhaften Ostseebad ist man auf Rügen unterwegs. Deutschlands größte Insel mit dem Fahrrad zu erkunden, ist ein Erlebnis für Groß und Klein. Man kann sich austoben, Natur und Landschaft genießen, gemütliche Pausen machen und zur Erfrischung baden gehen – tolle Aussichten, gemeinsame Erlebnisse und eine Extraportion frische Luft inklusive. Wer mit seiner Familie eine Radtour auf Rügen unternehmen möchte, jedoch nicht weiß, ob die Strecke auch für Kinder geeignet ist, der kann sich jetzt auf einer Internetseite informieren. Gemeinsam mit mehreren Schulen der Insel Rügen hat das Lokale Bündnis für Familien auf Rügen verschiedene Radwege getestet. Nach einem Ampelsystem wurden bisher acht Touren bewertet. Dabei steht Grün für leichte Ausflüge, gelb für mittelschwere und rot für eher schwierige Touren mit dem Fahrrad. Welche Wege der Insel für Erwachsene und Kinder gleichermaßen gut und einfach zu befahren sind, zeigt eine besondere Radwegekarte, die das Lokale Bündnis für Familien auf Rügen in den vergangenen Monaten erarbeitet hat. Sie verzeichnet nicht nur alle Strecken, die auf Kinder- und Familienfreundlichkeit getestet wurden, sondern auch Rastplätze, Spielplätze, Bademöglichkeiten, besondere Naturerlebnisse und Sehenswürdigkeiten. Tour 1 beispielsweise ist mit Grün und damit als leichte Tour bewertet. Sie nennt sich „Pack die Badehose ein“ und führt von Göhren über Klein Zicker, Middelhagen und Baabe wieder nach Göhren zurück, auch die Touren „Ein tierisches Abenteuer“ und „Eine Seefahrt, die ist lustig“ sind nicht schwierig zu bewältigen. Ein Abenteuer für Kinder und Eltern, die sich etwas mehr zutrauen, ist es, eine eigene schwierige Tour zu erproben und mit dem Fragebogen im Internet selbst zu bewerten. Die schönsten und für Kinder am besten zu fahrenden Touren sind im Internet unter www.familienbuendnis-ruegen.de zu finden. Dort kann man die jeweiligen Strecken auch als druckfähige PDF-Datei herunterladen.
Weitere Informationen und ein gedrucktes Informationsblatt mit den besten Touren gibt es beim Lokalem Bündnis für Familien, c/o Rügen tut gut e.V. , Bahnhofstraße 44 in Bergen oder unter der Telefonnummer 03838 / 3 15 01 20 sowie im Internet: http://www.familienbuendnis-ruegen.de/
Einkaufen und Kulturerlebnis in Bergen
Ein Besuch der Rügener Inselhauptstadt
lohnt sich nicht nur für den Großeinkauf
Es gibt einen Ort auf Rügen, an dem man das Rauschen der Ostsee nicht hören kann und der dennoch ein sehr attraktives Ausflugsziel ist: In Bergen auf Rügen residieren die Landrätin und die Kreisverwaltung, Banken und große Inselunternehmen haben hier ihren Sitz. Wer große Lebensmittelkäufe plant, findet hier alles, was er sucht. Kein Wunder also, dass immer Lebensfreude in der Luft liegt - die Bergener sind aktive Menschen, und das nicht nur, weil sie gewohnt sind,
Frühlingsgefühle zum ersten
Floh- und Handwerkermarkt des Jahres
den 91 Meter hohen Rugard zu besteigen, an dessen Hang die Stadt idyllisch liegt. „Bergen ist der einzige Ort der Insel mit städtischem Flair" verzeichnet ein nicht zu alter Reiseführer. Und tatsächlich findet man hier auf engem Raum alles, was eine richtige Stadt bieten sollte. Gute Einkaufsmöglichkeiten auch für Urlaubsgäste bestehen in trauter Gemeinsamkeit mit hübschen Cafés und Gaststätten, viel historischer Bausubstanz und einem reichen kulturellen Angebot. Den romantischen Blick vom Ernst-Moritz-Arndt-Turm in die Boddenlandschaft sollte man mitnehmen, bevor man sich zu einem Stadtbummel aufmacht. Nur wenige Schritte vom Marktplatz entfernt befindet sich hinter der Kirche St. Marien der ehemalige Klosterhof mit seinen Schauwerkstätten und dem Stadtmuseum. Was als Lagerstätte für das Feuerholz der ehemals hier ansässigen Nonnen geplant war, beherbergt heute unter anderem eine Keramikwerkstatt und andere kunsthandwerkliche Werkstätten. Das Stadtmuseum befindet sich ebenfalls in einem restaurierten Gebäude des ehemaligen Klosterhofes und präsentiert Einblicke in die Ur- und Frühgeschichte der Insel Rügen bis zur Zerstörung des Heiligtums der Slawen am Kap Arkona im Jahr 1168. Die Geschichte der Stadt Bergen von der Gründung des Klosters 1193 bis zur Zeit der Romantik lernt man anhand von Ereignissen aus der Schwedenzeit und durch Persönlichkeiten Rügens kennen. Ganz neu ist die Medienstation, an der man sich interaktiv mit der Stadtgeschichte auseinandersetzen kann. Nach persönlichem Interesse kann man in diesem Wissensangebot stöbern und außerdem das historische Stadtbild als Puzzle zusammensetzen oder ein Quiz lösen, für welches Wissen aus der Museumspräsentation abgefragt wird. Am Samstag, dem 28. März findet von 10 bis 16 Uhr wieder der erste Floh- und Handwerkermarkt des Jahres auf dem Klosterhof statt. Ein Besuch in Bergen lohnt sich dann in jedem Fall, denn schließlich ist daneben noch die Kirche St. Marien mit ihren bedeutenden Wandmalereien zu besichtigen. In der Umgebung findet man zudem viele Geschäfte und Boutiquen, in der mittleren Bahnhofstraße hat sich sogar eine Galerie für zeitgenössische Kunst angesiedelt.
Alle Informationen über Bergen als Ausflugsziel sind bei der Tourist-Information im historischen Benedixhaus am Markt erhältlich:
Telefon 03838 / 81 12 06 u. 76, www.stadt-bergen-auf-ruegen.de
Eintauchen in die Welt des Baltischen Meeres
Die größte Tauchgondel Europas befindet sich an der Seebrücke
im Ostseebad Sellin

Die Tauchgondel befindet sich am Ende der bekannten Selliner Seebrücke
Foto: Christiane Burwitz
Wie das Requisit aus einem Kinofilm sieht die Tauchgondel aus, die an der Seebrücke Sellin festgemacht hat. Das faszinierende Objekt lädt alle Gäste ein, die nicht selbst tauchen, aber dennoch trockenen Fußes die faszinierende Unterwasserwelt der Ostsee kennen lernen wollen. Obwohl der Besucherraum bis auf etwa 4 Meter in die Tiefe taucht und nur einen Meter über dem Meeresboden stehen bleibt, herrschen weiterhin Druckverhältnisse wie an Land, denn die Tauchgondel ist druckfest konstruiert. Auf Tauchstation erfährt man Interessantes über den Lebensraum Ostsee und die Tiere und Pflanzen, die, je nach Sichtverhältnissen und Jahreszeit, vor den Fenstern zu beobachten sind. Schon während des Abtauchens vermittelt die Besatzung spannendes Wissen über die Ostsee, über ihre Besonderheiten und ihre Gefährdung. Ein weiteres Fenster in die Welt der Meere eröffnet ein 3 D-Unterwasserfilm über die Ostsee. Der beeindruckende Film stellt das jüngste Meer der Erde und seine Bewohner vor. Nur wenig Fantasie ist nötig, um sich vorzustellen, dass die gefilmte Kegelrobbe direkt an der Tauchgondel vorbeizieht. Fische wie Flunder und Aal, die uns sonst nur auf den Speisekarten der Rügener Fischgaststätten begegnen, sind hier als lebendige Wesen zu beobachten. Ohrenquallen, winzige Planktonwesen, flinke Garnelen und majestätische Plattfische ziehen über Seegraswiesen und Sandgrund. Vom Baltischen Meer zum großen Barrier Riff und auf die Bahamas geht es, wenn ein weiterer 3 D-Film eindrucksvoll die Bedeutung der Korallenriffe für die gesamte Erde anschaulich macht. Die erste dieser weltweit neuartigen Tauch- und Bildungseinrichtungen, die Tauchgondel in Zinnowitz auf der Insel Usedom, ging 2006 in Betrieb. Erfinder der Gondel ist der Wolgaster Konstrukteur Andreas Wulff, der zusammen mit seinem Partner, dem Greifswalder Meeresbiologen Volker Miske, das Projekt entwickelt und durchführt. Die Tauchgondeln werden in Wusterhusen bei Greifswald gebaut. Naturschutzpartner ist der World Wide Fund for Nature (WWF). Die Selliner Tauchgondel ist das ganze Jahr lang geöffnet und so sollte man nicht versäumen, den Wandel der Jahreszeiten auch unter Wasser zu verfolgen.

Faszinierender Ausflug in die Unterwasserwelt der Selliner Ostsee
Foto: Christiane Burwitz
Die Tauchgondel ist von Nov. bis April täglich außer Montag u. Dienstag von 11 bis 16, im Mai, September u. Oktober von 10 bis 18 u. von Juni bis August von 10 bis 21 Uhr geöffnet.
Kurzfristige witterungsbedingte Ausfalltage sind möglich (Sturm, Eis). Eine Tauchfahrt dauert etwa 35 Minuten.
Die Mindestteilnehmerzahl beträgt 6 Personen, maximal 30 Personen können teilnehmen. Gruppen werden um Voranmeldung gebeten.
Weitere Informationen:
Telefon 038303 / 9 27 77, www.sellin.tauchgondel.de
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