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Feuersteinfelder

 

Im Hühnergötter-Paradies Schmale Heide

Auf einer Wanderung über die Feuersteinfelder bei Mukran
urtümliche Natur entdecken

 

Heidekraut, Zwergenbäume und Wacholder inmitten des Gerölls der Feuersteine            Foto: Ch. Gebler

 

Neben der Kreideküste auf der Halbinsel Jasmund gibt es auf Rügen noch einen weiteren Ort, an dem die so genannten Hühnergötter in reichlicher Anzahl gefunden werden können - die Feuersteinfelder zwischen Mukran und Prora im Nordteil der Schmalen Heide zwischen Kiefernwald und Kleinem Jasmunder Bodden, heute westlich der Bahnstrecke gelegen. Mitten im Wald trifft man hier auf eine geologische Rarität, denn gewaltige Ansammlungen von Feuersteinen finden sich normalerweise nur direkt an der Küste. Hühnergötter sind eine besondere Form der Feuersteine, gekennzeichnet von einem durchgehenden Loch. Die Glückssteine sollen Unheil vertreiben sowie die Legefreudigkeit von Hennen steigern, indem man sie ihnen in den Stall legt. Feuersteinvorkommen existieren in zahlreichen jura- und kreidezeitlichen Ablagerungen ganz Europas. In der Kreideschicht der Halbinsel Jasmund entstanden, wurden und werden Feuersteine auf Rügen vom Meer aus Kreideabrüchen heraus gebrochen und aus den Steilküsten gespült. Schwere Findlingsblöcke bleiben dabei vor der Küste liegen, aus den feinen Teilen entstehen weiße Sandstrände - in diesem Fall die Prorer Wiek -, die Feuersteine werden von der Ostsee auf dem Meeresgrund entlang gerollt. Vor etwa 3.500 bis 4.000 Jahren während einer Serie schwerer Sturmfluten wurden Unmengen von ihnen an dieser Stelle auf den Brandungssaum geworfen und mitten auf der Nehrung Schmale Heide angelagert. Auf einer Länge von circa zwei Kilometern bestehen diese 200 bis 300 Meter breiten Geröllwälle zu 90 Prozent aus Feuersteinen und 10 Prozent nordischen Geschieben. Das System von Feuerstein-Strandwällen breitet sich dabei fächerförmig vom litorinazeitlichen Kliff Südjasmunds aus. Das Außergewöhnliche dieser auch „Steinernes Meer" genannten Heidelandschaft, die schon seit 1935 unter Naturschutz steht, sind nicht nur ihre 14, sich auf einer Fläche von etwa 40 Hektar ausbreitenden und bis zu vier Meter hohen Feuerstein-Geröllwälle. Hier herrscht auch eine besondere Stimmung, wenn man in der unberührten Natur der (auch wind-)geschützten Heide das Meer rauschen hört. Tritt der Wanderer aus dem das Areal umgebenden 1840 angepflanzten Kiefernwald, der zwischen dem Strand von Prora und der Schmalen Heide liegt, bekommt er sofort den Eindruck, an einem ungewöhnlichen Ort voll urtümlicher Atmosphäre zu sein. Während er über die Steinfelder läuft und das Geräusch der sich aneinander mahlenden Feuersteine sich in der urwüchsigen Landschaft dämpfend verliert, entdeckt der aufmerksame Beobachter immer wieder neue Blickachsen und skurrile Wuchsformationen zwischen den sich dort ungestört entwickelnden Pflanzenarten. Die Gerölllandschaft ist immer wieder durchsetzt von niedrigen Bäumen, Wacholderbüschen, Hagebuttensträuchern und Heidekraut. Durch erschwerte Wachstumsbedingungen in den mächtigen Feuersteinablagerungen haben sich im Laufe der Zeit einmalige Kleinbiotope mit seltenen Pflanzenarten wie Knabenkraut, Sonnentau, sogar Orchideen und Wollgras sowie spärliche Zwergwuchsformen von Büschen und Bäumen herausgebildet. Indem man hier bereits Mitte des 19. Jahrhunderts sowie von circa 1975 bis Anfang der 1990er Jahre Europäische Mufflons ansiedelte und das Gebiet teilweise einzäunte, wurde versucht, die Steinwälle durch Verbiss vor einer zu starken Vegetationsentwicklung in Form von Verbuschung zu bewahren. Zurzeit jedoch sind die Feuersteinfelder wieder in ihrer gesamten Ausdehnung frei zugänglich.

ANREISE ZU DEN FEUERSTEINFELDERN:
Die Feuersteinfelder sind nicht direkt mit dem Auto zu erreichen. Am südlichen Ortsausgang von Neu Mukran befindet sich ein kostenpflichtiger Parkplatz, von welchem aus man dem etwa zwei bis drei Kilometer langen Wanderweg in den Nordteil der Schmalen Heide folgt. Mit dem Rad ist das Gebiet am besten von Süden her erreichbar. Über einen gut ausgebauten und landschaftlich attraktiven Forstweg, der direkt nördlich des Verkehrsübungsplatzes von der ehemaligen B 196a abzweigt, gelangt man bis an das südliche Ende der Geröllwälle. Der nächste Haltepunkt der Bahn ist Prora rund zweieinhalb Kilometer südlich der Feuersteinfelder und fünfhundert Meter südlich des Verkehrsübungsplatzes.


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