Im schwarzen See versank ein Schloss
Der verzauberte Prinz am Ufer wartet darauf, dass es wieder auftaucht

Der "Schwarze See" ist in der Granitz in den Rügener Sagenschatz eingegangen
Foto: Jens Frank
Wer gegen Abend eine Wanderung in den Zauberwald der Granitz unternimmt, der kann dabei eines der schönsten Märchen der Insel Rügen kennen lernen. Über den Hochuferweg nördlich der Seebrücke von Sellin geht es durch den Buchenwald zum mystischen schwarzen See. Der Sage nach wird hier bei Einbruch der Dämmerung gelegentlich ein Jüngling in prächtiger Kleidung erblickt, der seine Jagdwaffe geschultert und einige erlegte Hasen über die Schulter geworfen trägt. Stumm starrt er in den See und klagt: „Noch heute Morgen stand an dieser Stelle mein Schloss.“ Der Prinz hätte sein Schloss retten können. Nachdem es versunken war, dümpelte ein kunstvoll gearbeiteter Stuhl auf dem Wasser herum. Statt den Stuhl, als Symbol der Gastfreundschaft, vor dem Wasser zu retten, hatte der eitle Königssohn nur seine Handschuhe ergriffen, die er morgens dort vergessen hatte. Darauf versank der Stuhl im See und es blieb ihm nichts außer der Kleidung, die er am Leibe trug. Wer mutig genug ist, in das Fantasieschloss einzutreten, wenn seine Zinne sich an der Wasseroberfläche zeigen, der kann das Schloss wieder auftauchen lassen, sagt die Legende. Da noch keiner wagemutig genug war, dies zu tun, beschlossen die pragmatischen Selliner, sich einfach nahe der Ostsee neue Schlösser zu bauen. Etwas kleiner und oft aus Holz, mit Balustraden, Erkern und Türmchen und dazu eine Seebrücke, die wie ein Märchenschloss über der Ostsee thront. Wenn hier zu Sylvester die Korken knallen, dann ist es so laut, dass man nicht mehr hören kann, wie auch im versunkenen Schloss tief im schwarzen See eine unheimliche Festgesellschaft jubelnd feiert. Der Prinz verwandelte sich mit der Dunkelheit in einen knorrigen Eichenbaum, der auch heute noch am Ufer steht.
Eine Wanderung zum Schwarzen See
Verzauberter Ort inmitten der Granitz
ist märchenhaftes Ausflugsziel nahe Sellin
Der Sage nach war die knorrige Eiche am Ufer des Schwarzen Sees in der Granitz einst ein Prinz. Dieser hatte sich am Morgen zur Jagd in die Granitz verabschiedet. Als er zurückkehrte, war sein Schloss versunken – einzig ein letzter prächtiger Stuhl dümpelte auf dem Wasser herum. Anstatt den Stuhl als Zeichen der Gastfreundschaft zu retten, rettete er egoistisch nur seine reich verzierten Handschuhe, die darauf lagen und verlor so seinen gesamten Besitz. Manchmal des Nachts hören die Selliner Stimmen aus dem See schallen – das ist die Festgesellschaft im versunkenen Schloss, welche hier munter weiter feiert, während der Prinz – zu Eichenholz erstarrt – am Ufer wacht ...

Magisch liegt der Schwarze See in der Granitz Foto: Christiane Burwitz
Der See inmitten der Buchenwälder der Granitz erreicht auch aufgeklärte Besucher mit seinem eigenen magischen Reiz. Tiefschwarz und still liegt er vor dem Wanderer und das Wissen um die Sage erhöht die märchenhafte Atmosphäre. Der sagenhafte Schwarze See ist 25 Hektar groß und 15 Meter tief – ein kleiner Holzsteg führt auf den See, so dass man seine ganze Magie unmittelbar erleben kann. Von Sellin aus kann man eine idyllische Wanderung hierher machen. Dazu geht man den Weg zur evangelischen Kirche hinauf, an der Kurklinik vorbei und biegt an der nächsten Weggabelung rechts in Richtung Schwarzer See ab (gelber Wanderweg). Nach ca. 600 Metern kommt man an eine Kreuzung, an der man nach rechts abbiegt und der gelben Markierung folgt – nun ist es nicht mehr weit. Zurück auf dem Hauptweg kann man wieder in das Ostseebad Sellin zurückkehren – oder die Wanderung fortsetzen bis zum Jagdschloss Granitz. Von seinem Turm aus hat man eine wundervolle Sicht über die Insel Rügen. Auf dem Rückweg folgt man der roten Markierung Richtung Sellin bis auf die befestigte Forststraße. Nach der Schranke biegt man nach links in den Waldweg ein und geht den Hauptweg immer geradeaus.
Weitere Informationen über geführte Wanderungen zum Schwarzen See
bei der Kurverwaltung Ostseebad Sellin, Warmbadstraße 4,
Telefon 038303 / 1611 oder im Internet: www.ostseebad-sellin.de
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