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Ausflugstipp: Putbus
Die von Fürst Wilhelm Malte I. zu Putbus letzte planmäßig erbaute Residenzstadt und Modellstadt des Späten Klassizismus präsentiert sich als ein "italienischer Traum" mit Stuck, Säulen und Rosen. Zentrum ist der Circus, ein kreisrunder Platz mit einem 19 Meter hohen Obelisken im Zentrum um den sich 15 klassizistische Häuser gruppieren. Die weiße Stadt im grünen Herzen Rügens ist die Kulturhauptstadt der Insel

Rujan

 

 

Die neue Stadt Ruyan

Russische Stadt und deutsche Insel Namensvettern und durch rituellen Steinaustausch verbunden

 

 

Alexander Krawzow (m.) und seine Expeditionscrew Ende September bei der Bergung des Gründungssteins Rujan

 

Was verbindet eine karge Gegend am russischen Ob zwischen Nowosibirsk und Tomsk mit Rügen, Deutschlands größter Insel? Es sind zwei ca. 46 Kilogramm schwere Steine, der eine aus Sibirien und der andere von der Steilküste am Kap Arkona, die beide Ende September ihren angestammten Platz tauschten. Warum ausgerechnet Rügen?! Auf Willen eines Mannes, des russischen Unternehmers Alexander Kravtsov.
Zwanzig Jahre vor der Perestroika, in Jahren der wachsender Unzufriedenheit mit dem sowjetischen System mochte sich kaum jemand an die alten russischen Traditionen, die "große russische Seele" eines Tolstoi erinnern. In den ersten 20 Jahren nach jener durch Gorbatschow durchgesetzten Verwandlung der UdSSR hin zur freien Welt des Kapitals kümmerten sich weniger Russen um ihre Wurzeln. Die große weite Welt galt es zu entdecken, zu kaufen und zu probieren. Das Geld aber blendete die Menschen und aber machte das Leben in den Städten immer ähnlicher, schneller, austauschbarer.
Alexander Kravtsov gehört finanziell zu den "Gewinnern", den neuen Reichen im neuen Russland. Geld allein stellte ihn aber nicht zufrieden. Gibt es in Westeuropa seit Jahren immer mehr Aussteiger, Auswanderer, die diesem System den Rücken kehren, um fernab der Boulevards ein ursprünglicheres, naturverbundeneres Leben zu beginnen, verliebte sich Alexander Kravtsov in die Insel Rügen.
Rügen wird in seinen ersten schriftlichen Nachweisen aus den Jahren 1168 und 1193 als "Ro" und "Roia" sowie "Ruya" und "Ryia" bezeichnet. Für die Bewohner des Insel führte Historiker und Sprachetymologe Georg Jacob bereits 1894 Bezeichnungen als "Roiani", "Rojani", "Ruiani" und "Ruyani" ins Feld.
Der mit über 300 Geschäften in Russland im Segment Outdoor-Equipment, Naturreisen, Souvenirs, Restaurants und typisch-russischen Saunas erfolgreiche Unternehmer Kravtsov fand zwischen Tomsk und Nowosibirsk am Fusse Ob ein Hochplateau, auf dem er am 2. November 2010 eine [seine] neue Stadt Rujan [oder Ruyan] gründete, wo es übrigens beinahe so aussieht wie am Kap Arkona.

 

 

 

 

 
Auf Katamaranen über die Ostsee                       Der deutsche Landart-Künstler StefanNo schuf auch
                                                              in Rujan Gebilde aus und in der Natur

Blick aus dem Hubschrauber auf das Rujanplateau am Ob                                 Fotos: rügen aktuell

Den Grundstein für diese Stadt suchte und fand er mit seiner 10-köpfigen Crew Ende September/Anfang Oktober bei einer Expedition nach Rügen und brachte einen ebensolchen Stein als Ausgleich von Sibirien mit. Auf orangefarbigen Katamaranen brachten sie den Stein dann von Lauterbach nach Kaliningrad in Russland.
Auf der Suche nach dem Stein lernten sie den Landart-Künstler StefanNo vom Kap Arkona kennen. Etwa 7500 Kilometer von Rügen entfernt errichtete er während der Stadtgründung sein „land-art“ Vogelnest und wurde, weil es den Mitarbeitern so gut gefiel, daraufhin gleich noch einmal für das kommende Frühjahr zu einem land-art-Kunstworkshop mit den neuen Städtebauern nach Sibirien eingeladen.
Die Pläne Kravtsovs und seiner Mitstreiter sind ambitioniert und visionär. Sie wollen eine Stadt der Zukunft im Einklang mit der Natur mit modernen kommunikations-technologischen und ökologischen Voraussetzungen errichten. Hier sollen sowohl neuartige Geschäftsideen, als auch eine lebendige und freie Szene für Kunst, Philosophie und Wissenschaft wachsen und eine lebenswerte Welt für [Indigo-]Kinder aus dem Enthusiasmus eines Kollektivs entstehen.
Dem Manifest, welches sich diese neue Gemeinschaft gegeben hat, ist zu entnehmen, dass diese neue Stadt und ihre Bürger zwar Teil Russlands sein werden, doch wünschen sie sich, dass Kreative aus der ganzen Welt an der Idee Ruyan mitgestalten. Als einer der ersten Schritte soll ein weltweiter Architekturwettbewerb ausgerufen werden.
Wie immer bei solchen Innovationen gibt es auch in Russland kritische Stimmen. Manche munkeln wie so oft von einer bereits im Ansatz verlorenen gesellschaftlichen Utopie, andere sehen in Kravtsov einen über Gesellschaft und Gesetz stehenden Unternehmer, der im fernen Sibirien verborgen Geld rein waschen will.
Wohin sich dieses gesellschaftliche Projektes entwickeln wird, wohin die Absichten der Macher reichen, wird zu verfolgen bleiben. Für Rügen gibt es jetzt eine steinerne Verbindung zu einer Stadtgründung am fernen Ob in Russland.

 


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