Ostseepipeline im Fährhafen Mukran
Ganz in der Nähe von Sassnitz werden alte Weichen neu gestellt für russisches Erdgas

Wurde nicht abgewickelt und hat sich die Jahre seit der Wende nicht gewendet - beobachtet stattdessen nunmehr unbewacht die vielen Erdgasrohre, die von A nach B verladen werden - ein alter Wachturm im Fährhafen Mukran
Foto: Jens Frank
Mukran war einst ein gut gesicherter und nicht für jeden Bürger zugänglicher Güterumschlaghafen zwischen der DDR und der Sowjetunion, um den kostspieligen Transit-Landweg und die damals politisch unsichere Situation in Polen über die Ostsee zu umfahren. Dann passierten Perestroika und die Wende. Und nach dem Abzug ehemaliger Sowjetsoldaten über das Fähr-Terminal nach Klaipeda schien Mukran in eine Art Dornröschenschlaf zu fallen. Denken kann man dies bis heute bei den vielen Bäumen zwischen den all unbefahrenen Gleisen. 1998 wurde das Fährterminal für die Schiffe nach Schweden von Sassnitz nach Mukran verlegt.
Sieben Jahres später hatte Mukran noch einmal Glück. 2005 – die politische Entscheidung eine neue Gasleitung von Russland nach Westeuropa Unterwasser statt Überland zu verlegen. Wieder einmal ging es darum, Polen zu umgehen nur diesmal auf dem Meeresgrund.
Mukran wurde zu einem der fünf Umschlagplätze der sieben Milliarden teuren Ostsee-Pipeline bestimmt. Jetzt ummanteln hier bis zu 150 Arbeiter 12 Meter lange und 23 Tonnen schwere Rohre mit Beton. Extra dafür wurde ein neues Werk für 40 Millionen aus dem Boden gestampft. Von ihren Lagerplätzen neben verrosteten Eisenbahnschienen, nahe dem Ostsee-Ufer und auf etlichen umliegenden Feldern gehen sie irgendwann auf ihre letzte Reise, um Ihren Platz in der Pipeline einzunehmen.
Fährt man heute von Prora nach Sassnitz sieht man die gewaltigen Rohre hinter den Feuersteinfeldern rechts und links der Straße nur noch darauf warten, auf den Meeresboden versenkt zu werden.
Von Wyborg werden, wenn die Leitung steht, acht Flugzeugturbinen das in Westeuropa heiß begehrte sibirische Gas mit 220 Bar die Strecke von 1223 Kilometern nach Lubmin pressen – ganz ohne Transitkosten.
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