Waase auf Ummanz
"Schatz" in Nord-West-Rügen
Von Antwerpen über England bis auf die Insel Ummanz

Unterwegs auf Ummanz sollte man die Kirche in Waase besuchen
Auf der Insel Ummanz nahe Schaprode findet der kultur- und geschichtsinteressierte Inselgast die kleine St. Marienkirche in Waase. Das erste Kirchengebäude wurde bereits um 1291 erbaut, doch stammen bis auf wenige Reste die meisten Bauteile aus jüngerer Zeit. Im Wesentlichen sind die heute erhaltenen Bauelemente wegen starker Zerstörungen durch den Dreißigjährigen Krieg im 17. Jahrhundert neu errichtet worden. Beeindruckend an der Kirche ist weniger der Bau, als vielmehr ein besonderes Ausstattungsstück. Diese kleine Inselkirche birgt im Inneren einen ausgeklappt über vier Meter breiter Kastenflügelaltar aus Antwerpen. Wegen der hohen Qualität der Schnitzerei gilt das als "Thomas-Altar" bezeichnete Retabel im regionalen Vergleich als große Kostbarkeit. Seine Benennung erhält das Werk, das um 1520 in einer Antwerpener Werkstatt gefertigt wurde, nach den dargestellten Szenen aus dem Leben eines bedeutenden Erzbischofs von Canterbury Jahrhundert, Thomas Becket (11. Jh.). Sie sind an prägnanter Position unterhalb der zentralen Passionsszenen platziert und stellen in der hiesigen Region ein ungewöhnliches Bildprogramm dar. Dereinst ist das Werk von der Nikolaikirche in Stralsund angeschafft, aber vermutlich ursprünglich für eine englische Kirche gefertigt worden. Es wird angenommen, dass das reiche Schnitzwerk nachdem König Heinrich VIII. von England mit der katholischen Kirche brach, die anglikanische Kirche begründete und Becket "verurteilte", nicht mehr aufgestellt werden durfte. Da ein solches Werk einen beträchtlichen Anschaffungswert hatte, wird man versucht haben es zu verkaufen. So gelangte es nach um 1540 in die Stralsunder Nikolaikirche und später in die Heilgeist Kirche. Dass der Altar 1708, deutlich nach der Reformation und dem sogenannten Bildersturm, für einen Kaufpreis von 50 Taler in das kleine Kirchlein nach Waase kam, ist belegt. Das Warum lässt sich weitaus schwieriger klären. Es bleibt ein großartiges Werk in einer kleinen abgelegenen Dorfkirche mit einer spannenden Geschichte.
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