Die Faszination des Bernsteins in Sellin
Im Dezember 2009 konnte das Bernstein-Museum in Sellin sein zehnjähriges Jubiläum feiern. Nach der Wende war der Goldschmied Jürgen Kintzel der Einzige auf Rügen, der Bernstein anbot. Heute kann man Bernsteinschmuck überall dort kaufen, wo etwas los ist. Mit dem wachsenden Angebot mehrten sich auch die Fragen der Kunden: „Wie erkenne ich echten Bernstein€“, „Was ist das Besondere am Baltischen Bernstein€“, „Was ist Bernstein eigentlich€“ So entstand bei dem gestandenen Handwerker die ungewöhnliche Idee, im Ostseebad Sellin ein Privat-Museum für den Bernstein zu eröffnen. Von Anfang an war ihm dabei wichtig, die Ausstellung auf fachlich solide Füße zu stellen. Daher hat er schon früh den Kontakt zu Wissenschaftlern gesucht und ist selbst ein begeisterter Bernstein-Spezialist geworden. Als er kürzlich einen ungewöhnlichen Bernstein mit gleich zwei Inklusen erhielt, sandte er sie zum „Arbeitskreis Bernstein“ an der Universität Hamburg. Dass es sich bei den Einschlüssen im Jahrmillionen alten Baumharz um einen Flohkrebs und einen Skarabäus handelte, hatte er schon selbst herausgefunden – der Umstand, wie der Skarabäus, der sich eigentlich nur in Laubwäldern heimisch fühlte, gemeinsam mit dem Flohkrebs in das Nadelholzharz kam, konnte auch in Hamburg nicht beantwortet werden. Es sind diese Fragen, die Jürgen Kintzel interessieren und deren Antworten er gern an seine Besucher weitergeben möchte. Nur ein kleiner Teil des weltweit gefundenen Bernsteins eignet sich für die Schmuckherstellung. Jüngerer Bernstein ist oft zu weich für die Bearbeitung – verbirgt aber häufig spannende Geschichten über die Entwicklung der Erde und deren Bewohner. Bis zu 14. 000 Besucher kommen jedes Jahr in das kleine Museum hinter Jürgen Kintzels Goldschmiedewerkstatt. Dort lernen sie bei einer Führung durch seine langjährige Mitarbeiterin Frau Eichstätt Rohbernstein aus aller Welt und allen Zeiten kennen. Aber auch die Entstehung einer Perle, Schmuck aus der ehemaligen Königsberger Schmuckmanufaktur, Objekte aus Pressbernstein und preiswerte Gießharzimitate sind im Bernstein-Museum zu sehen. Schautafeln und Vitrinen vermitteln fundiert und unterhaltsam Wissenswertes zum „Gold des Meeres“.
Das Selliner Bernstein-Museum in der Granitzer Straße 43 / Ecke Wilhelmstraße ist ganzjährig jeweils Montag bis Freitag von 10 bis12 und 14 bis 17 Uhr sowie Sonnabend von 10 bis 12 Uhr geöffnet. Gruppen werden um telefonische Anmeldung unter 038303 / 8 72 79 gebeten.
Weitere Informationen auch unter www.bernsteinmuseum-sellin.de.
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